An Ausflügen besitzt Berlin nicht viel, da die Umgebung größtentheils flach und einförmig ist. – Die einigen interessanten sind der Thiergarten, Charlottenburg, und jetzt, seit die Eisenbahnen Alles nahe bringen, auch Potsdam.

Der Thiergarten liegt gleich außerhalb des Brandenburger Thores; er ist in mehrere Partieen getheilt, deren eine mich ganz an unsern beliebten Prater erinnerte. – Schöne Alleen waren voll von Wagen, Reitern und Fußgängern; zierliche Kaffeehäuser belebten die freundlichen Waldpartieen und auf den grünen Plätzen schäckerten fröhliche Kinder. – Ich fand mich so sehr in meinen lieben Prater versetzt, daß ich mich nur wunderte, keine bekannten Gesichter zu sehen, keinen herzlichen Gruß zu empfangen. – Auf dieser Seite des Thiergartens steht auch das Krollische Casino; auch Wintergarten genannt. – Ich weiß nicht, wie ich dieß Gebäude nennen soll; – es ist ein wahrer Feenpalast. Alles was man sich Kostbares an Einrichtung, Vergoldung, Malereien, Drapirungen u. s. w. zu denken vermag, findet sich hier in herrlichen Säälen, Salon's, Tempeln, Galerien, Logen, u. s. w. vereint. Der Hauptsaal, welcher für 1800 Couverts Raum hat, erhält sein Licht nicht nur durch große Fenster, sondern auch durch eine Glasdecke, die sich als Dach darüber wölbt. Ganze Reihen von Säulen stützen hier Gallerien oder scheiden die kleinern Sääle vom Hauptsaale. In den Fensternischen, in den Ecken, um die Säulen, überall stehen duftende Blumen und Gewächse in zierlichen Töpfen und Vasen, welche dieses Lokale im Winter in einen wahren Zaubergarten umschaffen mögen. Alle Sonntage finden hier Conzerte und Reunionen statt, zu welchen der Zudrang des Publikums außerordentlich ist – trotz dem, daß nicht geraucht werden darf. – Dieses Lokale soll Raum für 5000 Menschen haben.

Die Seite des Thiergartens, welche sich gegen das Potsdamer Thor zieht, gleicht mit den beschnittenen Alleen, Blumenbeeten und Terassen, Inseln, Goldfischteichen u. s. w. einem vollkommenen Ziergarten. Hier besuche man die Luiseinsel, auf welcher ein schönes Denkmal der Königin Luise zu sehen ist. – Auf der Seite des Ziergartens ist das Kaffeehaus Odeon das vorzüglichste, es kann sich aber in keiner Art mit dem Krollischen Casino messen. – Hier stehen auch ganze Reihen der elegantesten Landhäuser, worunter die meisten im italienischen Style gebaut sind.

Charlottenburg

ist eine halbe Stunde vom Brandenburger Thor entfernt, vor welchem die Omnibus stehen, die alle Augenblicke dahin abgehen. Der Weg führt durch den Thiergarten, an dessen Ende ein niedlich Dörfchen, und gleich an demselben das königl. Lustschloß Charlottenburg liegt. – Das Schloß besteht aus zwei Stöcken, wovon der obere ganz nieder ist, und nur für die Dienerschaft zu gehören scheint. Das Schloß ist mehr breit als tief, das Dach terassenförmig, und in der Mitte desselben erhebt sich eine zierliche Kuppel.

Der Garten ist einfach, nicht sehr groß, besitzt aber eine bedeutende Orangerie. – In einem düstern Boskett steht ein kleines Gebäude, das Mausoleum, in welchem das Bildniß der Königin Luise in Marmor, von dem geschätzten Künstler Rauch, herrlich dargestellt ist. – Hier ruhen auch die irdischen Ueberreste des verstorbenen Königs. – Ferner ist hier eine Insel mit Statuetten, und endlich ein großer Teich, auf welchem einige Schwäne herum stolzieren. – Es ist wahrlich schade, daß an diesen weißgefiederten Thierchen kein Schmutz kleben bleibt, sonst würde man sie bald für eine der größten Merkwürdigkeiten, nämlich für schwarze Schwäne halten; denn der Teich oder Fluß, der sich um die Insel zieht, gleicht der schmutzigsten Pfütze, die ich noch je gesehen habe.

Bereits ermüdet dürfte man diesen Park nicht besuchen, denn Bänke findet man nur sehr wenige; dafür gibt es aber desto mehr Mücken.

Potsdam.

Die Entfernung Potsdam's von Berlin beträgt kaum 4 Meilen, die man auf der Eisenbahn in ¾ Stunden zurücklegt. – Diese Bahn ist sehr bequem eingerichtet; die einzelnen Wagen sind nämlich mit den Namen der Stationen bezeichnet, und der Reisende steigt daher in den Wagen jener Station, wohin er zu fahren gedenkt. Auf diese Art wird man nie durch das Ein- und Aussteigen der Ankommenden und Abgehenden belästiget, indem Alle, die in einen Wagen sitzen, zu gleicher Zeit aussteigen.

Die Fahrt selbst bietet nichts Interessantes, desto mehr aber Potsdam, so daß kaum ein Tag hinreicht, Alles besehen zu können.