Gerne hätte ich auch noch den botanischen Garten besucht, der unweit der Stadt liegt und Linnée's Lieblingsaufenthalt war, – doch die Sonne verschwand hinter den Bergen, und ich begab mich in mein Stübchen, mich auf die morgige Reise nach Danemora zu bereiten. – – Eine herrlichgearbeitete Büste Linnées soll die Hauptzierde jenes Gartens sein.

13. September.

Um vier Uhr Morgens verließ ich Upsala, um nach dem weltberühmten Eisenbergwerke Danemora zu fahren, welches 7 Meilen von hier entfernt ist. Ich fuhr so zeitlich aus, um ja gewiß vor 12 Uhr Mittags einzutreffen, da um diese Stunde in den Gruben gesprengt wird, und selbe dann geschlossen werden. – Man sagte mir schon, wie langsam das Reisen auch in diesem Lande von statten gehe, wie lange man überall durch das Wechseln der Pferde aufgehalten werde, und so mußte ich viel Zeit vor mir haben, um zu rechter Zeit an Ort und Stelle gelangen zu können.

Ungefähr eine halbe Meile hinter Upsala liegt Alt-Upsala (Gamla-Upsala). Ich sah nur im Vorüberfahren die alte Kirche und die Grabeshügel, von welchen drei ganz besonders groß, die andern kleiner sind. Man vermuthet, daß diese Hügel die Leichname schwedischer Könige bergen. – Ich sah ähnliche Hügel – Tumuli – auf meiner Reise in Griechenland, und zwar an der Stelle wo Troja gestanden sein soll. – Die Kirche wird nicht als Ruine geehrt; sie muß noch immer Dienste leisten, und ich sah mit Wehmuth an diesem altersgrauen Gebäude manche Stelle untermauert, und mit frischem Kalk übertüncht.

Auf dem halben Wege zwischen Upsala und Danemora liegt ein großes Schloß, das sich aber weder durch eine besondere Bauart, noch durch eine reizende Lage oder sonst irgend etwas auszeichnet. – Endlich sieht man den Fluß Fyris und den bedeutend langen See Danemora. Beide sind ganz mit Schilf und Gras überwachsen, und haben flache, einförmige Ufer. Ueberhaupt bietet die ganze Reise sehr wenig Abwechslung; man bleibt fortwährend in einer Ebene, und sieht nur Felder, Waldungen und Felsblöcke. Letztere sind noch das Interessanteste, weil man nicht begreifen kann, wie sie eigentlich hierher kamen. Berge und Hügel sind nämlich weit entfernt, und die Ebene selbst hat durchaus keinen felsigen Boden.

Das Oertchen Danemora liegt mitten im Walde, und besteht nur aus einer kleinen Kirche und einigen größern und kleinern zerstreut liegenden Häusern. Bevor man noch das Oertchen erreicht, ahnt man schon die Nähe der Gruben. Große, mächtige Anschichtungen von Steinen, welche fortwährend aus den Gruben geschafft werden, decken bedeutende Räume. Pferde sind beschäftiget, große Räder zu treiben, und Maschinen, Schleifen, Seile u. dgl. mehr sieht man überall gezogen.

Ich war glücklich zu rechter Zeit gekommen, und konnte den Sprengungen noch beiwohnen. – Am interessantesten sind sie in der großen Grube, deren obere Oeffnung so außerordentlich groß ist, daß man, um die Menschen in der Tiefe arbeiten und schaffen zu sehen, gar nicht nöthig hat hinab zu steigen; – man sieht Alles von oben. Es ist dieß ein unbeschreiblich schöner, einziger Anblick. – Wie ein Bild der Unterwelt erscheint der 480 Fuß tiefe Schlund. Man sieht colossale Thore und Eingänge, die in die Stollen führen, so wie Felsenbrücken, Vorsprünge, Bogen und Höhlen, die sich an den Wänden bilden, und bis an die Oberwelt reichen. – Die Menschen erscheinen da unten gleich beweglichen Püppchen; – man ist kaum im Stande ihren Bewegungen zu folgen, und muß erst das Auge an die Tiefe und an die unten herrschende Dämmerung gewöhnen. – Letztere ist jedoch nicht sehr bedeutend, ich konnte sogar mehrere Leitern unterscheiden, die mir wie Kinderspielzeug vorkamen.

Es war schon nahe an 12 Uhr, und die Arbeitsleute verließen die Gruben, nur jene blieben zurück, die mit den Minen zu thun hatten. – Das Heraufziehen geschieht hier mittelst kleiner Tonnen, die an Stricken hängen, und durch eine Winde gehoben werden. Es sieht wirklich schauerlich aus, die Menschen auf einem so kleinen Fahrzeuge herauf schweben zu sehen, besonders da oft zwei bis drei Arbeiter in einer Tonne beisammen sind, von welchen der Eine in der Mitte steht, während die beiden Andern auf den Rändern reitend sitzen.

Ich hätte mich gerne in die große Grube hinabgelassen, allein für heute war es schon zu spät, und bis an den andern Tag wollte ich nicht warten. Das Hinablassen hätte ich nicht gefürchtet, indem ich mit derlei Fahrten schon von frühern Zeiten her vertraut war. Ich hatte nämlich vor mehreren Jahren die berühmten Salzbergwerke von Wieliczka und Bochnia in Galizien besucht, und mich in beide an einfachen Seilen, also auf eine gefährliche Art, als solches hier mit der Tonne geschieht, hinabgelassen.

Mit Schlag 12 Uhr wurden an vier Minen in der großen Grube Lunten gelegt. Der Mann, der dieß that, lief hierauf mit größter Eile davon, und verbarg sich hinter einer Steinwand. – Nach einigen Minuten sah man das Pulver aufblitzen, und einige Steine in die Höhe fliegen, dann hörte man von allen Seiten ein fürchterliches Gekrache, und zum Schlusse das Rollen und Fallen der gesprengten Massen. Mehrfache kräftige Wiederholungen des Echo's verkündeten die schreckliche Explosion im Innern des Bergwerkes. Der Eindruck, den dieß Alles hervorbrachte, war ein wahrhaft schauerlicher. – Kaum daß noch die erste Mine ausgetobt hatte, fing schon die zweite, dritte u. s. w. an. – Dergleichen Minen werden täglich in verschiedenen Gruben gelegt.