Es war ein glühender, regenloser Sommer, wie es hier die Regel war, aber so wie dieses Jahr doch seit langer Zeit nicht. Schon im Mai hatte die Dürre eingesetzt, und jetzt war alles verbrannt. Das Akazienlaub hing gelb und tot von den Stengeln, die Linden waren auf der Windseite wie versengt. Alles schlich matt einher, der Inspektor wie ein schwarzes Gewölk. Papa, der, schon ganz elend von all den Hiobsposten, richtig auch seinen Nervenschmerz bekommen hatte, ging mit Kölnischwasser und einem Zerstäuber durch die Stuben und spritzte die Gardinen an. Tante Brunislawa sagte: »Gott, bester Thilo, wenn du doch Patience lernen würdest, das beruhigt und die Zeit geht so schön vorbei.« – »Ja, und die Gehirnerweichung tritt ein,« knurrte Papa. Mama schwieg mit hochgezogenen Brauen, aber in der Schläfe ging der kleine Hammer.

Pastor Gordon hatte am Vormittag Unterricht gegeben: Kopfrechnen und Geographie und natürlich auch Religion; an Alis Horizont machte sich außerdem das Lateinische unangenehm bemerkbar.

Mama saß im Vorplatz, der mit Strohmatten, Korbmöbeln und undeutlichen Aquarellen an den Wänden als Gartensaal gedacht war; winters über standen hier auch die Oleander und Geranien in ihren grünen Kübeln. Sie half der Kleudchen beim Erbsenauspahlen; es war die höchste Zeit mit dem Einmachen, sie fingen schon an runzlig zu werden. Adallah hätte gern geholfen, er liebte derartige Beschäftigungen über die Maßen, der Küchenjunge im Märchen erregte stets seinen unverfälschten Neid; aber nun sollte er schon wieder hinaus, und nicht etwa in den Stall zum Gefleckten, das seit einigen Tagen wässerige Äugelchen geöffnet hatte und bedeutend klüger zu werden versprach als das Braune, sondern ans andere Ende vom Dorf, mit einem Paket für die alte Schröder, die doch bloß ächzte und krächzte und keine Ruhe ließ, bis man eins von ihren unappetitlichen Malzbonbons nahm. So trollte er mißvergnügt von dannen.

Die Erbsen fielen hart wie kleine Kugeln in die Schüssel. Mama blickte auf zum Gatten, der in einem Korbsessel lag und sich mit der schmalen, sensitiven van-Dyk-Hand ab und zu nervös durchs Haar fuhr, dies allzu krause Haar, das die Gerüchte, die über den Stammbaum seiner Großmutter umliefen, zu rechtfertigen schien.

»Gordon ist mit den Fortschritten der Kinder nicht recht zufrieden,« sagte sie.

»Gott, die armen Bengels« – der Gatte zuckte übers ganze Gesicht, die Fliegen waren heute geradezu ekelhaft – »bei dieser Hitze auch noch lernen! Und dann so langweilig, immer nur zu zweien, so 'ne Intensivkultur. In der Schule kann man sich doch mal durchschwindeln, und schließlich, wenn man kein absolutes Kamel ist, lernt man ja doch das Nötige. Eine Schule wäre viel besser für die Jungens.«

»Aber das läßt sich jetzt doch nicht einrichten, Thilo, wo's mit den Pferden so knapp ist – allenfalls hinradeln könnten sie, aber zweimal des Tags all die Kilometer – dazu sind sie doch noch sehr klein ...«

»Ach, so meine ich's nicht, das weißt du ganz gut; Kadettenhaus oder Ritterakademie, das ist das einzig wahre für ein paar ordentliche Jungens.«

»Die Erfahrungen, die du damit gemacht hast, dürften doch wohl genügen.«