Unmittelbar vor der Stadt fließt die Havel, über welche eine lange, wunderschöne Brücke führt, deren Pfeiler von Stein, und das Sparrwerk nebst dem Geländer von Eisen ist. Gleich am jenseitigen Ufer liegt das große königliche Schloß von Potsdam, dessen rückwärtige Seite von Gartenanlagen umgeben ist. Der Garten ist nicht sehr ausgedehnt, für einen Park in der Stadt aber immer groß genug; – er ist dem Publikum geöffnet. – Das Schloß ist in einem sehr großen Style gebaut. Leider ist es ganz unnütz geworden, da der Hof in der Nähe von Potsdam zu schöne Sommerpaläste besitzt, und den Winter in Berlin zubringt.
Der Platz vor dem Schloße gehört nicht zu den schönsten; er ist weder regelmäßig noch groß, und nicht einmal eben. Hier steht auch die Hauptkirche, die zwar noch nicht vollendet ist, aber ein schönes Gebäude zu werden verspricht. Die Stadt ist ziemlich groß, und besitzt eine Menge schöner Häuser. Die Straßen – darunter vorzüglich die Nauner – sind breit und lang, aber sehr schlecht gepflastert; die Steine sind alle mit den Spitzen nach oben gekehrt; für die Fußgeher ist nur immer auf einer Seite der Häuser durch ein zwei Fuß breites, aus Steinplatten bestehendes Trottoir gesorgt. – Ein schöner Platz am Kanal, von einem Kanal durchschnitten, und mit mehreren Alleen geziert, bildet die Promenade der Städter.
Von den königl. Sommerlustschlössern besuchte ich zuerst jenes von Sans souci, das von einem artigen Parke umgeben ist. Das Schloß selbst liegt auf einer Anhöhe, die in 6 Terassen abgetheilt ist. Auf jeder derselben stehen bedeutende Treibhäuser, und vor diesen ganze Alleen von Orangen- und Citronen-Bäumen.
Das Schloß besteht nur aus einem Erdgeschoße, und ist derart mit Lauben, Bäumen und Rebengewinden umgeben, daß nur wenig davon zu sehen ist. – In das Innere des Schlosses konnte ich nicht, weil es von der königlichen Familie bewohnt war.
Ein kleiner Seitenweg führt nach dem Ruinenberge, auf welchem durch die Hand der Kunst Reste eines kleinern und eines größeren Tempels zu sehen sind. Ein weites, ausgedehntes Wasserbecken nimmt zum Theil die Höhe des Hügels ein. Man übersieht von hier aus die rückwärtige Seite des Schlosses Sanssouci, und den sogenannten neuen Palast, welcher von ersterem nur durch den Park getrennt und kaum eine Viertelstunde entfernt ist.
Der neue Palast oder das neue Schloß, von Friedrich dem Großen erbaut, ist so prachtvoll, als man es sich nur denken kann. Es bildet ein längliches Viereck mit Arabesken und flachen Säulen geziert, und mit einem terassenartigen Dache überdeckt, das mit einem Steingeländer umgeben, und durch Figuren verschönert ist.
Die Säle und Gemächer sind hoch und groß, und über alle Maßen herrlich gemalt, austapeziert und eingerichtet. Viele Oelgemälde, darunter manche Meisterstücke, zieren die Wände. – Im Erdgeschoße ist ein Salon ganz mit den schönsten Muscheln ausgelegt. – Beinahe könnte man ein Buch füllen mit der Beschreibung der zahllosen Wunder dieses Feenschlosses. – Leider wird es nicht bewohnt.
An der Rückseite dieses Palastes, und nur durch einen großen Vorplatz von ihm getrennt, liegen zwei wunderniedliche Schlößchen, die mit einander durch eine halbmondförmige Säulenhalle verbunden sind, und herrliche Steintreppen führen auf Terassen, die sich um die ersten Stöcke dieser Gebäude ziehen. Beide Schlößchen dienen zu Casernen, und sind als solche die schönsten, die ich je gesehen habe.
Von hier führte mich ein recht lieblicher Weg nach dem allerliebsten Schlößchen Charlottenhof. – Da ich gerade vom großen neuen Palaste kam, konnte ich mir dieß Schlößchen als Wohnung, wenn auch nur für den Kronprinzen, nicht denken. Ich hätte es für einen prachtvollen, des neuen Schlosses würdigen Pavillon gehalten, nach welchem die königliche Familie manchmal einen Spaziergang machte, um daselbst etwa ein kleines Erfrischungsmahl einzunehmen. – Erst nachdem ich etwas heimischer geworden, und all die herzigen Zimmerchen gesehen hatte, die mit dem geschmackvollsten Luxus eingerichtet sind, erst da begriff ich, daß der Kronprinz nicht leicht eine bessere Wahl hätte treffen können.
Auf den Terrassen, die von einer Seite den obern Stock umgeben, spielen herrliche Wasserkünste. – Die Wände der Corridore und Vorsäle sind mit herrlichen Fresken bemalt, nach Art derjenigen, die man in Pompeji bei Neapel sieht. Die Zimmer selbst sind mit vortrefflichen Kupferstichen, Oelgemälden und andern Kunstschätzen geschmückt. Ueberall herrscht die größte Pracht und Herrlichkeit.