„Das würde auch nichts schaden!“ rief der Doktor liebenswürdig. „Es ist so viel über die gegenteilige Seite geschrieben und dabei übertrieben worden, daß die lichteren Seiten auch einmal hervorgekehrt werden können. Überdies irren Sie, wenn Sie denken, ich stehe vereinzelt da. Viele Pflanzer hier in Brasilien halten ihre Sklaven ebenso gut wie ich, manche schon aus Eigennutz! Die traurigen Seiten: der Mangel an Freiheit, die sittliche Verkommenheit vieler, die Unwissenheit aller, das alles wird bleiben, solange es Sklaven geben wird, die es ja vorläufig für uns leider noch geben muß.“

„Es ist aber eigentümlich, wie diese trüben Seiten sich mir hier viel weniger aufdrängen als es in Europa bei mir und ich glaube bei jedermann der Fall ist“, sagte ich sinnend.

„Vielleicht sahen Sie da nur die trübe Seite“, sprach lächelnd der Sklavenhalter.

Weißt Du, Grete, ich habe es ihm schon längst verziehen, daß er nicht fesch aussieht und nicht so bunt angezogen geht wie der Operetten-Brasilianer der kleinen Handschuhmacherin — er ist wirklich ein guter Mensch, und soweit es ihn und seine Frau angeht, bin ich ja hier auch ganz gut aufgehoben — aber das Vehmgericht, das Vehmgericht!

Deine Ulla.

Der Professor reist morgen weiter.

[3] Gelobt sei unser Herr Jesus Christus. —

Saõ Francisco, den 22. Oktober 1881.