Unweit von diesem Schlößchen steht ein schöner chinesischer Chiosk, mit kunstvoll gearbeiteten Figuren, die aber leider größtentheils verstümmelt und arg beschädiget sind.

Alle diese drei königlichen Schlösser liegen in schönen Parken, die aber derart zusammenhängen, daß man sie für einen halten könnte. Diese Parke bestehen aus schönen Wald- und Wiesen-Partieen, durch welche sich die schattenreichsten Fahr- und Gehwege schlängeln; – an Blumenpartieen kömmt man nur selten vorüber.

Nachdem ich Alles mit Muße betrachtet hatte, kehrte ich wieder zu dem Schlosse Sanssouci zurück, um da die berühmten Wasserkünste spielen zu sehen. Sie spielen wöchentlich zweimal, Dienstag und Freitag, von Mittag bis Abend. – Die Strahlen, welche den beiden vor dem Schlosse liegenden Wasserbecken entsteigen, sind so mächtig, und steigen mit solcher Kraft in die Höhe, daß man staunend das wunderbare Kunstwerk betrachtet. Es ist ein wahres Vergnügen, in der Nähe dieser Becken zu sein, wenn die Sonne in ihrer vollen Pracht leuchtet, und in den Staubregen der halb aufgelösten Wasserstrahlen die schönsten Regenbogen bildet. – Einen zweiten schönen Anblick gewährt eine hohe Vase, die mit schönen Kränzen lebendiger Blumen umwunden ist; das Wasser ergießt sich über selbe, und bildet einen mächtigen beweglichen Sturz, der durchsichtig und rein wie der schönste Krystall ist. Ein schöner Aufsatz, von zwei Blumenkränzen umwunden, reicht noch über den Sturz hinaus. – Unbedeutend ist eine Neptunsgrotte, von deren Höhe sich aus einer Urne das Wasser ergießt und einige kleine Fälle über Muschelbecken bildet.

Gerade blieb mir noch Zeit, auch den Marmorpallast zu besuchen, der auf einer andern Seite Potsdams liegt, und von diesen Schlössern gewiß eine halbe Stunde entfernt ist.

Wenn man den Park dieses Schlosses betritt, sieht man an der linken Seite desselben eine Reihe niedlicher Bauerhäuser, die alle gleich gebaut, und nur durch Obst-, Blumen- und Gemüse-Gärten getrennt sind. – Der Pallast selbst liegt so ziemlich am Ende des Parkes, an einem niedlichen See, den der Fluß Havel bildet. – Er trägt den Namen Marmorpallast zwar nicht ganz mit Unrecht, aber doch mit etwas Anmaßung, wenn man ihn mit den Marmorpallästen zu Venedig oder mit den Marmor-Moscheen zu Constantinopel vergleicht.

Die Wände des Gebäudes sind von Ziegeln aufgeführt, welche in ihrer Naturfarbe gelassen wurden. Die untere und obere Einfassung derselben besteht aus Marmorplatten, ebenso die Fenstergesimse und die breiten Portale. Theilweise läuft um das Schloß eine Gallerie, welche auf Marmorsäulen ruht. – Die Treppen sind von schönem weißen Marmor, und manche der Gemächer sind mit dieser Steinart ausgelegt. – Im Innern ist der Luxus nicht so bedeutend, wie in den andern Potsdamer Schlössern.

Dieser Pallast machte den Schluß alles Schönen und Merkwürdigen, was ich in Potsdam und überhaupt in der Umgebung Berlins gesehen; denn schon am folgenden Tage setzte ich meine Rückreise nach Wien fort.

Schließlich muß ich noch einer in Berlin bestehenden Einrichtung erwähnen, welche besonders für die Fremden sehr zweckmäßig ist – – die Taxe für die Droschkenfahrten. Man darf nicht erst handeln, sondern setzt sich in den Wagen, gibt dem Kutscher den Ort an, wohin man zu fahren wünscht, und zahlt dafür 5 Groschen. Dieser mäßige Preis gilt für die Stadt, die wirklich sehr ausgedehnt ist. – Auch an den Eisenbahnen findet man stets eine Unzahl solcher Droschken, die einen um diese kleine Bezahlung nach jedem Gasthofe, wenn er auch noch so weit vom Bahnhofe entfernt liegt, fahren. – Wären doch die Wiener Fiaker auch so leicht zu befriedigen!! –

1. Oktober.

Ich fuhr auf der Eisenbahn über Leipzig nach Dresden, bestieg noch denselben Tag Abends 8 Uhr den Eilwagen, der in 18 Stunden Prag erreichte.