»Das sind Menschenworte,« dröhnte die eherne Stimme. »Ich kenne weder Gut noch Böse ... Vernunft ist mir nicht Gesetz – und was ist Gerechtigkeit? – Ich gab dir das Leben – ich werde es dir wieder nehmen und anderen Wesen geben, Würmern oder Menschen ... mir ist es einerlei ... Du aber wehre dich einstweilen – und laß mich in Ruhe!«

Ich wollte noch etwas erwidern ... doch da begann rings die Erde dumpf zu stöhnen und zu beben – und ich erwachte.

Hängt ihn!

»Das geschah im Jahre 1803,« begann mein alter Bekannter, »kurz vor Austerlitz. Das Regiment, in welchem ich als Offizier stand, hatte in Mähren Quartiere bezogen.

Es war uns streng verboten, die Bevölkerung zu beunruhigen und zu drangsalieren; sahen uns die Leute doch ohnehin mit scheelen Augen an, obgleich wir zu ihren Bundesgenossen zählten.

Ich hatte einen Burschen, einen ehemaligen Leibeigenen meiner Mutter, namens Jegor. Er war ein ehrlicher, stiller Mensch; ich kannte ihn von klein auf und behandelte ihn wie einen Freund.

Eines schönen Tages nun erhob sich in dem Hause, in dem ich wohnte, lautes Gezänke und Wehklagen: der Wirtin waren zwei Hühner gestohlen worden, und sie bezichtigte meinen Burschen dieses Diebstahls. Er beteuerte seine Unschuld und rief mich zum Zeugen an ... ‘Er und stehlen, er, Jegor Awtamanow!’ Ich suchte die Wirtin von Jegors Ehrlichkeit zu überzeugen, aber sie blieb taub gegen alles.

Mit einem Male scholl lautes Pferdegetrappel die Straße herauf: der Oberbefehlshaber in eigener Person kam mit seinem Stabe vorüber.

Er ritt im Schritt, eine dicke, massige Gestalt, mit gesenktem Kopfe und Epauletten, die bis auf die Brust herabhingen.

Kaum hatte ihn die Wirtin erblickt – als sie sich seinem Pferde entgegenwarf, auf die Knie fiel – und ganz außer sich, mit fliegenden Haaren, meinen Burschen laut anzuklagen begann, wobei sie mit der Hand auf ihn deutete.