An einem freundlichen Plätzchen steht eine Büste des bekannten und beliebten Dichters Bellmann, dem zu Ehren da alljährlich ein fröhliches Fest abgehalten wird.
Tiefer im Thiergarten liegt das sogenannte Rosenthal, ein wahres kleines Eden. – Der letzt verstorbene König hatte dieß Plätzchen so lieb, daß er manche Stunde in dem Lustschlößchen zugebracht haben soll, das hier ganz einsam inmitten von Blumenbeeten und Waldungen liegt. Vor dem Schlößchen steht ein herrliches Becken, das aus einem Stück Porphyr gearbeitet ist. Man wollte behaupten, daß es das größte in Europa sei, doch halte ich jenes, welches man im Museum zu Neapel sieht, für bei weitem größer.
In diesem Garten brachte ich noch die letzten angenehmen Stunden mit der aus Finnland stammenden, höchst liebenswürdigen Familie Boje zu, welche ich auf der Reise von Gothenburg nach Stockholm kennen gelernt hatte. Doppelt unvergeßlich wird mir daher dieser schöne Park bleiben.
Einen zweiten recht angenehmen Ausflug machte ich nach dem königl. Schlößchen Haga, nach dem großen Friedhofe und dem Militär-Erziehungshause Karlberg.
Das königl. Schlößchen Haga ist von einem großartigen Park umgeben, an welchem die Kunst wenig nachzuhelfen hatte; er besteht aus den schönsten Wald- und Wiesenpartieen, aus majestätischen Alleen und niedlichen Hügeln; überall durchkreuzen sich prächtige Fahr- und Gehwege. – Das Schlößchen selbst ist so außerordentlich klein, daß man die Genügsamkeit der Herrscherfamilie nicht genug bewundern kann. Es soll aber auch ihr kleinster Sommersitz sein.
Diesem Parke beinah gegenüber liegt der große Friedhof; er besteht erst seit 17 Jahren und ist daher eine noch etwas junge Anlage. Bei Friedhöfen anderer Länder würde dieß zwar nicht viel zu sagen haben, allein in Schweden dienen sie zugleich zu Spaziergängen, und sind mit Alleen durchschnitten, mit Bosketten geziert, und mit Bänken zum Ausruhen versehen. Dieser Friedhof ist von einem düstern Tannenwald umgeben, und scheint dadurch wirklich so ganz von der Außenwelt abgeschlossen zu sein. Er ist der einzige außer der Stadt; alle übrigen liegen an den Kirchen zwischen den Häusern, deren Fronten oft unmittelbar ihre Wände bilden. – Und noch gegenwärtig haben da Begräbnisse statt; – das heiße ich doch, sich mit dem Gedanken des Todes befreunden.
Von dem großen Friedhofe führt eine schöne Fahrstraße durch den Wald nach dem nahen Karlberg; hier ist die Erziehungsschule der Land- und Seekadeten. Die zu dieser Anstalt gehörigen ausgedehnten Gebäude liegen auf einem Felsberg, der auf einer Seite von einem kleinen Arm des See's umspühlt wird, auf der andern von schönen Park-Anlagen umgeben ist.
Ehe ich Stockholm verließ, ward mir noch die Ehre zu Theil, Ihrer Majestät, der regierenden Königin vorgestellt zu werden. Ihre Majestät hörten von meinen Reisen, und nahmen ein ganz besonderes Interesse an jener von Palästina. – Ich erhielt auch in Folge dieser Auszeichnung die besondere Erlaubniß, das Innere des ganzen Palastes besehen zu dürfen. Obwohl er schon bewohnt war, führte man mich doch, nicht nur in alle Gesellschaftssääle, sondern auch in die Wohnzimmer des ganzen Hofes. – Von der hier herrschenden Pracht, von den Kunstschätzen jeder Art, von der überreichen Einrichtung und von dem in Allem ausgesprochenen Geschmack wäre so viel zu erzählen, daß ich gar nicht wüßte, wo anzufangen und wo aufzuhören. Ich war ganz bezaubert von all den gesehenen Schätzen und Herrlichkeiten, noch mehr aber von der wahren Herzlichkeit und dem Antheile, mit welchem sich Ihre Majestät mit mir über Palästina unterhielten. Ewig werden mir diese Augenblicke, als schöne Lichtpunkte meiner nordischen Reise im Gedächtnisse fortleben.