Eine zweite ihrer Haupt-Leidenschaften ist das Tabakschnupfen. – Sie kauen und schnupfen den Tabak mit derselben Lust, mit der man ihn bei uns rauchen sieht. Ihre Art aber, wie sie den Tabak zu sich nehmen, ist so eigen, daß ich sie unmöglich übergehen kann. Die meisten Bauern, ja selbst viele der Priester haben keine eigentliche Dose, sondern eine Büchse aus Bein gedrechselt, in Gestalt eines kleinen Pulverhornes. – Wenn sie nun schnupfen wollen, so neigen sie den Kopf zurück, stecken die Spitze dieses Hornes in die Nase und schütteln eine Dosis Tabak hinein. – Und so gar nicht ekel sind diese liebenswürdigen Naturmenschen, daß sie dieß Tabak-Horn ihrem Nachbar reichen, dieser wieder dem seinigen und so fort – – von Nase zu Nase, – ohne es je zu reinigen oder abzuwischen.
Ueberhaupt glaube ich, daß, was Unreinlichkeit anbelangt, die Isländer den Grönländern, Eskimos oder Lappländern nicht viel nachstehen werden. – Wollte ich beschreiben, was ich in der Art alles sah, meine guten Leserinen würden mitten auf dem festen Lande seekrank werden, oder doch wenigstens mich sehr arger Uebertreibungen beschuldigen. Ich sage daher nur: Man denke sich von Unreinlichkeiten, von ekelhaften Handlungen so viel die kräftigste Fantasie zu erfinden vermag, ich unterschreibe es unbedingt als bei den Isländern zu Hause.
Neben diesen gar nicht rühmlichen Eigenschaften besitzen sie auch eine große Trägheit. Etwas entfernt von den Küsten liegen unübersehbare Wiesenthäler, die aber alle so versumpft sind, daß man sie stets mit Furcht durchreiten muß. Die Ursache hiervon liegt weniger am Boden als an den Menschen. – Man dürfte nur Gräben ziehen, und die Wiesen auf diese Art trocken legen, um das herrlichste Gras zu erhalten; denn daß dieses in Island gedeiht, beweisen die vielen kleinen Anhöhen, die in solchen Thälern aus den Sümpfen ragen, und mit Gras, Futterkräutern und wildem Klee üppig bewachsen waren. – Eben so kam ich über große Stellen, die schöne Erde hatten, und über andere, auf denen Erde mit Sand gemischt lag.
Ich sprach öfter mit einem Herrn Boge, der bereits vierzig Jahre in Island ansässig ist und nicht geringe landwirthschaftliche Kenntnisse besitzt, ob es denn nicht möglich wäre, durch Fleiß und Arbeit da bedeutende Feld- und Wiesenkultur zu erzielen? Herr Boge gab dieß zu, und meinte selbst, daß nebst schönen Wiesen auch wohl ergiebige Kartoffelfelder erzweckt werden könnten, wenn nur das Volk nicht so träge wäre und lieber Hunger litte, und allen Bedürfnissen der Reinlichkeit und Annehmlichkeit entsagte, ehe es zur Arbeit greift. Was ihm die Natur freiwillig bietet, ist ihm genug; – ihr etwas abzuringen, fällt ihm gar nicht ein. – Ich wünschte nur einige deutsche Bauern hierher versetzt zu sehen, wie manche Stelle würde bald ganz anders aussehen!
Der beste Boden Island's soll auf dem Norderlande sein. Da sieht man sogar einige Kartoffel-Aeker und auch Bäumchen, die ohne Hilfe und Pflege eine Höhe von 7-8 Fuß erreichen. Herr Boge, welcher bei dreißig Jahre dort etablirt war, hatte einige Vogelbeer- und Birken-Bäumchen gepflanzt, die bis zu 16 Fuß empor gewachsen waren.
Im Norderlande, so wie überhaupt etwas entfernter von der Küste, leben die Leute von der Viehzucht. Mancher Bauer besitzt da 2-400 Schafe, 10-15 Kühe und 10-12 Pferde; freilich gibt es so reiche nicht viele, aber jedenfalls sind sie besser daran, als die armen Küstenbewohner. – Die haben meist schlechten Grund und Boden und sind daher größtentheils auf den Fischfang angewiesen.
Noch muß ich, bevor ich Island verlasse, einer Sage erwähnen, die mir von vielen Seiten erzählt wurde, und die nicht nur von Bauern, sondern auch von Leuten der sogenannten »bessern Klasse« für Wahrheit gehalten wird.
Man behauptet nämlich, daß das innere unwirthbare Land ebenfalls bevölkert sei. Es sei von einer ganz eigenen Menschenklasse bewohnt, der allein die Pfade in diesen Wüsteneien bekannt wären. Diese Wilden hätten aber während des Jahres gar keinen Verkehr mit ihren Landsleuten, und kämen nur Anfangs Juli, höchstens auf einen Tag an einen der Hafenorte, um verschiedene Lebensbedürfnisse zu erhandeln, die sie alsogleich mit baarem Gelde auszahlen. Hierauf verschwinden sie plötzlich, ohne daß man weiß, wohin sie ihren Weg genommen haben. – Niemand kennt sie, nie bringen sie Frauen oder Kinder mit, und nie beantworten sie die Frage, woher sie kämen? – Auch ihre Sprache soll etwas schwerer zu verstehen sein, als jene der bekannten Einwohner Island's.
Ein Herr – den ich aus Achtung nicht nennen will – äußerte mehrmals den Wunsch, 20 oder 25 gut bewaffnete Soldaten zu haben, und mit ihnen diese wilden Menschen aufzusuchen.