Wassili Iwanowitsch verließ das Zimmer.
»Nun! ich danke!« wiederholte Bazaroff, »das ist wahrhaft königlich. Man sagt, die Könige begeben sich so an das Lager der Sterbenden.«
»Eugen Wassiliewitsch, ich hoffe …«
»Nein, Anna Sergejewna, wir wollen uns nicht täuschen; für mich ist alles aus. Ich bin unter das Rad gefallen. Sehen Sie wohl, daß ich recht hatte, mich nicht im voraus mit der Zukunft zu beschäftigen. Das Sterben ist eine alte Geschichte, doch bleibt sie immer neu für jeden. Bis jetzt habe ich keine Angst … Dann werde ich das Bewußtsein verlieren, und ft (dabei machte er ein leichtes Zeichen mit der Hand). – Aber was könnte ich Ihnen noch sagen? … daß ich Sie geliebt habe? Das hatte früher keinen Sinn, und jetzt weniger als je. Die Liebe ist eine Form, und meine eigene Form ist in der Auflösung begriffen. Ich will Ihnen lieber sagen … wie schön Sie sind! So, wie ich Sie da vor mir sehe …«
Anna Sergejewna zitterte unwillkürlich.
»Es ist nichts, beunruhigen Sie sich nicht … nehmen Sie da unten Platz … nähern Sie sich mir nicht; die Krankheit, die ich habe, ist ansteckend.«
Anna Sergejewna durchschritt das Zimmer rasch, um sich ihm zu nähern, und setzte sich in einen Lehnstuhl neben dem Ruhebett.
»Welche Großmut!« sagte Bazaroff halblaut; »wie nah sie ist! so jung, so frisch, so rein in diesem garstigen Zimmer! … Nun, leben Sie wohl, leben Sie lange, es ist das beste, was man tun kann, und genießen Sie das Leben, solang es nicht zu spät ist. Sehen Sie, welch häßliches Schauspiel: ein halbzertretener Wurm, der sich noch krümmt! Ich glaubte sicher, noch vieles zu leisten; sterben, ich? ah! bah! ich habe eine Mission, ich bin ein Riese! Und zu dieser Stunde besteht die ganze Mission des Riesen darin, mit Anstand zu sterben, obgleich das keinen Menschen interessiert … Was liegt daran, ich will nicht kuschen wie ein Hund.«
Bazaroff schwieg und suchte mit der Hand nach seinem Glas. Anna Sergejewna gab ihm zu trinken, ohne die Handschuhe abzuziehen, und mit verhaltenem Atem.