Nahe dem Oertchen Horten, das ebenfalls recht malerisch gelegen ist, sieht man ein Schiffswerft, auf welchem Kriegsschiffe für Rechnung des Staates gebaut werden. – Viele müssen es aber denn doch nicht sein, denn ich sah nur ein einziges vor Anker liegen, und kein zweites im Beginne.
Auf der Fahrt nach dem Städtchen Dröbak kömmt man öfter an Ausschnitte von Inseln, durch die der Blick auf das hohe Meer streifen kann.
Ungefähr acht Seemeilen hinter Horten gewährt ein Berg ein wunderschönes Bild. Er liegt mitten in der See, drängt sie an die nahen Gebirgsketten und theilt sie derart in zwei Ströme, die sich erst hinter ihm wieder vereinigen.
Christiania erblickt man erst, wenn man kaum mehr zehn Seemeilen entfernt ist. Die Stadt und die Vorstädte, das Festungsgebäude, das neu erbaute königl. Schloß, die Freimaurerloge u. s. w. liegen an dem Hafen in einem schönen Halbkreise, der von Feldern und Wiesen, Waldungen und Gebirgen herrlich umfangen ist. Selbst die See kann sich von diesem zauberischen Anblicke nicht losreißen, und windet sich durch Hügel und Felder in schmalen Streifen bis weit hinter die Stadt.
Gegen eilf Uhr Morgens ungefähr erreichten wir Christianiens Hafen. Die Strecke von Sandesund hatten wir in sieben Stunden zurückgelegt, und während dieser Zeit viermal angehalten. Die Boote mit den Reisenden, mit den Waaren und Briefen waren immer schon bereit, fuhren eilig heran; Alles wurde umgetauscht und – weiter gefahren.
Aufenthalt zu Christiania.
In dieser Stadt kaum angekommen, war mein Erstes, eine Landsmännin aufzusuchen, die hier an einen Advocaten verheirathet ist. – Man sieht, daß die Wienerinen, denen man immer vorwirft »sie könnten ohne ihren lieben Stephansthurm gar nicht leben,« diese Sage doch manchmal zu Schanden machen. Nicht bald sah ich ein Pärchen, das glücklicher und zufriedener lebt als dieses, und doch ist Christiania über 200 Meilen vom Stephansthurm entfernt.
Schon während des Ganges vom Hafen in den Gasthof, und von da zu meiner Freundin kam ich durch die ganze Stadt. Ich fand sie nicht sehr groß und nicht sehr hübsch. Am besten macht sich noch der neuerbaute Theil; der hat doch wenigstens breite, ziemlich lange Straßen, in welchen die Häuser von Ziegeln und Steinen und mitunter recht ansehnlich sind. In den Nebengassen findet man häufig hölzerne Baracken die den Einsturz drohen. – Der Platz ist groß, aber unregelmäßig, und, da auf ihm der Markt von allen möglichen Artikeln abgehalten wird, auch sehr schmutzig.
Die Vorstädte sind meist von Holz erbaut. – Oeffentliche Gebäude gibt es mehrere ziemlich hübsche. Am schönsten machen sich das neue königl. Schloß und die Festung. Beide sind auf kleinen Anhöhen herrlich gelegen, und besitzen eine wahrhaft feenartige Aussicht. – Das alte königl. Schloß liegt in der Stadt, zeichnet sich aber durch nichts aus; es gleicht vollkommen einem Privathause. – Das Haus, in welchem der Storrthing abgehalten wird, ist groß, sein Portale ruht auf Säulen; doch die Treppen sind, wie in allen Steinhäusern in ganz Skandinavien, von Holz. – Das Theater fand ich von Außen für den Bedarf der Stadt groß genug, – von Innen sah ich es nicht. – Eines der schönern Gebäude ist die Freimaurerloge; sie enthält zwei ausgezeichnet große und schöne Säle, in welchen, nebst den Sitzungen der Freimaurer, auch jene von Gelehrtengesellschaften oder Festlichkeiten anderer Art abgehalten werden. – Das Universitätsgebäude scheint mir in gar zu großem Style angelegt zu sein; es ist noch nicht ganz beendet, wird aber so schön erbaut, daß es den größten Residenzen zur Zierde dienen könnte. Recht artig ist auch das Locale, in welchem sich die Fleischerbuden befinden. – Es bildet einen Halbkreis, und ist mit Bogengängen umgeben, in welchen die Käufer bei jeder Witterung im Trocknen stehen. Das ganze Gebäude ist von Ziegeln gebaut, die in ihrem natürlichen Zustande gelassen, weder mit Mörtel angeworfen, noch mit Kalk übertüncht sind. – Von sonstigen Pallästen oder Prachtgebäuden ist nicht viel zu sehen; die meisten Häuser sind einstockig.
Eine große Erleichterung für Fremde, die man in allen Städten Skandinaviens findet, ist das häufige Anschreiben der Namen der Straßen. Es mögen noch so viele Straßen in eine oder die andere münden, an jeder Ecke sind ihre Namen angeschrieben. – Man mag daher kommen, von welcher Seite man will, so weiß man gleich den Namen der Straße, in der man sich befindet, und braucht nicht erst darum zu fragen.