Ein echter Schiffsmann trinkt nie Wasser. Ich machte diese Bemerkung auch an unserm Kapitain und Steuermann; in Ermangelung des Weines oder Bieres tranken sie stets Thee, und zwar außer den Mahlzeiten meistens kalten Thee.
Sonntag Abends war großes Souper, da ließ der Kapitain für uns vier Personen acht Stück Eier kochen, die er noch von Dänemark mit sich führte. Die Mannschaft bekam in den Thee einige Gläschen Punsch-Essenz.
Da ich nun meine lieben Leserinen mit dem kostbaren Speisenwechsel auf solch einem Schiffe bekannt gemacht habe, muß ich auch noch sagen, wie die Tischwäsche und das Reinigen derselben beschaffen war. – Erstere bestand blos aus einem Stücke altem Segeltuche, das über den Tisch gebreitet wurde, und so beschmutzt und unrein aussah, daß ich mir dachte, es wäre gewiß besser und appetitlicher den Tisch gar nicht zu decken – appetitlicher? Ja! aber besser?? Nein! – Doch so geht es den naseweisen Leuten, die immer klüger sein wollen, als Andere; – bald sollt' ich erfahren, wie wichtig dieses Tuch sei. – Ich sah nämlich eines Tages unsern Kammerdiener ein Stück Segeltuch gar mörderisch bearbeiten; er hatte es auf dem Boden ausgebreitet, stand mit den Füßen darauf, und fegte es von allen Seiten mit dem Schiffsbesen rein. – Nur bald erkannte ich an den manigfaltigen Fett- und Schmutzflecken unser Tischtuch, – und richtig fand ich Abends den Tisch ungedeckt. Nun sah ich aber auch die Folgen davon. Kaum hatte der Junge die Theekanne auf den Tisch gestellt, als sie schon in demselben Augenblick zu gleiten anfing. Glücklicherweise erfaßte sie der gewandte Kapitain noch am Henkel, sonst wäre sie zu Boden gestürzt, und hätte unsere Füße mit ihrem Inhalte überschüttet. – Und so ging es mit Allem; man konnte nichts auf dem glatten Tische stehen lassen und ich bedauerte den Kapitain recht sehr daß er kein zweites hatte.
Alles bisher Gerügte wäre, wie jeder meiner Leser einsehen wird, gewiß schon hinreichend gewesen, den Aufenthalt auf diesem Schiffe sehr unangenehm zu machen; nun kam aber noch ein Umstand dazu, durch welchen er sogar beunruhigend ward. Ich entdeckte nämlich nach mehreren Tagen, daß unser Schifflein fortwährend eine tüchtige Portion Wasser einließ, die alle 6-8 Stunden ausgepumpt werden mußte. Der Kapitain suchte mich zu beruhigen, indem er behauptete, daß jedes Schiff Wasser einließe, und das unsere nur etwas mehr, weil es schon alt sei. Ich mußte mich damit zufrieden geben; denn es zu ändern wäre ich doch nicht im Stande gewesen. – Glücklicher Weise bekamen wir keinen bedeutenden Sturm, und liefen daher weniger Gefahr.
Unsere Reise dauerte 20 Tage; 12 Tage sahen wir kein Land; der Wind trieb uns zu viel östlich und so bekamen wir weder die Farroäer noch die Schettlands-Inseln zu Gesichte. – Daraus würde ich mir nun eben nicht viel gemacht haben, hätte ich dafür einige Seeungeheuer, schäckernde Wallfische, bescheidene Haie oder so etwas dergleichen gesehen. – So aber sah ich von allen diesen Merkwürdigkeiten nur sehr wenig. Von einem Wallfische nahm ich nur die Strahlen des Wassers wahr, die er aus seinen Nasenöffnungen in die Höhe warf, und die vollkommen den Strahlen eines Springbrunnens glichen. Das Thier selbst war leider von unserm Schiffe zu weit entfernt, als daß man das Geringste von seinem Körper hätte sehen können. – Da war ein Hai schon etwas galanter; der schwamm doch wenigstens einige Minuten hindurch so nahe an unserm Fahrzeuge, daß man ihn vollkommen gut betrachten konnte; er mochte gewiß 16 bis 18 Fuß lang sein.
Eine schöne Vorstellung gaben uns während zwei Abenden die sogenannten Springer oder fliegenden Fische. Die See war so ruhig, als sie es nur sein konnte, die Abende mild und vom Mondlichte glänzend erleuchtet, und so blieben wir lange auf dem Decke und sahen dem heitern Spiele dieser Thiere zu. – So weit wir sehen konnten, war die Wasserfläche von ihnen bedeckt. Die jüngeren Fische erkannte man gleich an ihren höheren Sprüngen; sie mochten 3-4 Fuß lang sein und erhoben sich 5-6 Fuß über die Meeresfläche. Das Springen selbst sah aus wie ein Versuch des Fliegens, wobei ihnen jedoch ihre Flossen schlechte Dienste erwiesen, und sie augenblicklich wieder zurückfallen ließen. – Die Alten schienen nicht mehr die Schwungkraft zu besitzen, sie beschrieben nur ähnliche Bogen wie die Delphine, und erhoben sich nur so viel über das Wasser, daß man den Mitteltheil ihres Körpers sehen konnte.
Diese Springer werden nicht gefangen, sie haben wenig Thran und schmecken sehr schlecht.
Am dreizehnten Tage erblickten wir endlich wieder Land. Wir waren in das Skaggerakk gekommen, und sahen die Halbinsel Jüttland nebst dem Städtchen Skaggen. Die Halbinsel sieht von dieser Seite sehr öde aus; sie ist flach und mit viel Sand bedeckt.
Am sechzehnten Tage liefen wir in das Kattegat ein. – Wir hatten in letzterer Zeit fast immer entweder Windstille oder Gegenwinde, und trieben uns in Skaggerakk, Kattegat und Sund beinah 8 Tage herum. Manchen Tag kamen wir kaum 15 bis 20 Seemeilen vorwärts. – An solch windstillen Tagen vertrieb ich mir manche Stunde mit dem Fischfange, allein die guten Fische, obwohl man sie dumm schilt, waren doch so verzweifelt klug, an der Lockspeise meiner Angel nicht anzubeißen. Ich hoffte täglich auf eine Mahlzeit von Makarelen und fing im Ganzen – eine einzige.
Größere Unterhaltung gewährte mir der Anblick der vielen Schiffe, die von allen Seiten in das Kattegat segelten; ich zählte ihrer über 70. Je näher wir der Einfahrt des Sundes kamen, desto imposanter wurde dieses Schauspiel, desto näher drängten sich die Schiffe an einander. – Glücklicherweise begünstigte uns eine prachtvolle Mondnacht; – in einer finstern Gewitternacht wäre wohl mit der größten Vorsicht und Geschicklichkeit ein Zusammenstoßen nicht zu vermeiden gewesen.