In der Schatzkammer, die eben nicht große Reichthümer besitzt, sind hinter einem Glaskasten die mit Blut befleckten und mit Dolchstichen durchlöcherten Kleidungsstücke der unglücklichen Brüder Sturre aufbewahrt. – Auch steht hier eine aus Holz geschnitzte Bildsäule des Heidengottes Thor. Dieses hölzerne Machwerk scheint ursprünglich ein Ecce Homo gewesen zu sein, der vielleicht einstens irgend eine Dorfkapelle schmückte, dann von einem Ungläubigen geraubt, und noch mehr verstümmelt wurde, als es bereits der Schöpfer, der durchaus kein Jünger der Kunst gewesen sein konnte, gethan hatte. Jetzt glich es vollkommen einer abscheulichen Vogelscheuche.
Der Kirchhof, welcher unweit der Kirche ist, zeichnet sich durch seine Größe und Schönheit ganz vorzüglich aus. Er ist von einer zwei Fuß hohen Steinmauer umgeben, auf welcher ein ebenfalls zwei Fuß hohes eisernes Geländer, durch niedere Steinpfeiler unterbrochen, fort läuft. Von mehreren Seiten führen Stufen über diese vier Fuß hohe Einfassung in den Friedhof. – Auch in diesem Friedhofe, wie in jenem von Stockholm, glaubt man sich in einem lieblichen Garten mit großen Alleen, Lauben, Wiesenteppichen u. s. w. versetzt zu sehen, nur schöner und herrlicher wie dort, weil die Anlagen hier schon viele Jahre zählen mögen. Die Grabeshügel liegen hier von den Lauben halb verborgen. Viele waren mit Blumen und Blumenkränzen geziert, oder mit Rosenhecken umgeben. Wenn man diesen Friedhof oder vielmehr diesen Garten sieht, sollte man beinahe denken, er sei eben so für die Lebendigen zum Lustwandeln, wie für die Todten zur Ruhe bestimmt.
Die Monumente zeichnen sich durch nichts aus. Nur zwei darunter sind merkwürdig; sie bestehen aus ungeheuren Felsplatten in rohem Zustande, die aufrecht auf den Grabeshügeln stehen. Der eine dieser Hügel gleicht noch überdieß vollkommen einem Berge; er deckt die Asche eines Generals, und wäre wahrlich groß genug, auch noch seine ganze Mannschaft zu beherbergen. – Vermuthlich haben seine Verwandten die Grabeshügel von Troja zu Vorbildern genommen. – Auch die Zeichen auf dieser colossalen Felsentafel waren ganz ungewöhnlicher Art, und, so viel mir schien, waren es Runenzüge. – Die guten Leute vereinten also hier zwei Sachen des höchsten Alterthums ganz entgegengesetzter Reiche.
Das Universitäts- oder Bibliotheks-Gebäude in Upsala ist groß und schön; es liegt auf einem kleinen Hügel, und bildet gegen die Stadt eine schöne Fronte. Im Hintergrunde schließt sich ein Park daran, der jedoch noch etwas jugendlich ist.
Unweit von diesem Gebäude auf demselben Hügel steht ein königl. Schloß, welches durch seine ziegelrothe Farbe besonders auffällt. – Es ist sehr groß, und an seinen beiden vordern Eckseiten sind massive, runde Thürme angebaut.
An der Rückseite des Schlosses, in der Mitte des Vorplatzes, steht eine mehr als lebensgroße Büste Gustav des Ersten. Einige Schritte davon entfernt sind zwei künstliche Hügel gleich Bastionen errichtet, auf welchen einige Kanonen aufgepflanzt sind. Von hier, als den höchsten Standpunkten in der ganzen Umgebung, hat man die beste Uebersicht über Stadt und Gegend.
Das Städtchen selbst ist halb von Holz, halb von Stein erbaut, und sieht allerliebst aus; es ist von breiten schönen Straßen durchzogen, und mit vielen artigen Gartenanlagen geziert. Nur Eines mißfiel mir – die dunkle braunrothe Farbe der Häuser, die bei scheidendem Sonnenlichte einen eigenthümlich düstern Anblick gewährte.
Die Umgebung besteht aus einer weithin ausgedehnten Ebene, die zum Theil sehr fruchtbar ist. Zwischen die hellgrünen Wiesen und die gelbschimmernden Stoppelfelder lagern sich häufig dunkle Waldstreifen, und schon aus weiter Ferne sieht man den Silberfaden des Flußes Fyris, der sich dem See zuschlängelt. Den Hintergrund bilden dunkle Wälder, in deren Schatten sich der Blick verliert. – Dörfer sah ich wenige, es müßte nur sein, daß sie von Bäumen verdeckt waren.
Viele schöne Fahrstraßen durchschneiden und durchkreuzen diese Ebene.
Bevor ich meinen Standpunkt auf den Bastionen vor dem königlichen Schloß verließ, warf ich noch einen Blick auf den Schloßgarten, welcher unten am Hügel zu meinen Füßen aufgedeckt lag, und durch eine Straße vom Schloße getrennt ist; er scheint nicht sehr groß, aber recht hübsch zu sein.