»Sie sollten unter die Mormonen gehen,« rief ich belustigt. »Sie haben entschieden Talent dazu!«

Er aber schüttelte den Kopf.

Ungeachtet seines unerschütterlichen Entschlusses, ein vorzüglich häusliches Mädchen zu seiner Gattin zu erwählen, versagte er es sich jedoch nicht, sich mit seiner bildhübschen, siebzehnjährigen Cousine Ottilie, die er mit einer gemeinsamen Tante, bei welcher sie seit dem Tode ihrer frühverstorbenen Eltern lebte, für einige Monate auf seinen Landsitz eingeladen hatte, ganz ausgezeichnet zu unterhalten, und trotzdem Ottilie nicht die geringste Lust und nicht das leiseste Talent bewies, die von ihm so hochgeschätzten häuslichen Qualitäten zu erwerben, sah man es ihm doch deutlich an, daß das von lebensfroher Jugendfrische strotzende, allerliebste Geschöpf seinem Herzen sehr theuer war. Er stellte dies auch nicht in Abrede, als ich einmal neckend auf den Strauch klopfte, nur fügte er gleich die Bemerkung bei, daß nichts vollkommen sei unter der Sonne. Ottilie besitze zwar alle Eigenschaften, um sein Leben zu verschönen, allein tüchtig in der Wirthschaft sei sie leider nicht.

Das hinderte ihn jedoch keineswegs, alle Zeit, die seine ökonomische Thätigkeit ihm freiließ – und manchmal auch etwas mehr – ihr zu widmen und, was zu sehen mir besonders Spaß machte, sie mit sichtlichem Vergnügen in ihren antihäuslichen Liebhabereien noch zu bestärken. Er unterrichtete sie im Reiten, Kutschiren, Rudern, sie übten sich zusammen im Pistolenschießen nach der Scheibe, und wenn sie das Centrum öfter traf als er, wenn sie, ein Bild von mit Kraft gepaarter Anmuth, sich im Sattel wiegend, an seiner Seite über die bräunlichen Stoppelfelder – denn mittlerweile war es Herbst geworden – dahinsprengte, war er ganz außer sich vor Entzücken.

»Da, da schauen Sie,« rief er mir einmal voll Ekstase zu, indem er mir eine durchschossene Papierscheibe vor Augen hielt. »Zwanzig Schüsse ins Centrum! Zwanzig Schüsse nacheinander auf dreißig Schritt Distanz, und keinen daneben, um keine Linie! Phänomenal! Das lob' ich mir, einen solchen Kameraden zu haben!«

»Gewiß, gewiß, ein ganz famoser Kamerad!« lachte ich. »Aber Sie wollen sich ja eine Frau suchen, nicht einen flotten Kameraden für Ihre Sportvergnügungen.«

Christian machte eine abwehrende Handbewegung.

»Ah, bah!« brummte er etwas verstimmt. »Das hat Zeit. Warum soll ich mir mein angenehmes Leben mit der Erwägung verbittern, daß ich nicht finde, was ich suche!«

Bei Tische aber widerfuhr seinem angenehmen Leben des Oefteren eine unliebsame Dämpfung. Er hatte eine brave ältliche Person im Dienste, die unter seiner Oberaufsicht die häusliche Wirthschaft leitete und ganz befriedigend gut kochte. Aber seine Lieblingsspeisen genau nach seinem Geschmacke zu bereiten, das verstand sie nicht. Und er wußte es ihr nicht zu erklären, woran es fehlte. So geschah es denn öfters, daß seine heitere Stimmung bei den Mahlzeiten, wenn auch nur vorübergehend, getrübt wurde.

Einmal wagte er in meinem Beisein anläßlich einer Wildpastete – auch eines seiner Lieblingsgerichte – die nicht nach seinem Geschmacke war, eine Bemerkung zu Ottilie, daß es doch gar zu hübsch wäre, wenn sie nebst ihren virtuosen Amazonenkünsten auch ein bißchen von den Künsten der Küche verstände. Sie aber erwiderte lachend, daß ihr Ehrgeiz weit mehr durch das Ziel angestachelt werde, seinen feurigen Rothfuchs zu bändigen, was ihr bisher noch nicht gelungen, als eine wohlschmeckende Pastete zu bereiten.