Unweit dieser Kirche liegt der königliche Palast, zu dessen Beschreibung eine geschicktere Feder gehörte als die meine ist, und über welchen man lange Abhandlungen schreiben müßte, wollte man alle Schätze, Merkwürdigkeiten und Schönheiten sowohl seines Baues, als seiner innern Einrichtung erwähnen. Ich kann nur sagen, daß ich, außer den königlichen Palästen zu Neapel – Caserta mitgerechnet – nie etwas Aehnliches sah! – Doppelt fällt ein solcher Bau hier im hohen Norden auf, und in einem Reiche, das eben auch nie mit Ueberfluß überschüttet war.
Die Schifferholm-Kirche zeichnet sich mehr durch ihre Lage und tempelartige Form, als durch sonst etwas aus; sie steht frei auf einem Fels, dem königlichen Schlosse beinahe gegenüber, an der jenseitigen Seite einer Bucht der Ostsee, welche hier hereinschneidet. – Eine lange Schiffbrücke führt hinüber.
Die Katharinen-Kirche ist groß und schön. Man zeigt hier außerhalb der Kirche an einer Ecke derselben den Stein, auf welchem einer der Brüder Sturre geköpft wurde.[ [9]
Am Ritterplatz steht das »Ritterhaus«, eines der schönsten Schlösser – das alte königl. Schloß, und unweit davon noch andere theils königl., theils Privat-Schlösser; aber bei weitem nicht in der Anzahl und Pracht wie zu Kopenhagen. Auch die Straßen und Plätze dürfen sich mit jenen in Kopenhagen nicht messen.
Auf einem in einer der Vorstädte gelegenen Hügel, Groß-Mosbecken, hat man die schönste Ansicht von Stockholm; man übersieht das Meer und den Mälarsee, die Stadt und die Vorstädte, die sich bis an die Spitzen der Felshügel ziehen, die lieblichen Landhäuser, die auf allen Seiten an den Ufern der beiden Seen liegen. Kleine Felspartieen und Inselchen liegen so zwischen den Häusern und den Vorstädten, daß man sie auch noch zum Stadtgebiet rechnen muß, und gerade dieß Alles zusammen gibt der Stadt Stockholm ein so bizarres Ansehen, daß man wohl sagen kann, die Lage Stockholms läßt sich mit keiner Lage irgend einer andern Stadt vergleichen. Waldbedeckte Hügel, und nackte Felsengebirge schließen sich daran, deren Ketten man bis in die unendliche Ferne verfolgen kann. Wiesen und Felder nehmen wohl nur einen geringen Raum ein in dieser großen herrlichen Natur.
Wenn man von diesem Hügel herab steigt, unterlasse man ja nicht, nach Södermalm zu gehen, und die ungeheuren Eisenniederlagen zu besehen. Auf zwei großen freien Plätzen ist das Eisen in zahllosen Stangen aufgehäuft. – Der Kornmarkt ist unbedeutend. – Als größere und theilweise auch hübsche Gebäude sind zu bemerken: die Bank, die Münze, die Hauptwache, der Palast des Kronprinzen, das Theater u. a. m. Das Letztere ist schon darum interessant, weil König Gustav der III. daselbst bei einem Feste erschossen wurde. Der Platz wo er fiel, befindet sich auf dem Podium. Es war nämlich ein großer Maskenball gegeben worden, und das ganze Theater war in einen Saal umgestaltet. Der König bekam den Schuß von einer Maske, und verschied einige Stunden darauf.
Denselben Abend als ich das Theater besuchen konnte – täglich wird nicht gespielt – fand in dem Saale der Antiken eine große Feierlichkeit statt. Der geschätzte Künstler Vogelberg, ein geborner Schwede, hatte aus schönem Marmor die drei heidnischen Gottheiten: Thor, Balder und Odin in kolossaler Größe kunstvoll geschaffen, und von Rom hieher gebracht. Die Statuen waren erst kürzlich aufgestellt worden, und heute war, dem Künstler zu Ehren, der Saal erleuchtet, und eine große Gesellschaft geladen. Bei dem Enthüllen der Statuen sollten feierliche Hymnen gesungen werden. Ich hatte das Glück zu diesem Feste geladen zu sein, das gleich nach 7 Uhr seinen Anfang nehmen sollte. Vorher ging ich noch in's Theater, welches, wie man mir sagte, um 6½ Uhr beginnen würde. Ich dachte da eine halbe Stunde zu bleiben, und dann nach dem königl. Palaste zu gehen, wo mich meine Freunde erwarteten, um mit mir das Fest zu besuchen. Schon um 6 Uhr saß ich im Theater, und wartete eine halbe Stunde sehnsuchtsvoll auf das Beginnen der Ouverture; – es war schon 6½ Uhr und noch immer wurden keine Anstalten dazu gemacht. – Nun sah ich genauer nach dem Zettel, und entdeckte zu meinem Schrecken, daß die Oper erst um 7 Uhr beginne. Ich wollte aber nicht weichen, ohne das Podium gesehen zu haben, und vertrieb mir indessen die Zeit damit, das Theater von allen Seiten zu betrachten. Es ist ziemlich groß, und besteht aus 5 Stöcken, ist aber weder mit Pracht noch Luxus ausgestattet. Am meisten wunderte ich mich über die hohen Preise, und noch mehr über die Mannigfaltigkeit der Plätze. – Ich zählte deren 26; es scheint, daß jede Bank ihren eigenen Preis hat, sonst wüßte ich wirklich nicht, wie man eine solche Menge heraus brächte.
Endlich begann die Ouvertüre; ich hörte sie, sah den Vorhang aufrollen, betrachtete den verhängnißvollen Platz, und ging nach der ersten Arie fort. – Der Billeteur eilte mir nach, faßte mich am Arme, und wollte mir ein Retour-Billet geben. Als ich ihm sagte, daß ich keines brauche, indem ich nicht mehr zu kommen gedächte, meinte er, es habe ja erst angefangen, ich sollte doch bleiben, sonst hätte ich das viele Geld umsonst ausgegeben. – Leider besaß ich zu wenig Kenntniß der schwedischen Sprache, um ihm alle die Ursachen auseinander zu setzen, die mich zum Fortgehen veranlaßt hatten; gab ihm keine Antwort, und ging meiner Wege. Da hörte ich noch, wie er zu Jemanden sagte: »Das ist mir noch nicht vorgekommen. Bleibt die Frau eine halbe Stunde vor dem Vorhange sitzen, und geht fort, nachdem man ihn aufgezogen hat.« Als ich mich umsah, deutete er gerade mit dem Finger auf die Stirne, und schüttelte dazu bedenklich den Kopf. – Ich konnte mich des Lächelns nicht enthalten, und nahm diese Verurtheilung als zweiten Akt des »stummen Gastes« aus Mozarts Don Juan.
Ich holte meine Freunde im königl. Schlosse ab, und brachte dann den Abend recht angenehm in den effektreich beleuchteten Sälen der Antiken und der Bildergallerie zu. Ich hatte daselbst auch das Vergnügen Herrn Vogelberg persönlich kennen zu lernen. Schon sein bescheidenes, anspruchloses Benehmen mußte Jedermann mit Achtung erfüllen, die um so höher steigt, wenn man weiß, welch ausgezeichnetes Talent man in ihm begrüßt.
Zu den näheren Umgebungen von Stockholm gehört vor Allem der königl. Thiergarten. In dieser Art wird man nicht leicht etwas Schöneres sehen können. Es ist dieß ein sehr großer, prachtvoller Naturpark, mit einer endlosen Folge von Waldungen, Wiesen, Hügeln und Felsen. Dazwischen liegen allerliebste Landhäuser mit duftenden Blumengärten, und geschmackvolle Kaffee- und Gasthäuser, die an schönen Sonntagen von Städtern überfüllt sind. – Treffliche Fahrstraßen ziehen sich durch und um den Park, und bequeme Gehsteige führen auf allen Seiten zu den herrlichsten Aussichten über See und Land.