Dorsch spähte mit seinem kleinen nackten Gesicht um den mächtigen Vorbau von Madame Mère herum.
„Ei, Verehrtester, tragen Sie ein so feines Instrument für den Luftdruck der Zeit in der Brust? Es ließ sich dies alles voraussehen, ja, mit der Uhr in der Hand vorausbestimmen. Mon dieu, nein, ich kann nicht behaupten, daß ich vorher litt und nun leichter atme.“
„Oh, Sie meinen, ich affektiere den Geisterseher und Mesmeristen, aber bei Gott, dies nicht! Ich war nie ein Politikus, mein Allerbester, ein jeder, der mich kennt, wird es Ihnen bezeugen …“ und George warf einen lächelnden Blick hinüber zu Sömmerring, der die Augen zur Decke hob und die Hand abwehrend bewegte, — „ich war also auch nie ein bewußter Beobachter der Machtströmungen und fürstlichen Machenschaften.“ —
„Aber was gibt es denn Interessanteres als mitzudichten an dem theatrum mundi?“
„Ah bah, mich langweilt das, so lange ich denken kann. Kein braverer Untertan als ich, so lange die Sache meines Fürsten die Sache der Menschheit und der Menschlichkeit ist! Hört sie auf das zu sein …“
„Dann nimmt unser Forster den Stab in die Hand und sagt: ubi bene, da Vaterland, ho ho!“ rief Wedekind kräftig, und von seinem Gelächter klirrten die Gläser auf dem Tisch. Therese bot erschrocken die Schale mit Obst noch einmal an und sagte in unterdrücktem Tone zu Sömmerring: „Wie kommen wir nur auf diese leidigen Themata? Der eine gerät ins Schwärmen, der andere verfällt auf Grobheiten.“
„Daß sie jetzt auch immer auf den Fürsten herumhacken müssen!“ schmollte die Demoiselle Dieze und gebrauchte den Fächer.
„Ich pflege mich nie politisch zu enragieren, sondern immer nur menschlich,“ fuhr George mit einem kalten Blick in die Richtung des selbstzufrieden schmunzelnden Wedekind fort, „habe da freilich mehr als mancher andere Anlaß gehabt, Despotismus und Ungerechtigkeit am eigenen Leibe zu erfahren.“
„Mein Gott, Sömmerring, so bringen Sie ihn doch auf etwas anderes! Gleich wird er bei England angelangt sein!“ murmelte Therese, und ihre Augen wanderten gleichzeitig hilfesuchend zu Huber hinüber.
„O, ein Europa ohne Fürsten, — welch eine Szene ohne Saft und Kraft, ohne Farbe und Musik!“ rief dieser bereitwillig.