21. September.

Als ich heute auf das Deck kam, hatten wir den Sund schon lange hinter uns; links umgab uns die offene See, und rechts wechselte das öde Schmoland mit dem noch öderen Schonen ab, das zum Theil so nackt erschien, daß man zwischen den niedrigen kahlen Hügeln kaum ein ärmliches Fischerdörfchen gewahrte.

Um 9 Uhr Morgens warfen wir im Hafen zu Ystadt Anker. Das Städtchen ist ziemlich artig, und besitzt einen geräumigen Platz, welchen das Haus des Gouverneurs, das Theatergebäude und das Rathhaus zieren. Die Gassen sind breit, die Häuser theils von Holz, theils von Stein. Das Interessanteste ist die alterthümliche Kirche, und in ihr ein hölzernes, zum Theil schon sehr beschädigtes Altarblatt, welches in der Sakristei aufbewahrt wird. Wenn auch die Figuren daran etwas plump und unrichtig gearbeitet sind, so muß man doch die Composition und das angebrachte Schnitzwerk bewundern. Nicht zu übersehen sind auch die Reliefs an der Kanzel, und ein schönes Monument, welches rechts vom Hochaltare steht. Alle diese Arbeiten sind in Holz geschnitzt.

Des Nachmittags kamen wir an der dänischen Insel Malmö vorüber.

Endlich, nachdem wir statt 2½ Tagen beinahe 4 Tage auf der See zugebracht hatten, erreichten wir am 22. September Morgens 2 Uhr glücklich den Hafen von Travemünde. Und nun waren meine Seereisen beendet. – Mit Wehmuth schied ich von der See. Die Wasser so ausgebreitet vor sich zu sehen, und auf ihrer spiegelglatten Fläche dahin zu schiffen, ist doch gar zu herrlich. Immer bietet die See ein schönes Bild, selbst wenn sie stürmt und wüthet, wenn sich Wellen auf Wellen thürmen, sich an dem Fahrzeuge brechen und es zu verschlingen drohen, oder wenn das Schiff bald auf ihren Spitzen tanzt, bald in den Abgrund schießt. Ich kauerte oft stundenlang in irgend einem Winkel, klammerte mich an die Schiffswand, und ließ Sturm und Welle über mich ergehen. Ich war durch das viele Reisen auf der See von der unleidlichen Seekrankheit nicht mehr bedroht, und konnte daher ungetrübt diese fürchterlich schönen Naturscenen bewundern und Gott in seinen erhabenen Werken preisen.

Kaum hatten wir im Hafen Anker geworfen, empfing uns ein ganzes Heer von Kutschern, um uns zu Land über Lübeck nach Hamburg zu expediren, – eine Reise von acht Meilen, die man gewöhnlich in neun Stunden zurücklegt.

Travemünde ist ein nettes Oertchen, das eigentlich nur aus einer Gasse besteht, deren Häuser meist Gasthöfe sind. Die Fahrt von hier bis Lübeck – zwei Meilen – ist überaus artig. Eine herrliche Straße, auf welcher die Wagen wirklich nur dahin rollen, führt durch einen anmuthigen Wald an einem Friedhofe vorüber, der an Schönheit selbst jenen von Upsala übertrifft; man würde ihn, sähe man nicht die Monumente, für den kunstvollsten, herrlichsten Park oder Garten halten.

Nichts bedauerte ich so sehr, als nicht einen Tag dem Aufenthalte zu Lübeck widmen zu können. Diese alte Hanseestadt, mit ihren pyramidal erbauten Häusern, mit dem ehrwürdigen Dome und den andern schönen Kirchen, mit dem geräumigen und reinlichen Platze u. s. w. zog mich gar sehr an; aber so mußte ich weiter, und konnte nur in eiliger Durchfahrt Manches bewundern und anstaunen. – Das Pflaster für die Fahrenden und das Trottoir daneben ist so schön und eben, wie in keiner andern nordischen Stadt. Auf den Straßen vor den Häusern stehen häufig hölzerne Kanapee's, auf welchen wahrscheinlich die Inwohner die schönen Abende zubringen. Hier sah ich auch zum ersten Male die funkelnden Hamburger Spiegelscheiben wieder. – Die Trave, über welche man zwischen Travemünde und Lübeck auf einem Schiffe übersetzt, umgibt auf einer Seite die Stadt.

In der Nähe von Oldeslo sind Salzsiedereien mit schönen Gebäuden und unendlich hohen Dampfrauchsäulen; bei Arensburg liegt ein altes romantisches Schlößchen, das ganz mit Wasser umgeben ist.

Nun aber wird die Gegend ziemlich einförmig, und bleibt so bis Hamburg; sie scheint jedoch sehr fruchtbar zu sein, da man überall schöne Felder und Wiesen sieht.