Vierge dont le front pur a des reflets d’opale,
Petit enfant rieur jouant sur nos genoux,
Tout être humain en lui renferme un cannibale.
Paul Bourget lässt in seiner „Physiologie der modernen Liebe“ Claude Larcher halbträumend folgendermassen monologisieren: „Ich sehe vor mir diesen Leib, an dem ich jeden Umriss kenne, die Schultern voll und zart zugleich, den wallenden Busen, die schlanken Hüften, ganz nackt, und mich mit einem Messer, wie ich diesen Leib zerfleischte, diese Glieder mit Blut besudelte, und wie sie unter der Schärfe des Stahls erzitterten, — und ihren Schmerz... Nein, das werde ich nie thun, weil bei mir, dem Kulturmenschen in der Periode des Niederganges, die Handlung nie die Schwester der Begierde sein kann.... Himmel! wie oft habe ich mir das schon geträumt, und nichts schafft mir Linderung als dieser Traum.“[675]
Eine sadistisch veranlagte Tribade wird in der Schrift „Gamiani ou deux nuits d’excès“ geschildert, die 1836 in nur 20 Exemplaren gedruckt wurde, und 1865 in Brüssel gleichfalls in nur 75 Exemplaren nachgedruckt ward. Eins von diesen Exemplaren befindet sich im Besitze des Schriftstellers Paul Lindau, der es A. Moll zur Durchsicht liess. Dieser teilt mit, das in dem Nachdruck der Autor als A. D. M. bezeichnet wird. Es soll Alfred de Musset sein, und „man glaubt, dass Musset sich als der ehemalige Geliebte der George Sand an dieser durch die Schrift rächen wollte, indem er in der Heldin Gamiani eine Tribade wildester Art, die George Sand schilderte“.[676] Wir sahen schon oben, dass Capo de Feuillade ebenfalls die George Sand sadistischer Neigungen bezichtigte. Uebrigens wird in „Gamiani“ die Unzucht zwischen einem Weibe und einem Esel geschildert, nach dem Vorbilde von Apulejus’ „goldnem Esel“.[677]
Auch die deutsche Litteratur weist einige sadistische Specimina auf. So hat Heinrich von Kleist in seiner „Penthesilea“ ein von rasender Liebeswut ergriffenes Weib geschildert, das schliesslich ihren geliebten Achilles mit einem Pfeile erschiesst, ihn von Hunden zerreissen lässt, und
Er, in dem Purpur seines Blutes sich wälzend,
Rührt ihre sanfte Wange an, und ruft:
Penthesilea! meine Braut! was thust du?
Ist dies das Rosenfest, das du versprachst?