In diesem Schlosse befindet sich eine ziemlich bedeutende Bildergallerie. Sie enthält meistens Bildnisse von Regenten, nicht nur des schwedischen, sondern auch anderer Reiche, vom Mittelalter angefangen bis auf die jüngste Zeit. – Auch die Bildnisse berühmter Räthe, Generäle, Maler, Poeten, Gelehrten, dann jene ausgezeichneter Schwedinen, die sich um ihr Vaterland verdient gemacht haben, – und vorzüglicher Schönheiten der Frauenwelt haben hier Platz gefunden. – Auf jedem Bilde steht der Name und das Geburtsjahr des Dargestellten, und man kann sich daher seine Lieblinge aussuchen, ohne eines Cataloges, oder der langweiligen Erläuterung eines Cicerone zu bedürfen. – Was die Richtigkeit der Zeichnung, und die Schönheit des Colorits betrifft, bliebe freilich wohl bei den meisten viel zu wünschen übrig, doch wollen wir glauben, daß vielleicht die Aehnlichkeit dafür entschädige.

Auf der Rückfahrt waren mehrere Herren so gütig, mich auf einige interessante Punkte des See's aufmerksam zu machen. Dazu gehört Kakeholm, wo er seine größte Breite erreicht, die Felsinsel Esmoi, auf welcher eine Schwedin eine Schlacht gewann, Norsberg, ebenfalls durch eine Schlacht berühmt, und Sturrehof, die schöne Besitzung einer großen schwedischen Familie. – Bei Bjarkesoe sieht man ein einfaches Kreuz. Hier soll das Christenthum in Schweden zuerst eingeführt worden sein. – Ueberhaupt hat der Mälarsee außer dem Reize seiner ewig wechselnden Naturschönheiten auch noch so viele geschichtliche Erinnerungen, daß er dadurch einer der interessantesten Seen, nicht nur von Schweden, sondern von ganz Europa wird.

Reise von Stockholm nach Upsala und den Eisen-Bergwerken von Danemora.

12. September.

Zwischen Stockholm und Upsala besteht ein sehr großer Verkehr. Täglich, nur die Sonntage ausgenommen, geht von beiden genannten Orten ein kleines Dampfschiff über den Mälarsee, welches die Entfernung von neun deutschen Meilen in sechs Stunden zurücklegt.

Durch diese bequeme Gelegenheit angezogen, so leicht und schnell nach der berühmten Stadt Upsala zu kommen, und von der ungemein schönen Witterung angelockt, nahm ich eines Abends einen Platz zu dieser Fahrt, und war am darauf folgenden Morgen höchst unangenehm überrascht, als der Regen sich in Strömen ergoß. – Doch wollte man sich durch dergleichen Zufälligkeiten abhalten lassen, würde man nicht weit kommen. – Ich schiffte mich also um halb acht Uhr Morgens getrost ein, und kam zwar glücklich in Upsala an, war aber dießmal so recht wie eine verpackte Waare gereist. – Ich mußte beständig im Saale sitzen bleiben, und konnte nicht einmal die spärliche Aussicht durch die Kajüten-Fensterchen genießen; denn von außen schlug der Regen heftig an sie an, und von innen waren sie wegen der übergroßen Hitze ganz angelaufen. Ich begab mich dießmal ganz gegen meine Gewohnheit gar nicht auf das Deck, ich hoffte bei der Rückkehr wohl besseres Wetter zu treffen, und dann das Versäumte nachholen zu können.

Gegen drei Uhr endlich, als ich schon über eine Stunde in Upsala saß, heiterte sich das Wetter auf, und ich ging nun aus, um die Merkwürdigkeiten dieser Stadt zu besehen.

Vor Allem andern besuchte ich den schönen Dom. – Mit Bewunderung blieb ich am Haupteingange stehen, und betrachtete die hohe Decke, die auf zwei Reihen von Säulen ruht, und sich über die ganze Kirche spannt. – Keine Kuppel macht eine Unterbrechung; Alles läuft in einer geraden schönen Linie fort. – Das Innere der Kirche ist schmucklos, nur hinter dem Hauptaltare befindet sich eine schöne Kapelle, deren Wölbung himmelblau gemalt und mit goldenen Sternen durchwirkt ist. In dieser Kapelle ruht Gustav I. in Mitte seiner beiden Gemahlinen. Das Monument, welches die Gruft deckt, ist zwar groß und von Marmor, aber kunst- und geschmacklos. Es stellt einen Sarcophag vor, auf welchem die drei Körper in Lebensgröße ruhen. Ein Baldachin, ebenfalls von Marmor, wölbt sich darüber. – An den Wänden der Kapelle sind in hübschen Fresko-Gemälden, die wichtigsten Momente aus dem Leben dieses Monarchen dargestellt. – Unter diesen zeichnen sich besonders zwei aus – der eine, wie er als Bauer gekleidet gerade in demselben Augenblick in die Hütte eines Bauers tritt, als man sich vor derselben eifrig nach ihm erkundigt, – der andere, wie er ebenfalls als Bauer gekleidet auf einer Tonne steht, und eine Anrede an sein Volk hält. – Zwei große Tafeln, in breite Goldrahmen gefaßt, und ebenfalls als Fresko gemalt, enthalten in schwedischer Sprache – und nicht in lateinischer, wie es leider bei dergleichen Inschriften so häufig der Fall ist – die Erklärung der Gemälde. – Jeder Eingeborne kann sich daraus leicht mit der Geschichte dieses Königs bekannt machen.

In den verschiedenen Seitenkapellen stehen noch mehrere Monumente: das der Katharina Magelone, Johann's III., Gustav Erichson's, welcher geköpft wurde, und das der beiden Brüder Sturre, welche ermordet wurden. – Das Monument des Erzbischofes Menander von weißem Marmor ist eine geschmack- und kunstvolle Arbeit neuerer Zeit. In dieser Kirche ruht auch unter einer einfachen Steinplatte der große Linnée. Sein Monument steht jedoch nicht über dem Grabe, sondern in einer der Nebenkapellen, und besteht aus einer wunderschönen, dunkelbraunen Porphyr-Platte, an welcher sein Bildniß en relief angebracht ist.

Eine besondere Aufmerksamkeit verdient die prachtvolle Orgel, welche beinahe bis an die Decke der Kirche reicht.