De ces effrayantes femelles

Les intarissables mamelles

Comme de publiques gamelles,

Offrent à boire à tout passant;

Et la liqueur qui toujours coule,

Et dont l’abominable foule

Avec avidité se saoule,

Ce n’est pas du lait, mais du sang.[134]

Wir haben gesehen, wie im 18. Jahrhundert in Frankreich die Frauen bestrebt waren, sich zum Teil wenigstens in Männer zu verwandeln, wie sie in der Politik, in der Liebe und in der Wissenschaft den grössten Einfluss ausübten, wie zwar eine Emanzipation de iure nicht bestand, de facto aber sich geltend machte. Und doch war die Missachtung des Weibes nie so gross gewesen wie in diesem Jahrhundert. Was nützten alle geistreichen Einfälle, alles wissenschaftliche Streben der Frau, das z. B. die junge Gräfin Crigny zur Teilnahme an Sektionen trieb[135], wenn dabei sichtlich das Familienleben zerstört wurde, wenn der Schwerpunkt des weiblichen Wirkens ausserhalb des eignen Hauses fiel. Wir fürchten beinahe, dass wir im Frankreich des 18. Jahrhunderts das Spiegelbild einer nahen Zukunft vor uns haben, und es wäre eine dankbare Aufgabe, zu untersuchen, wovon die wahre Schätzung des Weibes als solches abhängig ist, und ob wirklich die sogenannte Frauenemanzipation die Würde des Weibes für alle Zeit sichern wird.

Die vier grössten Denker Frankreichs im 18. Jahrhundert: Montesquieu, Rousseau, Voltaire und Diderot haben die Verachtung des Weibes gepredigt. Man denke nur an Voltaires bitter-sarkastische Aeusserungen über seine treue Freundin Madame Du Châtelet. Das Weib ist nach Rousseau nur zum Vergnügen des Mannes geschaffen worden. Nach Montesquieu hat der Mann die Kraft und Vernunft, die Frau nur Anmut, und Diderot sah in der Frau einzig und allein ein Objekt der Sinnenlust. „So ist die Frau nach Diderot eine Courtisane, nach Montesquieu ein anmutiges Kind, nach Rousseau ein Gegenstand des Vergnügens, nach Voltaire — Nichts.“[136] Als in der Revolution Condorcet und Siéyès für die häusliche und politische Emanzipation der Frauen eintraten, da „wurden ihre Proteste erstickt durch die mächtigen Stimmen der drei grossen Fortsetzer (continuateurs) des 18. Jahrhunderts, durch Mirabeau, Danton und Robespierre.“ Und für Napoléon I. gab es eins in der Welt, das nicht französisch sei: eine Frau tun zu lassen, was ihr gefällt. Einer der besten Kenner der Frau im 18. Jahrhundert, Rétif de la Bretonne, äussert oft in starken Worten seine Geringschätzung des Weibes.[137] Die Ursache dieser Verachtung ist klar. Die Ehe ist, wie Westermarck in seinem klassischen Werke zur Evidenz nachgewiesen hat, dasjenige Institut, dem die Menschheit ihre sittliche Vervollkommnung verdankt, sie ist das absolut sittliche Institut. In der Ehe ist das Weib dem Manne ebenbürtig, weil es ihn ergänzt. Ausserhalb der Ehe kann das Weib den Mann nicht ersetzen, wird folglich alsbald minderwertig erscheinen. Eine vollständige Emanzipation muss an den unleugbaren Verschiedenheiten zwischen männlichem und weiblichem Wesen scheitern. Eine Gefährdung der Ehe ist gleichbedeutend mit der Verringerung der sittlichen Achtung, die der Mann dem Weibe entgegenbringt. Dies zu sagen, klingt heute noch spiessbürgerlich, wird aber nach vollendeter Emanzipation des Weibes bestätigt werden.