„Der Vater gedenkt selbsten gern der entschwundenen Kindheit,“ redete der Prediger verlegen und rieb die Hände ineinander, „wer ein Paradies besessen hat, wünscht es seinen Kindern auch zu schaffen, wie der Herr Geheimerat es unschwer verstehen werden.“

„Freilich, — freilich wohl,“ murmelte George und sah in Röschens schlummerndes Gesicht.

„Der Herr Geheimerat sollte in dein Kabinett eintreten, Friedrich, du solltest mit ihm hineingehen. Er sitzt hier so hart und die Kohlen rauchen und die Lampe riecht so schlecht. Und ich und mein Schmalztopf, — lieber Himmel, der Herr Geheimerat ist bessere Gesellschaft gewöhnt. Es könnte eins von den Kindern hinaufgehen, es melden, wegen dem Röschen und daß es ins Bett muß. Die Frau Geheimerätin hat ja Besuch …“

„Ich muß hinauf!“ George erhob sich hastig. Was hatte er hier unter Fremden Zuflucht gesucht? Und warum Zuflucht? Und warum ging er jetzt die Treppe so zaudernd, und doch so leise, als beschleiche er ein Wild? Und warum wankten seine Knie? Hatte Therese ihn nicht geküßt, als er ging? Und was — was hatte sie doch gesagt:

„Du bleibst zum Abendbrot bei den Eltern, George?“

Therese — erwartete ihn noch nicht zurück. —

Meyer hatte, den Pelz überwerfend, den Hut in der Hand das Zimmer verlassen, in steif aufgerichteter Haltung, mit seinem starren Blick auf ihn zutretend und sich sonderbar tief vor ihm verneigend, der regungslos, das schlafende Kind in den Armen, unter der Tür stehen geblieben war.

Therese, in dem erbarmungslosen Lichtkreis der beiden Armleuchter auf dem Kanapee sitzend, hatte die Hände vors Gesicht geschlagen und duckte sich zusammen, als könnte sie so den Zustand ihrer aufgelösten Frisur, den ganzen Zustand dieser selbstvergessenen Stunde verbergen.

Er war mit dem Röschen ins Nebenzimmer gegangen und hatte es auf sein Bettchen gelegt, in seinem wahnsinnig triumphierenden Schmerzgefühl, daß er recht gehabt, ja, daß er dies erwartet und gewußt habe, doch noch eine peinigende Beschämung für sie empfindend und den Wunsch, ihr Zeit zu lassen. Er hatte gemeint, entsetzlich ruhig zu sein. Er war zu ihr zurückgekehrt, die nun mit angstvollen Augen zu ihm aufblickte, hatte gesagt: „Es ist nun genug. Ihr könnt euch haben. Ich fahre morgen mit dem Postwagen nach Berlin. Du wirst dann von mir hören.“

„Oh, Georgie, — oh! Ich weiß nicht, was du willst! Verzeih mir doch!“