Die Stadt hat offene Kanäle und, wie alle übrigen, bei angekündigtem Mondschein keine Beleuchtung.
Um den Hafen ziehen sich hölzerne Quais, neben welchen mehrere große Magazingebäude stehen, die ebenfalls aus Holz erbaut, aber, wie überhaupt auch die meisten Häuser, mit Ziegeln gedeckt sind.
Die Einrichtungen und Auslagen der Gewölber sind einfach, die Waaren sehr schön, jedoch nicht von eigener Erzeugung. Es bestehen noch sehr wenig Fabriken, und Alles muß aus fremden Staaten bezogen werden.
Was mir sehr mißfiel, waren die schrecklich zerlumpt gekleideten Leute, die man überall auf den Straßen traf. Besonders sahen die jungen Burschen sehr liederlich aus. Sie bettelten zwar höchst selten; doch möchte ich ihnen bei Leibe nicht in einem einsamen Gäßchen begegnet sein.
Ich war so glücklich, gerade zur Zeit nach Christiania zu kommen, als die Sitzungen des Storthings gehalten wurden. – Es geschieht dieß alle drei Jahre. Die Sitzungen fangen im Jänner oder Februar an, und dauern gewöhnlich drei Monate. Dießmal hatten sich jedoch die Geschäfte derart angehäuft, daß der König vorschlug, den Storthing zu verlängern. Diesem glücklichen Zufalle hatte ich es zu verdanken, noch mehreren Sitzungen beiwohnen zu können. – Der König selbst wurde, um die Verhandlungen zu schließen, erst im Monat September erwartet.
Der Sitzungssaal ist länglich und ziemlich groß. An der einen der längern Wände stehen vier Reihen tapezierter Bänke, von denen eine Reihe die andere überragt. – Ueber achtzig Storthings-Männer haben da Raum zu sitzen. Den Bänken gegenüber steht auf einer erhöhten Tribüne der Tisch, an welchem der Präsident und der Secretär sitzen. Um die eine obere Hälfte des Saales läuft eine Gallerie, zu welcher Jedermann Zutritt hat.
Obwohl ich von der norwegischen Sprache nur sehr wenig verstand, so ging ich doch während meines kurzen Aufenthaltes in Christiania täglich auf eine Stunde in die Sitzung. Ich konnte wenigstens entnehmen, ob flüssig gesprochen, ob kurze oder lange Reden gehalten wurden u. s. w. Ich hatte leider das Unglück, lauter solche Redner zu hören, die die wenigen Worte die sie vortrugen, so abgesetzt und langsam herausstotterten, daß mir dabei ordentlich angst wurde, sie schienen nicht die geringste Gabe des Vortrages zu besitzen. Man sagte mir, daß es bei dem ganzen Storthing nur 3-4 gute Redner gäbe, und daß diese während der Paar Tage meines Aufenthaltes gerade nicht zu sprechen gehabt hätten.
Noch nirgends habe ich so verschiedenartige Fuhrwerke gesehen wie hier. Die gewöhnlichsten, dabei aber unbequemsten, sind jene, die man Carriol nennt. Solch eine Carriol besteht aus einem sehr schmalen, länglichen und offenen Kasten, der zwischen zwei ungeheuer hohen Rädern ruht und mit einem winzigen Sitzchen versehen ist. Da hinein wird man gepreßt; man muß die Füße der Länge nach ausstrecken, wird mit einem Leder bis an die Hüfte zugeschnürt, und muß in derselben Stellung, ohne auch nur einen Fuß bewegen zu können, vom Anfange bis zu Ende der Fahrt verbleiben. – Für den Kutscher ist hinter dem Kästchen ein Brett angebracht, auf welchem er, will der Kastenbewohner nicht selbst die Pferde leiten, knieend oder stehend dieß Geschäft verrichtet. Da es aber höchst unangenehm ist, auf der einen Seite beständig das Schwirren des Leitseiles, und auf der andern das Knallen der Peitsche zu hören, so kutschirt Alles selbst, die Frauen so gut wie die Männer. Außer diesen Carriols gibt es auch noch Phaetons, Droschken, Steierwägelchen u. s. w., nur keine gedeckten Wagen.
Ganz eigen construirt sind die Wagen, die zur Verführung des Biers gebraucht werden; man muß vorerst wissen, daß in Christiania sehr viel Bier getrunken wird, und daß man selbes nicht in Fässern, sondern gleich in Flaschen verführt. Die Wagen bestehen nun aus geräumigen, höchstens anderthalb Fuß hohen, gedeckten Kästen, die inwendig, gleich einem Flaschenkorbe, in viele Fächer getheilt sind, in welche die Flaschen gestellt werden.
Vielleicht nimmt man mir es nicht übel, wenn ich auch einer besonderen Art von Körben erwähne, deren sich die Dienstleute bedienen, wenn sie Artikel, die feucht oder schmutzig sind, wie z. B. Fische, Fleisch, Kartoffeln u. s. w., einkaufen. Diese Körbe sind von feinem Weißblech, und mit einem Henkel versehen. Die strohgeflochtenen Körbe gehören für Brot und andere reine und trockene Eßwaaren.