Unweit dieses Punktes erblickt man nun endlich auch einen Theil der Vorstädte Stockholms, die sich um einen breiten Arm des See's lagern. – Mit steigender Begierde aber sieht man nach der Stadt, von der sich immer mehr und mehr entfaltet. – Man sieht schon viele der artigen Landhäuser, die in kleinen Thälern, oder auf Abhängen und Hügeln als Vorläufer der Stadt liegen, und die Vorstädte, die sich amphitheatralisch an den steilen Felsufern fortziehen. Die Stadt selbst macht den Schluß, sie nimmt das ganze obere Ende des See's ein, und reiht sich zu beiden Seiten an die Vorstädte. Schon von weitem sieht und bewundert man die Ritterholmer Kirche, mit ihren gußeisernen, durchbrochenen Thürmen, und das wahrhaft grandiose königliche Schloß, das ganz im italienischen Style erbaut ist.

Kaum hatten wir im Hafen Stockholms Anker geworfen, so erschienen schon mehrere herkulische Weiber, und boten uns, gleich Trägern, ihre Dienste an. Es waren Darlekarlerinen[ [8]; sie kommen häufig nach Stockholm, um daselbst als Last- und Wasserträgerinen, als Kahnführerinen, u. s. w. ihren Lebensunterhalt zu gewinnen. Man nimmt sie gerne in Dienst, weil sie zwei treffliche Eigenschaften besitzen; sie sollen nämlich höchst redlich und arbeitsam sein, und dabei Kraft und Ausdauer gleich Männern besitzen.

Ihre Tracht besteht in schwarzen Röcken, die bis an die halbe Wade reichen, rothen Leibchen, weißen Hemden mit langen Aermeln, kurzen schmalen Schürzen von zwei Farben, rothen Strümpfen und Schuhen mit zollhohen hölzernen Sohlen. Um den Kopf schlagen sie entweder ein Tuch, oder sie setzen ein ganz kleines, anliegendes, schwarzes Häubchen auf, das nur auf dem Hinterkopfe sitzt.

Man findet in Stockholm häufig sowohl ganze eingerichtete Wohnungen, als auch einzelne Zimmer, die, so wie im Gasthause, tagweise vermiethet werden. Sie kommen bedeutend billiger, und haben daher sehr vielen Zuspruch. Auch ich miethete mir gleich ein solches Zimmerchen, das recht nett und freundlich war, und für welches ich, den Morgenkaffee mit eingeschlossen, täglich nur 1 Reichsthaler, d. i. nach unserm Gelde 32 kr. bezahlte.

Aufenthalt in Stockholm.

Da meine Reise eigentlich nur Island gegolten hatte, und ich diesen kleinen Theil Skandinaviens nur im Durchfluge besah, wird man es mir verzeihen, wenn ich mich darüber kurz fasse. Auch sind diese Länder bereits von andern Reisenden so trefflich geschildert, daß dagegen meine Beschreibung von zu geringem Belange wäre.

Ich blieb sechs Tage in Stockholm, und benützte diese Zeit so gut als möglich. – Die Stadt liegt an den Gestaden der Ostsee und des Mälarsee's. Beide Wasserflächen sind durch einen kurzen Kanal verbunden, an welchem die schönsten Gebäude stehen.

Ich besuchte vor Allem die herrliche Ritterholm-Kirche, die eigentlich mehr die Dienste einer Gruft und eines Waffensaales, als einer Kirche vertritt. – Die untern Räume bilden die Königsgruft; – die Monumente der verstorbenen Könige stehen in den Seitenkapellen. Im Schiffe der Kirche sind an beiden Seiten gewappnete Ritter zu Pferde aufgestellt, deren Rüstungen von einigen Königen von Schweden herrühren. – Die Wände und Ecken der höhern Räume der Kirche und Seitenkapellen sind reich mit Fahnen und Standarten geschmückt, deren Anzahl sich auf 5000 belaufen soll. Ueberdieß hängen noch an den Wänden der Seitenkapellen die Schlüssel der eroberten Festungen und Städte, und auf dem Boden liegen Trommeln und Pauken aufgeschichtet. Alle diese Gegenstände wurden den verschiedenen Nationen abgerungen, mit welchen Schweden Krieg führte.

Nebst all diesen Merkwürdigkeiten sieht man auch noch in den Seitenkapellen mehrere Rüstungen oder Anzüge von schwedischen Regenten hinter Glaskästen bewahrt. – Am meisten interessirte mich jener Anzug darunter, den Karl XII. an seinem Todestage trug, und der Hut durch welchen die Kugel durchging; – seine Reiterstiefel stehen daneben auf dem Boden. – Nicht minder interessant ist, schon auch des grellen Gegensatzes wegen, der modische Anzug, und der mit Gold und Federn geschmückte Hut des letztverstorbenen Königs, des Gründers der neuen Dynastie.

An derselben Seite des Kanals steht auch die Nikolaus-Kirche, welche unter den protestantischen Kirchen eine der schönern ist, die ich bisher gesehen habe; man sieht gleich, daß sie noch aus den katholischen Zeiten stammt, und daß man ihr die frühere Ausschmückung größtentheils gelassen hat. Sie besitzt mehrere große und kleine Oelgemälde, viele Monumente älterer und neuerer Zeit, und einen großen Reichthum an Vergoldungen. – Die Orgel ist groß und schön. Am Eingange der Kirche stehen schöne Reliefs in Stein gehauen, und in der Höhe sieht man auf einer Brücke stehend, eine aus Holz geschnitzte, mehr als lebensgroße Statue des heil. Erzengels Michael, wie er zu Pferde sitzend den Drachen erlegt.