„So nimm die Melone auf den Bock.“

„Ja, Senhora, gern, Senhora, aber sie wird hinunterfallen, denn ich habe die vier Maultiere und die Peitsche.“

„Nun, so wird sie stolz neben mir auf dem Sitz fahren, gieb her“, entschied ich, als in der That der Wagen keinen weiteren Raum für die schöne Frucht zu haben schien.

Das kleine offene Gefährt hatte auf einem höckerigen Rasenplatze hinter dem Stationsgebäude gehalten, aus dessen Höhen und Tiefen ihn jetzt wieder herauszuarbeiten, keine kleine Aufgabe war. Aber Cäsario wußte seine Tiere zu nehmen.

Er verfügt über eine erstaunliche Menge ermunternder Zurufe und illustriert sie auf das Geschickteste durch kleine geeignete Peitschenbewegungen. Die Maulesel faßten endlich einen Entschluß und zogen an.

„Hoho“, schrie ich zu gleicher Zeit, denn — die Melone war zum Wagen hinaus. Alles, was ich bei dem plötzlichen Ausbruch von Eselsenergie hatte thun können, war, meinen Hut auf dem Kopf zu behalten, meinen Regenschirm aufzufangen, als er eben auf seinem Wege zum Wagen hinaus war, und selber darin zu bleiben, was ich auch nur mit Hülfe der verwickeltsten equilibristischen Kunststücke fertig brachte... „Halt, Cäsario, meine Melone!“

Glücklicherweise lag sie unversehrt in einer der Untiefen des höckrigen Rasens; Cäsario kletterte vom Bocke herunter und brachte sie wieder heran. „’S ist schlimm damit, Senhora“, sagte er, die große Frucht ratlos angrinsend. Aber ich war zuversichtlich: „O, ich werde sie jetzt schon besser festhalten“, behauptete ich, und Cäsario stieg wieder auf.

Die ganze Serie von Schmeicheleien, Drohungen und Ermunterungen für die Maulesel wurde wiederholt; als diese dann aber wiederum einen Entschluß faßten, brachten sie den Wagen mit seinem ganzen Inhalt, Regenschirm und Wassermelone eingerechnet, glücklich aus dem Bereich des fatalen Rasenplatzes heraus.

Eine mächtige Pfütze unter dem Schlagbaum, der das Bahnhofsterrain abgrenzt, brachte die glatte Frucht nochmals in nicht unerhebliche Gefahr, der sie nur dadurch entging, daß ich aufopfernd die rechte Seite meines Kattunkleides dem Einfluß der spritzenden Räder preisgab und der Melone beide Hände widmete. Aber nun sah der Weg vor uns friedlich aus. Ich versuchte es, die große grüne Kugel jetzt nur mit einer Hand zu stetigen und der Erfolg war zufriedenstellend, obgleich mir das Vergnügen, das große Ding vier Stunden lang festhalten zu sollen, bereits anfing, in zweifelhaftem Glanze zu erscheinen. Wenigstens wollte ich den Schirm aufspannen, ich brauchte mich wegen der dummen Melone doch nicht zum Mohren brennen zu lassen! Grete, ich sehe mich selbst noch, wie ich langsam, langsam den festen Griff, mit dem ich sie gepackt, ein wenig lockerte, dann vorsichtig die Hand emporhob und wachsam mit den Augen die Bewegungen der Frucht verfolgte, die unter meinen gespreizten Fingern immerhin noch mißtrauenerweckend genug wackelte. Aber es ging wirklich! Man konnte sie einen Augenblick loslassen!

Der Schirm war aufgespannt und die Melone sich selbst überlassen — wie erleichtert ich war! Nur beobachten muß man sie noch ein Weilchen... Ein Seitenblick: — alles in Ordnung.