»Was wurde aus dem Singen? Was?«

»Eine Art Musik … Gleich als ob ich in mir eine Geige hätte, oder als ob in meinem Innersten der Spielmann Jojne säße und eines der Stücke spielte, die er beim Rabbi an der Tafel spielt! Es klang aber noch viel schöner, edler, trauriger! Und alles ohne Töne, ganz ohne Töne, rein geistig …«

»Wohl dir! Wohl dir! Wohl dir!«

»Und nun ist alles weg!« sagt der Schüler sehr traurig. »Meine Sinne sind wieder erwacht, und ich bin so müde, so furchtbar müde, daß ich …«

»Rebbe!« schreit er plötzlich auf, sich an die Brust greifend. »Rebbe, sprecht mir das Sterbegebet vor! Man ist mich holen gekommen! Sie brauchen dort oben einen neuen Chorjungen! Ein Engel mit weißen Flügeln… Rebbe! Rebbe! Schma Ißroel![(7)] Schma …«


Das ganze Städtchen wünschte sich einen solchen Tod. Doch dem Rosch-Jeschiwo war es zu wenig.

»Noch einige Fasttage,« seufzte er, »und er wäre noch ganz anders gestorben: durch einen Kuß von Gottes Munde!«

Berl der Schneider

Erew Jom-Kippur – Vorabend des Versöhnungstages – in der Berditschewer Schul. Es senkt sich die Nacht. Die alten Leute haben bereits vor dem Thoraschreine das Gebet: »Mit Wissen des Schöpfers und mit Wissen der Schöpfung …« gesprochen und sind auf ihre Plätze zurückgekehrt. Rabbi Levi-Jizchok steht am Vorbeterpult: er soll das Kol-Nidrej anstimmen, doch er schweigt.