Am Sylvestertage reiste ich hierher, und zwar in drei Absätzen: erst mit dem Dampfer über die Bai, dann mit der Eisenbahn bis an den Berg, der Petropolis trägt, und dann mit einem Omnibus auf allerdings recht gut chaussiertem Wege hinauf.[4] Ich erwischte einen ziemlich guten Platz in einem der fünf Wagen und hatte auch die Beruhigung, zu sehen, daß meinem Koffer ein ähnliches Glück widerfuhr.

Etwa auf der Hälfte des Weges wurde Station gemacht, und alles drängte sich um eine dort stehende Bude, wo Kaffee, Gebäck und Früchte zu haben waren. Ich war hungrig geworden und trank gierig meine Tasse Kaffee hinunter und biß ebenso eifrig in ein Stück Biscuit-Kuchen, das ich aufgegriffen. Es schmeckte etwas eigentümlich, und als ich es beim zweiten Happen näher besah, fand ich, daß es von Ameisen wimmelte, von denen ich also gewiß soeben eine erkleckliche Anzahl mit verschluckt hatte. Brrr! nicht wahr? Ja, siehst Du, ich war aber schon so verbrasilianert, daß ich nur gleichmütig den Rest der kleinen Gäste von meinem Biscuit abstreifte und diesen dann behaglich zu einer zweiten Tasse Kaffee verzehrte. Dies wird Deine Verachtung ebensosehr herausfordern, wie es entschieden die Ver- und Bewunderung eines jungen Franzosen erregte, der daraufhin eine lächelnde Bemerkung an mich richtete, die ich dummer Weise munter beantwortete, denn seitdem ödete mich dieser galante „Erbfeind“, der glücklicherweise in einem andern Wagen saß, an jeder Haltestelle, und wenn ich alles das hätte essen und trinken wollen, was er mir hinter einander anbot, so wäre ich wohl schwerlich lebend nach Petropolis hinaufgekommen.

Hier ging ich erst in das deutsche Hotel und machte mich dann auf nach der Behausung des Herrn Goldschmidt, Onkels Geschäftsfreund, der hier ein schloßähnliches Haus mit herrlichem Park besitzt, das er in der heißen Zeit mit seiner Familie bewohnt. Da ich sie bei meinem Aufenthalt in Rio zuletzt noch getroffen hatte, so war dieser Besuch nicht mein erster.

Ich wurde in den Saal geführt und gebeten, einen Augenblick zu verziehen.

„Haben Sie keine Stelle?“ schrie es da plötzlich hinter mir, und Frau Goldschmidt, eine äußerst lebhafte Brasilianerin, die rasch aber falsch deutsch spricht, stand mit halb lachendem (sie lacht immer), halb ängstlichem Gesichte vor mir.

Grete, die Angst dieser zwanzigfachen Millionärin, ich könne irgend etwas von ihr wollen, war so unbeschreiblich komisch, daß mir wie mit Zauberschlag der Humor zurückkam und ich laut herauslachte. Donna Albertina sah mich starr an.

„Verzeihen Sie“, sagte ich nun auch etwas brutal, „aber es ist zu komisch, daß das Ihre erste Frage war! Nein, ich habe keine Stelle, aber ich werde eine finden, wenn es nötig sein wird.“

Dann kam der Gatte.