Alle Sonntage Morgens 8 Uhr geht von Stockholm ein kleines Dampfboot nach diesem Schlosse ab; die Entfernung beträgt bei 8 Meilen, welche in 4 Stunden zurück gelegt werden; es bleibt daselbst 4 Stunden, und kehrt dann Abends wieder nach Stockholm zurück. – Dieser Ausflug ist höchst interessant, obwohl man den größten Theil derselben Strecke über den See fährt, welchen man schon auf der Fahrt von Gothenburg gemacht hat. Nur die letzte Meile biegt man ab in eine schöne Bucht, an deren Ende das schöne Schloß Gripsholm liegt. Dieses Schloß zeichnet sich sowohl durch seine Größe, als auch durch seine Bauart, und seine kolossalen Erkerthürme aus. Leider ist es aber auch mit der überhaupt in ganz Schweden so beliebten ziegelrothen Farbe angestrichen.
Im Vorhofe stehen zwei ungeheure große prächtig gearbeitete Kanonen, welche die Schweden einst in einem Kriege den Russen abgenommen haben.
Die Gemächer des Schlosses, die alle noch in gutem Stande erhalten werden, bieten an innerer Einrichtung weder Pracht noch Verschwendung, ja man könnte beinahe sagen, das Gegentheil davon dar. Nur das überaus niedliche Theater macht hiervon eine Ausnahme; in diesem sind die Seitenwände von oben bis unten mit Spiegeln eingelegt, die Zwischenpfeiler vergoldet, und die königliche Loge mit kostbarem rothen Sammte ausgeschlagen. – Seit Gustav dem III. wurde hier nicht mehr gespielt.
Besonders merkwürdig sind an diesem Schlosse die ungeheuer massiven Mauern; in den untern Erdgeschoßen messen sie gewiß drei Ellen in der Dicke.
Die obern Gemächer sind alle groß und hoch, und man genießt von den meisten Fenstern eine herrliche Aussicht auf den See. – Seufzend wendet man aber den Blick von diesen schönen Bildern, denkt man an die traurigen Begebenheiten, welche in diesem Schlosse einst statt hatten.
König Johann der III. und König Erich der XIV., Letzterer mit vier Räthen, die dann enthauptet wurden, saßen Jahre lang als Gefangene hier.
Das Gefängniß Johann des III. wäre gerade nicht so schlecht zu nennen gewesen, in so ferne man ein Gefängniß gut nennen kann. – Der König war auf einen großen, herrlichen Saal angewiesen, welchen er aber nicht überschreiten durfte und welchem er daher gewiß jede Bauernhütte mit dem Rechte der Freiheit vorgezogen haben würde. – Seine Gemahlin bewohnte zwei kleine Gemächer an der Seite des Saales; – sie wurde nicht als Gefangene betrachtet, und konnte ihre Wohnung nach Gefallen verlassen. – Hier wurde ihm sein Sohn Sigismund, im Jahre 1566 geboren; man zeigt noch das Zimmer und das Bett seiner Geburt.
Lange nicht so gut erging es Erich dem XIV. Dieser König wurde in enger und finsterer Haft gehalten. Ein kleines ganz schmuckloses Gemach, mit schmalen und ganz vergitterten Fensterchen in einem der runden Thürme diente ihm zum Gefängnisse. Der Eingang war mit einer festen, eichenen Thüre geschlossen, in welcher eine kleine Oeffnung angebracht war, durch welche man ihm die Nahrung reichte. Zu noch größerer Sicherheit schloß sich über diese hölzerne Thüre noch eine eiserne. – Außen um das Gemach lief rund herum ein schmaler Gang, in welchem die Wachen ihren Posten hatten, und stets durch die vergitterten Fenster auf den Gefangenen sehen konnten. Man zeigt noch an einem der kleinen Fenster die Stelle, an welchem der König stundenlang gestanden haben soll, den Kopf auf die Hand gestützt, und in das Freie sehend. – Mit welchen Empfindungen mag er da hinauf zu dem schönen Himmel, auf das üppige Grün, und auf den herrlichen See gestarrt haben! Wie viele Seufzer des Unglücklichen mögen da verhallt sein, – wie viele schlaflose Nächte mag er vertrauert, – wie viele Stunden – in den zwei langen Jahren – in banger Erwartung der Zukunft dahin gebracht haben!! –
Der Mann, der uns da herum führte, behauptete, der Fußboden sei an diesem Orte mehr ausgetreten, als in jedem andern, und auch der Ziegelstein am Fenster sei von dem aufgestützten Elbogen ausgewetzt; – ich bemerkte jedoch nichts von Beidem.
Der König war hier zwei Jahre eingeschlossen und wurde dann in ein anderes Gefängniß gebracht.