„Die Lazaruskranken sind da“, war die Antwort.
„Ignacio?“
„Nein, die Aussätzigen von Santa Barbara, eine ganze Anzahl dieser Kranken, die dort in der Nähe eine Art von Kolonie bilden und ihren Unterhalt erbetteln, um nicht durch das Geld[8] und den Eintritt in die Venden[9] ihr schreckliches Leiden zu übertragen. Die mittellosen Kranken sind auf diese Weise besser daran als in einsamer Verbannung, und wer daher z. B. einen lazaruskranken Sklaven hat, schickt ihn gewöhnlich dorthin. Sie leiden keine Not, denn jeder giebt ihnen reichlich.“
„Warum lassen Sie Ignacio sich ihnen nicht anschließen?“
„Er will nicht, weil er seine Tochter hier hat; wir haben es ihm oft vorgeschlagen.“
Trauriger und rührender Gedanke, diese Familie von Parias, die, durch einen gemeinsamen Fluch von der übrigen Welt geschieden, sich zu gegenseitiger Samariterschaft verbrüderte — die Freimaurer des Elends....
Ich blickte der weiterziehenden Schar der Kranken nach, und ihr dankbares „Gelobt sei Jesus Christus“ schnitt mir ins Herz.
Am folgenden Tage traf ich Ignacio nicht, so daß ich annahm, er sei ein Stück Weges mit seinen Leidensgenossen einhergezogen; als man ihn aber dann auch am anderen Tage bei der Rationenverteilung auf seinem Posten hinter der Barriere vermißte, wurde ein alter Neger hingeschickt, um nach ihm zu sehen. Der Auftrag war wohl ein unliebsamer, der Bericht jedenfalls ein liebloser: Ignacio behaupte, krank zu sein, hieß es, doch könne er nicht sagen, wo es ihm fehle, und demnach würde wohl das ganze Übel nichts weiter als Trägheit sein, er wolle bedient werden und scheue gar die kleine Mühe des Kochens. Ich war erstaunt und verletzt zu sehen, ein wie bereitwilliges Echo diese lieblose Äußerung fand, und sann nach, was zu thun sei, wenn dies fortdauere.
Am nächsten Morgen traf ich jedoch den Aussätzigen, der aber schmutzig und nachlässig aussah, und dessen unglücklicher Gesichtsausdruck und matter Gruß mir das größte Mitleid abnötigten.