14. September.

Heute machte ich die Fahrt auf dem Mälarsee zurück nach Stockholm. Das Wetter begünstigte mich mehr, als auf der Herreise, und ich konnte die ganze Zeit auf dem Decke bleiben. – Nun erst bemerkte ich, daß wir eine ganze Meile auf dem Fluße Fyris fuhren, dessen flaches Bett sich durch Waldungen und Wiesen dem See zuschlängelt.

Die große Ebene, auf welcher Neu- und Alt-Upsala liegen, verliert man bald aus dem Gesichte, und nachdem man zwei Brücken passirt hat, gelangt man unmittelbar in den Mälarsee, der sich anfangs als große Wasserfläche ausbreitet, und keine Insel zeigt. Seine Ufer sind mit niedrigen, bewaldeten Hügeln umfaßt. Doch bald kömmt man wieder in die Regionen der Inseln; die Wasserfahrt gewährt nun größeres Interesse, besonders da sich auch auf den Ufern immer schönen Bilder entfalten. Eines der ersten ist das nette Gütchen Krusenberg, dessen Schlößchen recht idyllisch auf einem reizenden Hügel liegt. Noch schöner aber und wahrhaft überraschend ist das herrliche Schloß Skukloster, ein großes, schönes und höchst regelmäßiges Gebäude, das mit vier mächtigen, runden Eckthürmen geziert, knapp am See liegt, und von prächtigen Gartenanlagen umgeben ist.

Von diesem Punkte an sind die Partieen des Mälarsee's voll Schönheit und Abwechslung. Jeder Augenblick bietet etwas anderes, etwas herrlicheres. Die Wasser breiten sich bald aus, bald werden sie wieder von den Inseln und Felsen eingeengt und in förmliche Kanäle gedämmt. – Vorzüglich gefielen mir jene Stellen, um welche die Inseln so beisammen liegen, daß man gar keinen Ausweg sieht. Plötzlich öffnete er sich dann zwischen ihnen, und man sah wieder eine neue Abtheilung des Sees. An den Ufern werden die Hügel immer höher, die Vorsprünge derselben immer bedeutender, und schöne Inselgruppen schließen sich derart an, daß man sie von ferne für vorgeschobene Theile des Landes hält, und erst in der Nähe ihre Selbstständigkeit erkennt.

Höchst malerisch nimmt sich das Städtchen Sixtunä aus, das in einem reizenden kleinen Thale liegt, in welchem auf allen Seiten Ruinen, besonders solche von runden Thürmen hervorragen. Diese Ruinen sollen noch Reste der alten Römerstadt Sixtum sein. Die neue Stadt behielt, wahrscheinlich zur Erinnerung, den Namen ihrer Vorgängerin bei.

Die hierauf folgende Partie bietet dem Auge Klippen und Felswände, die sich in die Tiefe des Sees senken, und deren Nähe bei einem Sturme nicht sehr erfreulich wäre. – Vom Schloße Rouse sieht man nur drei schöne Kuppeln aus dem Walde ragen; ein neidischer kahler Hügel verbirgt dem spähenden Auge das Uebrige. – Noch sieht man ein Schloß, Besitzthum eines Privaten, das durch seine Größe sehr in die Augen fällt, sonst aber nichts Ausgezeichnetes an sich hat. – Die letzte der Merkwürdigkeiten ist die Nokeby-Brücke, welche eine der längsten in Schweden sein soll. Sie verbindet das feste Land mit der Insel, auf welcher das königliche Schloß Drottingholm steht. – Von dieser Stelle erblickt man alsobald die Stadt Stockholm, und lenkt auch in den Theil des Mälarsees ein, an welchem sie liegt. – Um zwei Uhr Nachmittags erreichten wir glücklich wieder die Hauptstadt Schwedens.

Von Stockholm nach Travemünde und Hamburg.

Am 18. September sagte ich Stockholm »Lebewohl« und schiffte mich Mittags 12 Uhr auf dem Dampfboote Svithiold, mit 100 Pferdekraft, ein, um nach Travemünde zu fahren.

Ich glaube, daß nicht leicht eine Ueberfahrt theurer ist, wie diese. Die Entfernung beträgt bei 500 Seemeilen, die man gewöhnlich in dritthalb bis drei Tagen zurücklegt; dafür bezahlt man auf dem zweiten Platze ohne Kost 43 Bankthaler, oder nach unserm Gelde 35 fl. CM. Die Kost ist ebenfalls unendlich theuer, und noch dazu spielt der Kapitain auch die Rolle des Gastwirthes; man kann sich daher bei einer vorkommenden Prellerei oder Unzufriedenheit an Niemanden wenden, und muß Alles geduldig ertragen.

Nichts that mir so wehe, als da ich sah, wie sich einer der ärmeren Reisenden, der sehr an der Seekrankheit litt, an den Kellner wandte um eine Suppe zu bekommen, und wie dieser ihn an den gutmüthigen Kapitain wies, der dann rund heraus erklärte: er werde keine Ausnahme machen, und man müsse für eine Tasse Suppe so viel bezahlen, wie für die ganze Mittagskost. – Der Arme – er mußte also entweder der für ihn so wohlthuenden Suppe entsagen, oder jeden Kreuzer zusammen suchen, um täglich einige Bankthaler ausgeben zu können. – Glücklicherweise befanden sich einige wohlthätige Menschen auf dem Schiffe, welche für ihn die Mittagskost bezahlten. – Einige der Herren führten ein paar Flaschen Wein mit sich, dafür mußten sie beinah so viel Taxe zahlen, als der Wein werth war.