Schlechtes Wetter gehört für den Reisenden gewiß zu den größten Plagen, und ist um so unangenehmer, wenn man durch Gegenden kömmt, die sich durch ihre Schönheit oder Originalität auszeichnen. – Beides vereinte sich heute; es regnete fast unaufhörlich, und dabei war die Fahrt an der schwedischen Küste und in den kleinen Fiord nach dem Hafen Gothenburgs von ganz eigenem Interesse. Das Meer glich hier mehr einem ausgebreiteten Strome, der von schönen Klippenpartieen begränzt, und von einzelnen kleineren und größeren Felsen und Klippenriffen durchwirkt war, an welchem sich die Brandung wunderbar schön machte. – Ganz nahe vor dem Hafen liegen theils an, theils zwischen den Felsbergen einige Gebäude; – es ist dieß das berühmte königl. schwedische Eisenbergwerk, das neue Werk genannt. Sogar amerikanische Schiffe kamen in größerer Anzahl, um hier dieses Metall zu holen.
Das Dampfboot bleibt in dem Hafen von Gothenburg über vier Stunden liegen, und man hat daher Zeit in die Stadt zu gehen, die eine kleine halbe Meile entfernt ist, und deren Vorstädte sich bis an den Hafen ziehen. Gleich beim Landungsplatze wohnt ein Kapitain, der stets zwei Pferde und einen Wagen in Bereitschaft hat, um die Reisenden in die Stadt zu führen. Es gibt auch Einspänner da, und selbst einen Omnibus. Erstere waren bereits bestellt, und letzterer soll so langsam fahren, daß beinah die ganze Zeit damit zugebracht wird. Ich miethete mit zweien meiner Reisegefährten die Equipage des Herrn Kapitain zur Hin- und Rückfahrt. Der Regen strömte zwar noch in dichten Massen auf unsere Häupter; doch beirrte uns dieß nur wenig. Meine beiden Gefährten hatten Geschäfte zu besorgen, und mich lockte die Neugierde. Ich wußte damals noch nicht, daß mich mein Weg nochmals hierher führen werde, und fortzufahren ohne eine so niedliche Stadt zu besehen, das ertrage wer will, – ich nicht.
Die Vorstädte sind durchaus von Holz gebaut, und besitzen viele schöne stockhohe Häuser, an die sich meist kleine Gärtchen schließen. Die Lage der Vorstädte ist ganz sonderbar und eigen. Mitten zwischen den Häusern liegen oft Felsenhügel, oder kleine Wiesen und Felder, ja die Felsen ziehen sich hie und da bis an die Straße und mußten theilweise gesprengt werden um den Durchgang zu gewinnen. Herrlich macht sich die Aussicht auf einer der Höhen, über welche der Weg nach der Stadt führt. Man sieht zwischen zwei gigantischen Felsen, welche einen schönen Ausschnitt bilden und in der See stehen – hindurch auf die ausgebreitete Nordsee.
Die Stadt hat zwei schöne Plätze. Auf dem kleinern steht die ansehnliche Hauptkirche, auf dem größeren das Rathhaus, die Post und viele sehr hübsche Häuser, an welchen es auch in den Gassen nicht fehlt. In der Stadt ist Alles von Ziegeln erbaut. Der Fluß Ham durchschneidet den großen Platz und erhöht seine Lebhaftigkeit durch die vielen Schiffe und Barken, die von der nahen See herein kommen, und Lebensmittel, vorzüglich aber Brennholz zu Markte bringen. Mehrere Brücken führen über ihn. – Interessant zu besuchen ist auch der Fischmarkt; es sind da sehr viele, und darunter sehr große Fische aufgestappelt.
Ich betrat hier zum ersten Male auf schwedischem Grund und Boden ein Zimmer. Was mir alsogleich in die Augen fiel, war, daß ich den Fußboden mit den feinen zarten Spitzen der Tannenzweige ganz bestreut fand; diese Nadeln verbreiteten einen höchst angenehmen Geruch, der gewiß auch gesünder ist, als jeder durch Kunst hervorgebrachte. – Ich fand diesen Gebrauch in ganz Schweden und Norwegen, aber leider nur in den Gasthöfen oder in den Wohnungen ärmerer Leute.
Gegen 11 Uhr Morgens setzten wir unsere Reise fort. Wir schifften glücklich durch die vielen Felsen und Klippen, und gelangten bald wieder in die offene Nordsee. An der Küste, welcher wir immer ziemlich nahe blieben, sahen wir auf einigen Felsen Telegraphen errichtet. Das Land links, Dänemark, verloren wir bald aus dem Gesichte. – Abends kamen wir zu der Festung Friedrichsver, von der wir aber, der bereits eingetretenen Dämmerung halber, nicht viel sehen konnten. Hier beginnen die sogenannten Scheren, die sich über 60 Seemeilen weit erstrecken, und den Christianssund bilden. So viel uns die zunehmende Dunkelheit erkennen ließ, war der Anblick dieses Sundes wunderschön. Zahllose Inselchen, viele darunter aus einzelnen Felsmassen bestehend, andere wieder herrlich bewachsen mit schönen schlanken Tannen, traten uns von allen Seiten entgegen. Doch der Lootse den wir eingenommen hatten, verstand sein Amt meisterhaft, und trotz der finstersten Nacht führte er uns sicher mitten hindurch nach Sandessund. – Hier warfen wir Anker, denn noch weiter zu fahren, wäre doch zu gefährlich gewesen. Auch mußten wir hier mit dem von Bergen kommenden Dampfboote zusammentreffen, seine Passagiere übernehmen, und ihm dafür einen Theil der unsrigen übergeben. Dieses Dampfboot ging nämlich wieder nach Bergen zurück, und nahm daher unsere dahin reisenden Passagiere mit sich. – Leider ging die See sehr hoch, und da war dieses Uebersiedeln höchst schwer zu veranstalten. – Keiner der beiden Dampfer wollte ein Boot aussetzen; endlich nach Mitternacht that es der unsrige, und nicht ohne Angst und Jammern wurden die Reisenden hinabgelassen. – Mich erbarmten sie Alle recht von Herzen; doch – Gott sei gedankt – es ging Alles ohne Unfall von statten.
21. August.
Heute bei Tage konnte ich erst die Lage von Sandessund besser betrachten. – Es besteht nur aus einigen Häusern. Die Wasserstraße ist hier von schroffen Felswänden derart eingeengt, daß sie kaum die Breite eines Stromes erreicht; doch bald erweitert sie sich wieder, und gewinnt nun mit jedem Ruderschlage an Schönheit und Mannigfaltigkeit. Man meint fast auf einem herrlichen See zu fahren, denn die Inseln ziehen sich so nahe an das im Hintergrunde liegende Gebirge, daß man sie für festes Land, und die durch sie gebildeten Buchten für Mündungen von Strömen halten kann. Dann scheint es wieder, als sähe man eine ganze Kette von Seen; da reiht sich einer an den andern, und manchmal glaubt man gar, schon das Ende der Fahrt erreicht zu haben, als sich plötzlich wieder durch die dicht an einander gelegenen Inseln ein Ausweg eröffnet. Die Inseln selbst sind von der mannigfaltigsten Verschiedenheit; – bald bestehen sie aus kahlen Felsen, und sind nur hie und da mit einzeln stehenden Tannen bewachsen, bald wieder reich mit Wiesen und Wäldern bedeckt. – Und zu allem diesem nun der Anblick der Ufer! Ach da gibt es so viel des Schönen, daß ich wirklich nicht wußte, wohin die Blicke zu wenden, um ja auch Alles zu sehen. – Dort liegen hohe Berge, die von unten bis hinauf mit finstern Tannenwaldungen bewachsen sind, da wieder liebliche Hügel mit saftigen Wiesen, mit reichen Feldern, mit niedlichen Bauerhäusern und Höfen, oder es öffnen sich die Berge und bilden die schönste Perspective in Schluchten und Thäler. – Oft kann man den Lauf einer Bucht verfolgen, bis sie in unendlicher Ferne mit den Wolken verschwimmt. – Oft sieht man wieder die herrlichsten Thäler geschmückt mit Ortschaften und kleinen Städten. – Ach! wäre ich nur auch im Stande, diese reiche, schöne Natur mit der Begeisterung zu schildern, die ich fühlte, als ich sie erschaute. – Leider sind meine Worte, wie meine Kenntnisse, viel zu schwach dazu, und ich kann meine Gedanken und Empfindungen nur andeuten, aber nicht beschreiben.
Bei dem Oertchen Walloe fängt die Gegend an minder schön zu werden; die Berge verwandeln sich in Hügel, und das Wasserbecken entbehrt der Inselgruppen. Das Oertchen selbst ist größtentheils hinter kleinen Hügeln verborgen. Doch daran stoßen eine Reihe hölzerner Hütten und Häuschen, die alle zu einer Salzsiederei gehören. Das Salz wird hier aus Meerwasser gewonnen.
Um zu dem Städtchen Moß zu gelangen, macht man einen kleinen Abstecher in eine der vielen Buchten, die sich von allen Seiten öffnen. Die Lage dieses Städtchens ist wunderschön; es liegt amphitheatralisch an einem Hügel, der sich an einen Berg lehnt. Am Meeresgestade steht ein artiges Haus, dessen Porticus auf Säulen ruht, es ist eine Badeanstalt.