Alle Blicke hängen an seinem Rücken. In der Weiberabteilung ist es still wie auf dem Meere vor dem Sturme. Vielleicht wird er zuvor, wie er das schon manchmal tat, einige Worte sprechen, wird sich in der gemeinen Volkssprache mit dem Schöpfer der Welt auseinandersetzen, wie ein Mensch mit seinem Nächsten spricht.
Aber Rabbi Levi-Jizchok steht, in Kittel[(8)] und Gebetmantel gehüllt, vor dem Pulte und schweigt.
Was hat das zu bedeuten?
Sind die Tore des Gebets zu einer so späten Stunde noch geschlossen? Hat Rabbi Levi-Jizchok nicht die Kraft anzuklopfen? Er hält seinen Kopf etwas geneigt, wie lauschend; lauscht er, ob man die Tore nicht schon aufschließt?
Und plötzlich wendet sich Rabbi Levi-Jizchok um und ruft:
»Schuldiener!«
Der Schuldiener eilt zu ihm hin, und der Rabbi fragt:
»Ist Berl der Schneider noch nicht da?«
Die Gemeinde ist vor Erstaunen wie versteinert. Der Schuldiener stammelt: »Ich weiß nicht …« und sieht sich um. Auch Rabbi Levi-Jizchok mustert die Anwesenden.
»Nein, er ist noch nicht da!« sagt er schließlich. »Ist zu Hause geblieben.« Und dann wendet er sich wieder zum Schuldiener: