Schließlich erklingt aus dem gleichen Munde eine beinahe milde Stimme:
»Meine Herren! Er schwieg, also will auch ich schweigen.«
Es wird still, und es erklingt eine neue, weiche, zitternde Stimme:
»Bonze, mein Kind Bonze!« klingt es wie eine Harfe: »Mein Herzenskind Bonze!«
In Bonze schluchzt das Herz … Er möchte jetzt die Augen aufschlagen, sie sind aber von Tränen geblendet … So süß und traurig zugleich war es ihm noch niemals ums Herz. »Mein Kind!« – seit dem Tode seiner Mutter hat er noch nie eine solche Stimme und solche Worte gehört.
»Mein Kind!« fährt der Allbarmherzige Vater des Gerichts fort. »Du schwiegst immer! Du hast kein einziges Glied, keinen einzigen Knochen in deinem Leibe, der nicht wundgeschlagen wäre; es ist keine noch so verborgene Stelle in deiner Seele, die nicht blutete … Und du schwiegst immer …
»Dort verstand sich niemand darauf; vielleicht wußtest du sogar selbst nicht, daß du schreien kannst und daß vor deinem Schreien die Mauern Jerichos erzittern und einstürzen würden? Du wußtest nichts von der Kraft, die in dir schlummerte …
»Auf jener Welt wurde dein Schweigen nicht belohnt. Doch jene Welt ist die Welt der Lüge. Hier, auf der Welt der Wahrheit, wirst du deinen Lohn bekommen!
»Dich wird der Himmlische Gerichtshof nicht richten, über dich wird er keinen Spruch fällen.
»Dir wird er nichts zuteilen und nichts zumessen: nimm dir, was du willst! Alles ist dein!«