„Was wollen Sie denn mit der schönen Melone thun?“ fragte in demselben Augenblick auf englisch eine Stimme hinter mir und ich sah, mich umwendend, einen Reiter unmittelbar hinter meinem Wagen... Grete, ich hätte in die Erde sinken können vor Scham! Das war Mr. Hall, und ich in dieser Verfassung! Das Kleid bespritzt, total verregnet, mit schmutzigen Handschuhen und mit dem zornigen Gesicht über der großen grünen Frucht — ich war versteinert vor Schreck und wünschte ihn, ja denke Dir, im Ernst, ich wünschte ihn lieber tausend Meilen entfernt, als gerade in dem Augenblicke vor mir! Er ritt langsam neben dem Wagen her, während ich ganz rot und verlegen auf die Melone starrte, die ich noch steif in Händen hielt. „Well?“ machte er und lächelte. Da sah ich ihn an, und da lachten wir beide.
„Das große Ding war auch zu unleidlich geworden“, sagte ich, begann jedoch unwillkürlich, ich weiß nicht warum, das „unleidliche“ Ding mit erneuter Sanftmut zu halten.
„Geben Sie her“, sagte Mr. Hall, „ich werde sie Ihnen für den Rest des Weges tragen.“
„Ah! — aber wie?“
„Hier in diesem Sack; den kann ich so an meinen Sattel hängen... Sehen Sie, so!“
„O danke!“
Grete, wenn ich nur nicht so zerzaust ausgesehen hätte! Ich freute mich förmlich, daß es nicht mehr weit war bis nach Saõ Sebastiaõ. Aber wo mochte Mr. Hall hinwollen, und wo kam er her?
Ich scheute mich, ihn zu fragen, aber ich hätte es zu gerne gewußt. Wir sprachen überhaupt wenig, aber ich hatte so eine Ahnung, als müsse er nach Saõ Sebastiaõ reiten.
Jetzt kam ein Seitenweg, da wollte ich es schon erfahren.
„Sie sollen um meinetwillen aber keinen Umweg machen“, sagte ich. Gretel, das war doch gewiß fein ausgedacht, und ich dachte, er würde nichts merken, aber er machte ein so drolliges Gesicht zu dieser Bemerkung und ich wurde so rot dabei, daß ich sie augenblicklich zehntausendmal mehr verwünschte, als vorhin die Tücken der Melone.