Neulich begegneten Miß Dahlmann und ich der Kaiserin, sie war zu Fuß mit einer Hofdame; und am Sonntag sahen wir den Kaiser, die Prinzessin und ihren Gemahl, den Grafen von Eu, sowie die drei kleinen Prinzen alle in einem Wagen ausfahren.

[4] Jetzt führt eine Bahn bis ganz hinauf. D. V.

Rio de Janeiro, den 8. Februar 1882.

Mein Herzens-Gretchen!

Da wäre ich denn wieder in der bunten, südlichen Stadt und mitten in ihrem Lärm! Gretel — schön ist dieses Rio, das muß man sagen, wunderbar schön und phantastisch, zumal von der Bai aus, wie ich es bei meiner Ankunft damals und jetzt wieder bei der Rückkehr von Petropolis erblickte.

Wie ein Feenmärchen entfaltet sichs da vor unsern unverwöhnten norddeutschen Augen! Terrassenförmig wird von Brasiliens Küstenbergen die Stadt in die Bucht hinausgehalten, bunt und prächtig, ein einziges Licht- und Farbenmeer, nur unterbrochen, oder besser, noch vermannichfaltigt durch die schlanken Palmen und die großblätterigen Bananen, die überall ihre Plätze gefunden. Nichts von unserm eintönigen roten Gemäuer oder der uniformen grauen Tünche — alles weiß oder bunt und in Brasiliens sattem Sonnenlicht schwimmend, sodaß selbst die kleinen Forts, die auf Inselchen vor dem Binnenhafen liegen, in ihrem Verstecke von Palmengruppen und Farben nicht wie grimme Verteidigungswerke dreinschauen, sondern wie reizende kleine Idyllen, die man für Wirklichkeit zu halten sich zwingen muß. Hier liegt auch die „Blumeninsel“, das erste Asyl für Auswanderer, wo es den armen Menschen zwar durchaus nicht beneidenswert ergehen soll, die aber in ihrem äußeren Anblick an die Idylle Dranmors erinnert, die sich in seinem Requiem findet:

„Ich weiß ein schönes Eiland, wie verloren

Im Stillen Ocean, ein waldbedecktes,