Dann fing sie zu plaudern an von allen möglichen Dingen – ganz wie früher, als sie noch gewohnt waren, einander alle kleinen Begebenheiten, alle Freuden und Leiden ihres einfachen Lebens mitzutheilen. Auch von dem todten Brüderchen sprach sie, und wie sie jetzt, seitdem es ihr genommen, sich noch viel einsamer fühle als früher, so lange sie für ihn zu sorgen und zu schaffen hatte.

Und dann – ganz plötzlich – rückte sie mit dem heraus, was sie eigentlich vorhatte, ihm mitzutheilen. Sie hege die Absicht, sich zu verheiraten, sagte sie ihm. Der Mann ihrer Wahl sei ein guter, braver Mensch, arm wie sie selbst. Aber sie Beide stellen ja keine großen Ansprüche an das Leben und sie seien gewohnt, zu arbeiten. Und – was die Hauptsache – sie liebe ihn. Da sie aber zu einem so wichtigen Schritt sich nicht entschließen wolle, ohne seinen Rath zu hören, so bäte sie ihn um sein Urtheil. Er werde gleich Gelegenheit haben, den Erwählten kennen zu lernen, denn sie habe diesen gebeten, heute Abend auch zu ihr zu kommen. Martin schnellte von seinem Sitze empor. Kreidebleich stand er vor ihr. Sein Herz hämmerte in so wuchtigen Schlägen, daß er kaum zu sprechen vermochte.

»Wie?« stammelte er. »Er kommt hierher? Jetzt, hier soll ich ihm begegnen? Nein, Elise, das fordern Sie nicht von mir! Das nicht! Lassen Sie mich gehen, bevor er kommt.«

»Sie wollen mir Ihren Freundesrath vorenthalten?« fragte Elise. »Mir ist an Ihrem Urtheile viel gelegen.«

»Ach, welchen Nutzen haben Sie davon? Nein, ich will nicht hier bleiben, ich will nicht!« rief Martin fast verzweifelt und rannte im Zimmer umher, um Hut und Ueberrock zu suchen, die er nicht fand, obgleich beides vor seinen Augen an einem Haken an der Thür hing. Elise aber blieb unerbittlich.

»Warum wollen Sie ihm nicht begegnen?« fragte sie. »Sagen Sie mir, warum Sie es nicht wollen.«

Da trat Martin dicht an sie heran, und indem er die Hände wie bittend ineinander legte, sagte er: »Warum? – Weil – weil – Ach, Elise, Sie quälen mich nutzlos. Sie ahnen nicht –«

Er vollendete den Satz nicht und wandte sich ab. Hut und Rock vom Nagel reißend, wollte er aus dem Zimmer stürzen.

Elise hielt ihn zurück.

»Wenn Sie meine Bitte durchaus nicht erfüllen wollen, wohlan, gehen Sie, ich halte Sie nicht auf. Doch sein Bild sehen Sie sich an. Hier ist es, so sieht er aus. Und nun sagen Sie mir, ob er Ihnen gefällt, ob Sie glauben, daß meine Wahl eine gute, ob ich sie nicht zu bereuen haben werde.«