„Viva, Senhora —“

„Viva!“

„Und dafür wollen wir ihnen danken. Und für noch etwas wollen wir danken. Nämlich dies. Wie haben wir armen Schwarzen uns früher quälen müssen mit dem Reinigen des Kaffees, wie haben wir die Frucht der Ricinusstaude schlagen müssen, um ein wenig Öl zum Brennen zu gewinnen — jetzt hat unser Senhor Maschinen kommen lassen aus fremden Ländern, die sie England und Deutschland nennen, so daß wir es viel besser haben. Dafür wollen wir danken: viva, Senhor —“

„Viva!“

„Viva, Senhora!“

„Viva!“

So ging es noch eine Weile mit den Vivas fort, bis dann die Erwachsenen den Halbwüchsigen und Kindern Platz machten und ihrerseits auf dem freien Platz vor dem Hause ihre geliebten Tänze begannen.

Sie stellten sich im Kreise auf und dann ertönte eine ohrenzerreißende Musik. Aus Tonnen waren zwei Trommeln hergestellt, die zwei Neger in monotonen Schlägen bearbeiteten, eine Blechrassel vollführte die möglichst unmusikalische Begleitung, und dazu wurde eine eintönige Melodie von zwei Strophen gesungen, die ohne Ermüdung der Sänger wiederkehrte, bis ich 64 Mal gezählt hatte. Beim Klange dieser „Harmonien“ wurde also getanzt und zwar so, daß immer nur eine Person inmitten des Kreises den Tanz ausführte und dann eine andre zur Ablösung hervorzog. Ich muß zur Schande der weiblichen Theilnehmer gestehen, daß sie den männlichen an Grazie und Schwung bei weitem nachstanden, und zumal war unser kleiner unausstehlicher Purzelbaum-Muleque, der Tonino, ganz brillant in seinen geschickten schlangenartigen Bewegungen.

Wer nicht tanzte, beschäftigte sich mit dem Feuerwerk, denn das ist eigentlich die Feier, die der heilige Johannes sich für seinen Namenstag in Brasilien ausbedungen zu haben scheint. Vor dem Hause waren zwei hohe Feuer nach Art unsrer Osterfeuer aufgeschichtet und erhellten mit phantastischem Flackern und Leuchten die Scene; tanzende Negerknaben warfen Leuchtkugeln und Raketen in die Luft, und unter dem kaltklaren, funkelnden Sternenhimmel dieses kältesten Tages im Jahr auf der freien weiten Rasenfläche erschien alles dies ungemein malerisch und poetisch.

Unvergeßlich vor allem wird mir aber eine kleine Scene dieses Abends bleiben, die ich gewünscht hätte, mit Pinsel und Farbe festhalten zu können, um sie Dir in all ihrem Reiz zu veranschaulichen. Unter dem fortdauernden Lärm der Trommeln und Blechrasseln schritt eine graziöse Mulattin, das Gesicht gegen die Sterne gerichtet, die Augen geschlossen und den rechten Arm ausgestreckt, barfuß durch die rotglühenden Kohlen des gesunkenen Feuers, während über ihr die bunten Leuchtkugeln aus der dunkeln Luft zurückfielen. Man glaubte, eine Somnambule zu sehen, so sicher schritt sie einher. Ich traute meinen Augen kaum und schaute ihr mit angehaltenem Atem und einer Art stummen Entsetzens zu. Allein ruhig lächelnd zog sie nachher ihre Schuhe wieder an: An Saõ Joaõs Tag verletzt das Feuer niemanden, sagen die Neger.