Nein, Mameschi, es sind ganz andre, wirklich ganz andre Augen!

Als ich noch klein war, hatte ich vor dem Vater weniger Angst. Ich weiß noch, wie ich ihm auf die Knie zu springen pflegte, wie ich ihm das Haar zerzauste, den Bart zerteilte und zu Zöpfen flocht, die Lippen übereinanderbog; und wenn er mich böse anschauen wollte, drückte ich ihm die Lider hinunter und schloß ihm einfach die Augen … Heute kann ichs nicht mehr …

Einmal – hörst du, Mameschi? – einmal, als ich krank war, erwachte ich und sah euch beide an meinem Bette stehen … Du hast so still, so herzensstill geweint; und der Vater … Mameschi!… Vater hatte damals ein so schreckliches Gesicht, und ich sah, daß er Gott böse war! Vor Schreck schloß ich wieder die Augen …

Und seit damals kann ich dem Vater nicht mehr nahe kommen wie früher … Etwas hält mich zurück! Oft will mir das Herz aus der Brust springen und ihm zufliegen, und doch kann ich es nicht!

Glaubst du, daß ich den Vater weniger lieb habe? Gott behüte! Ich habe Vater sehr lieb und gewinne ihn mit jedem Tag, mit jeder Minute noch lieber … Wenn er auf mich zugeht, hüpft mir das Herz vor Freude, und es bebt in mir die Seele vor Hoffnung: gleich wird er mich bei der Hand fassen und an sein Herz drücken …

Vor dir zittere ich nicht: du hast mich immer und gleich lieb … Du hast für mich immer Zeit, und du umarmst und küßt mich jeden Augenblick … Du bist immer, immer mein … Vater hat so viel Geschäfte!

Ich weiß: er will, daß ich einmal reich sein soll!


Jetzt willst du wohl, Mameschi, mein Geheimnis hören?

Ich schäme mich!