Den 13. September.
Der See tobt regenbogenglühend im letzten Sonnenscheine, der wie durch Schleier schräg darauf fällt. Wir sehen es von hier, wie die Wellen anschlagen, als wollten sie empor auf die brennenden Matten in Uri.
Ein Veilchen von der Steinmauer eines Landhauses gab uns heute Frühlingsduft im Herbste. Es hat hier Landhäuser, aber sie nehmen sich auch eben nicht anders aus, als wie kühle, gesicherte, angenehme Schlafwohnungen.
Wer einen schwachen Magen hat, komme geschwind her in die schönste Alpenlandschaft und in das schläfrigste Städtchen. Drei Apotheken sind hier und nicht ein einziger Zuckerbäcker, und selbst das einfache Weißbrod ist immer: vom Tage vorher. Es ist hier ein Eden ohne Versuchung.
Den 14. September.
Heute ist in Einsiedeln große Abendprocession mit glänzender Erleuchtung des Klosters. Wir wollten hin und in der Nacht zurück, aber ich bin noch zu matt.
Ein Blinder aus Stuttgart hat eben den Flügel glücklich auf den Kammerton gebracht, was dem guten Instrument seit dem Tage seiner Existenz noch nicht begegnet sein soll.
Hellblauer Himmel, hellblauer See, sonniggrüner Vorgrund, dunkelblaue Alpen, große, weiße Wolken darauf.
Alte Zeitungen studiren wir durch. Sehen, wie's heillos gewesen in der Welt diesen Sommer. Sind dadurch bedrückt noch außer unserm eigenen Kummer. Deutschland, – werde nur Deutschland eins mit Preußen, Preußen durch Deutschland groß, mächtig und prächtig! Mir füllt's manchmal die Brust: Preußens deutsche Größe sei das Räthselwort dieser zwei Jahre.
In drei Monaten hunderttausend Einwanderer in den Vereinigten Staaten. Was für unreine Elemente in den Gährungsproceß, der sich dort allmählich vorbereitet!