Als es dunkel wurde, begann die Feier.
Auf dem Hofe, der von drei Seiten durch das Gebäude eingeschlossen und an der vierten mit Palmen abgegrenzt ist, war eine große Tafel in Hufeisenform gedeckt, wirklich mit weißen Tischtüchern gedeckt, denn es ist nicht der geringste Stolz der Neger bei diesem Feste, doch wenigstens einmal im Jahre von Linnen zu essen wie die senhores. Auf den Tischen standen mächtige, geschnittene Braten, große Berge Reis (natürlich rot wie die Ziegelsteine von Tomaten), Riesenschüsseln mit schwarzen Bohnen und dazu ihr nie fehlender Kumpan der Maismehlpudding angú; da war aber auch als Dessert Batatenkompott, in Milch gekochter frischer Mais (canjica) mit dazugehöriger Melasse, Guyabada, ein prächtiges, aus der Guyabafrucht zubereitetes doce und sogar — Wein à discrétion!
Wie fein hatten sich aber auch die Schwarzen gemacht! Erst langsam und verlegen, dann zuversichtlicher und endlich einander drängend und den Rang ablaufend kamen zunächst die Älteren und Erwachsenen heran; die Jugend mußte warten, da nur etwa hundert Personen zugleich sitzen konnten. Es war zu drollig anzusehen, womit manche dieser guten Einfaltsmenschen sich „geschmückt“ hatten: Die Männer hatten augenscheinlich ihren Ehrgeiz in dem Tragen von Röcken gesucht, die sie entweder geschenkt bekommen oder wohl für ein Geringes von einem herumziehenden Trödler erstanden hatten; einer hatte sogar einen alten Frack an. Wer es aber nicht zu einem Rock hatte bringen können, der hatte doch wenigstens einen Hut, und zwar mit Vorliebe einen Cylinder, erworben.
Graziöser schon präsentierten sich die Frauen, die sich mehr auf das Bunte geworfen hatten, und von denen einige mit äußerster Grandezza sämtliche Farben des Regenbogens zur Schau trugen: ein rother Turban, ein blaues Kleid und ein grüner Gürtel verursachen ihnen absolut keine Gewissensbisse.
Ganz besonders hübsch und sehr eigenartig wurde das Bild, nachdem eine Menge bunter Lämpchen angezündet waren, die die Scene mit ihrem Flimmern phantastisch erleuchteten, und am kaltklaren Himmel darüber das Kreuz des Südens leuchtend ausgegangen war. Wir betrachteten das Ganze von den Fenstern des Hauses aus, und Du kannst Dir denken, wie besonders für uns Europäer das Bild fesselnd und interessant war.
Auch ihre Tischrede und ihren Toast hatten die schwarzen Gäste. Die kleine Leonilla ergriff nämlich im Scherz ein Zeitungsblatt, reichte es zum Fenster hinaus einem alten Neger zu und rief: „Lies, Porphyrio!“
Porphyrio, ein famoser alter Neger mit ergrautem Krauskopf, nahm das Blatt, besah es mit halb komischem, halb wehmütigem Pathos von allen Seiten und fing dann an zu reden: „Meine kleine Senhora hat mir befohlen zu lesen, doch Porphyrio kann nicht lesen. Aber Porphyrio kann sprechen und er hat auch was zu sagen. Ich muß etwas beichten vor Senhor und Senhora — sie leben —“ „Viva!“ schrieen die Neger.
„Ich muß beichten, daß ich im vorigen Jahre schlecht gesprochen habe von Senhor, weil er uns kein Erntefest gegeben hat. Ich habe gesagt: „Warum hat Senhor die Säcke gezählt und hat uns arme Neger dann vergessen?“ Und ich bin zornig gewesen in meinem Innern. Aber dies Jahr hat sich Senhor unserer wieder erinnert und Senhora auch — viva Senhor —“
„Viva!“