In das betretene Schweigen hinein, das auf diesen Ausbruch folgte, sagte Madame Mère angstvoll:
„Der Herr Geheimerat glaubt aber doch nicht, daß wir in unserm Deutschland ähnliche horreurs erleben könnten wie in Paris?“
„Ach, chère maman, dazu sind wir Deutschen doch viel zu geduldig und langweilig!“
„Silence, Dorothée!“
Frau Forkel ließ eine unehrerbietige Zunge sehen, kicherte und knackte weiter Nüsse auf, mit denen sie ihre Nachbaren Huber und Dorsch versorgte.
Therese, mit einem starren Gesichtsausdruck auf diese vergnügte Gruppe am Tischende ihr gegenüber blickend, sagte langsam, als machte das Sprechen ihr Mühe:
„Und wir Deutschen lassen Worte das Handeln ersetzen und die Schwärmerei ins Große löst den Willen zur Tat ab …“ Sie hob die Tafel auf. Im Nebenzimmer, dem Zimmer des grünen Kanapees und des Mahagonibureaus, stand die neue gläserne Servante, deren Inhalt bewundert werden mußte. George schloß auf und holte mit zärtlichen Händen die Figur der Chinesin aus der Berliner Porzellanmanufaktur heraus.
„Lassen Sie sehen, Freund!“ Dorsch, mit der Stielbrille vor den Augen, tänzelte angeregt näher. — „Ah, diese satten Farben, dieser sanfte Schmelz! Vortrefflich, exzellent! Eine kostspielige Liebhaberei! Aber sehr schön! Sehr artig! — ‚Sie haben Sauereien geschrieben, Heinse, — aber sehr schön, sehr artig!‘ hat unsere Eminenz neulich zu dem Verfasser des ‚Ardinghello‘ gesagt, — ha ha!“ Er blickte beifallsfreudig in die Runde. Huber machte ein hochmütiges Gesicht. Eine dünne kleine Stimme wurde plötzlich hörbar und übertönte klagend die Unterhaltung, die Professorin Dieze erhob lauschend den Zeigefinger und Madame Mère, neben ihr auf dem grünen Kanapee, nickte gerührt:
„O, — die jüngste Demoiselle!“
„Ich sehe, was es gibt!“