Ohne Ergebnis jedoch in diesem Gedankenstreit fand mich der folgende Morgen zunächst wieder auf dem alten Wege. Wie an den beiden anderen Tagen traf ich den Aussätzigen. Wieder bog er tief in das Gestrüpp ein, als wir an einander vorüberschritten, aber es fiel mir auf, daß er reinere Kleider trug und einen Hut auf dem Kopfe, den er lebhaft abzog, als er mir zweimal eifrig sein „Soss kiss“ zurief. Der Gedanke kam mir, als könne der arme Ausgestoßene diesem Austausch eines Morgengrußes mit einem der glücklicheren Wesen, aus deren Nähe ihn sein Elend bannte, mit einer gewissen Freude entgegen gesehen haben, und der Streit in mir war beendet. Ich beschloß, er solle dieses kleinen Trostes nun nie mehr entbehren.

Da mich der folgende Morgen ein wenig früher als gewöhnlich hinausführte, so traf ich erst auf Ignacio, als derselbe eben aus einer kleinen Hütte von Bambus und Lehm trat, die zwischen Farren und Gesträuch lag. Als er mich sah, blieb er zurück.

„Ist das Deine Hütte, Ignacio?“ rief ich ihm zu.

„Ja, Senhora, meine“, rief er mit strahlendem Gesicht zurück.

„Wohin gehst Du jeden Morgen?“

„Wasser holen zum Kaffee, Senhora.“

Seit wieviel Tagen, vielleicht Wochen mochten dies seine ersten Worte wieder sein!

Jeden Morgen brachte ich nun dem Unglücklichen seinen Gruß aus der Welt der Menschen, und es war mir jedesmal eine Befriedigung, in der Entfernung sein Gesicht freudig aufleuchten zu sehen hinter dem hohen Ginster hervor, durch den er sich allmählich einen vollständigen Weg gemacht hatte. Dennoch blieben meine Morgenspaziergänge, die früher der schönste Teil des Tages gewesen, noch lange eine Überwindung — vor allen Dingen sang und jubelte ich nicht mehr unterwegs.

Dann kam unser Aufenthalt in Santos, und der Gedanke an den Aussätzigen wurde in den Hintergrund gedrängt. Kurz nach unserer Rückkehr sollte ich wieder an ihn erinnert werden. Eines Tages sah ich nämlich, wie Dona Maria Louisa verschiedene große Papierdüten mit Kaffee, Reis, Zucker und schwarzen Bohnen füllte.

„Für wen ist das?“ fragte ich.