Die andern Gruben sind noch tiefer, die tiefste hat 600 Fuß; aber ihre Oeffnungen sind kleiner und gehen auch nicht immer senkrecht hinab, wodurch sich der Blick dann in der Finsterniß verliert, was einen gar unheimlichen Eindruck macht. Mit beklommener Brust starrt man in diese dunkeln Räume und sucht vergebens etwas unterscheiden zu können. – Ich möchte um keinen Preis ein Bergmann sein; abgeschieden von dem Tage, von der Sonne, könnte ich das Leben kaum ertragen. – Ich wandte meinen Blick ab von den finstern Gruben, und warf ihn freudig auf die liebliche Landschaft, die im hellen Sonnenlichte erglänzte.

Noch denselben Tag kehrte ich nach Upsala zurück.

Ich hatte diese kleine Reise mit der Post versucht, werde aber meinen Lesern nur die Facta erzählen. Eine umfassende Meinung über das gute oder schlechte Fortkommen in diesem Lande kann ich unmöglich abgeben, da diese kleine Tour mehr einer Spazierfahrt als einer Reise glich.

Da ich keinen eigenen Wagen gemiethet hatte, mußte ich auf jeder Station ein anderes Fuhrwerk besteigen. Diese Fuhrwerke bestanden aus zweirädrigen ganz ordinären hölzernen Karren. Der Sitz wurde aus Heu gemacht, und mit dem Kotzen des Pferdes bedeckt. – Wären die Wege nicht so ausgezeichnet gut, würde man auf diesen Wagen wohl fürchterlich durchgeschüttelt werden. So aber muß ich sagen, daß ich mit ihnen besser fuhr, als mit jenen, zwar lakirten Kariolen der Norweger, in welchen ich ausgestreckt und eingepreßt fortwährend in derselben Stellung verbleiben mußte.

Die Stationen sind ungleich, bald länger bald kürzer. Die Postpferde werden hier wie in Norwegen von wohlhabenden Bauern besorgt, die man hier Dschusbauern nennt. Jeden Abend muß ein solcher Dschusbauer eine bestimmte Zahl Pferde zusammenbringen, um am folgenden Tag die Reisenden weiter befördern zu können. – Kömmt der Reisende, so findet er auf jeder Station ein Buch, aus welchem er ersehen kann, wie viele Pferde der Bauer hat, wie viele Fremde bereits expedirt wurden, und wie viele Pferde noch im Stalle stehen. Auch er muß seinen Namen, die Stunde der Abfahrt, und die Zahl der Pferde einzeichnen, deren er bedurfte. Auf diese Art ist den Betrügereien doch ziemlich Einhalt gethan; man kann sich von Allem überzeugen, und seine Forderungen darnach einrichten.

Geduld muß man aber auch hier haben, obwohl bei weitem nicht so viel, wie in Norwegen. Bis der Wagen in Stand gesetzt war, bis das Pferdegeschirr und endlich das Pferd selbst herbeigeschafft wurde, vergingen zwar immer 15-20 Minuten, aber auch nie mehr, und ich muß diesen schwedischen Postmeistern nachsagen, daß sie sich, so viel ihnen möglich war, beeilten, und nie ein doppeltes Fahrgeld verlangten, obwohl sie, besonders auf meiner Hinreise, wissen mochten, daß ich Eile hatte. – Das schnelle oder langsame Fahren hängt natürlich von der Güte des Pferdes, und von dem Willen des Kutschers ab. – In keinem Lande aber ist mir ein solches Schonen der Pferde vorgekommen, wie hier. Es ist wirklich lächerlich zu sehen, welch kleine Last zu Wagen, die mit Getreide, Ziegeln, Holz u. s. w. beladen sind, zwei Pferden aufgebürdet, und wie langsam und schläfrig gefahren wird.

Eine schreckliche Plage für Fahrende sind die unzähligen hölzernen Gitter, welche die Straßen in so viele Theile theilen, als Gemeinde-Gründe an derselben liegen. – Der Kutscher muß oft in einer Stunde mehr als 6-8 Mal absteigen, um diese Gitter zu öffnen und zu schließen. – Selbst auf der großen Poststraße sollen diese angenehmen Gitter nicht fehlen, und nur nicht gar so häufig vorkommen, wie auf den Nebenstraßen.

Der Holzreichthum muß hier so groß sein, wie in Norwegen; Alles ist eingezäunt, ja selbst Gründe, die so schlecht aussehen, daß sie gewiß des Zaunes und der Arbeit nicht werth sind.

Die Dörfchen, die ich theils berührte, theils seitwärts liegen sah, waren mitunter recht niedlich und freundlich. Auch die Hütten, deren manche ich während des Pferdewechsels besuchte, fand ich meist ziemlich nett und wohnlich eingerichtet.

Die Bauern haben in dieser Gegend eine sehr sonderbare Tracht. Die Männer, auch oft sogar die Knaben, tragen lange, dunkelblaue, tüchene Ueberröcke, und auf dem Kopfe tüchene Käppchen, so daß sie von ferne gesehen, beinahe Herren im Reiseanzuge gleichen. Komisch läßt es nun, so viel vermeinte Herren hinter den Pflügen gehen, oder Gras hauen zu sehen. – In der Nähe hat das Ding freilich ein ganz anderes Aussehen; da bemerkt man die meist abgerissenen und schmutzigen Kleider – und sieht, daß sie unter diesen Röcken auch noch lederne Schurzfelle tragen, wie bei uns die Zimmerleute. An der Tracht der Weiber fand ich nichts Eigenthümliches, als daß sie ebenfalls ärmlich und abgerissen war. – Was Kleidung und Fußbedeckung betrifft, stehen sowohl die Schweden, als auch die Norweger hinter den Isländern, – während Betreffs der Wohnungen Jene voraus sind.