Par un généreux retour

Ce qu’on appelle un doigt de cour.

Für immer verewigt sind die zügellosen Ausschweifungen der Onanie im 18. Jahrhundert durch die berühmte Monographie von Simon André Tissot über die Onanie,[285] das erste Werk seiner Art, das „in glühendsten Farben, in brillantem, geradezu klassischem Stile die Folgen unseres Lasters, überhaupt sexueller Ausschweifungen der damaligen verlotterten französischen Bourgeoisie vor Augen führte, ein Werk, das trotz seiner Ueberhebungen und Uebertreibungen der Folgen der Onanie oder wohl auch infolge derselben ein ungeheures Aufsehen erregte und zu europäischer Berühmtheit gelangte, das viele Auflagen erlebte und von der damaligen Zeit fast verschlungen wurde.“[286]

17. Die Tribadie im 18. Jahrhundert.

Dieses Kapitel ist vielleicht das kulturgeschichtlich merkwürdigste in Beziehung auf das Geschlechtsleben Frankreichs im 18. Jahrhundert. Wir glauben nicht, dass selbst das antike Lesbos derartige Zustände gesehen hat, wie sie in Frankreich im vorigen Jahrhundert herrschten. Auch hier spiegeln die Werke de Sade’s getreu das Bild jener Zeit wieder und belehren über die Häufigkeit des amor lesbicus oder der sapphischen Liebe.

Die „Juliette“ wird gleich eröffnet mit der Beschreibung der wollüstigsten tribadischen Szenen zwischen den Nonnen des Klosters Panthémont (Juliette I, 43 ff.); Mondor ergötzt sich an einer ihm vorgeführten lesbischen Liebesszene (Juliette I, 283). Ein ausgezeichneter Typus einer Tribade wird in der von einem glühenden Männerhasse erfüllten Clairwil gezeichnet (Juliette II, 106), die dann gleich mit Juliette und vier anderen Frauen eine Orgie veranstaltet (Juliette II, 138–150 auch III, 157.) Die höchste tribadische Kunst findet sich in Bologna (Juliette III, 306 ff.). Die Prinzessin Borghese (Juliette IV, 100 ff.), die Königin Karoline von Neapel (Juliette V, 259, VI, 12 ff.) sind Tribaden. Sehr zahlreiche Anhänger hat diese Spezialität der Liebe in Venedig (Juliette VI, 156 ff.).

In „Justine“ kommen ebenfalls, wenn auch nicht so häufig, lesbische Szenen vor, z. B. zwischen Dorothée und Madame Gernande (Justine III, 284); Séraphine ist eine Verehrerin der sapphischen Kunst (Justine IV, 116).

Auch an Andeutungen zu einer Erklärung der Tribadie lässt es Sade nicht fehlen. Eine tribadische Orgie zwischen Juliette und der Durand betrifft eine junge und alte Frau, welche letztere im Herbst ihres Lebens wohl keine Männer mehr anlockt und daher gern geneigt ist, als Surrogat die Liebe beim gleichen Geschlecht zu suchen (Juliette III, 60–64). Vielleicht prädestinierte sie aber auch ihre „lange Clitoris“ zu diesem Geschicke. Wenigstens hebt Sade bei einer anderen Tribade Madame de Volmar (Juliette I, 34) dies ausdrücklich hervor. Diese, erst 20 Jahre alt, ist „die wollüstigste Gefährtin der Delbène und hat eine ‚clitoris de trois pouces‘, wodurch sie befähigt wird, die Rolle eines Mannes und Paederasten zu spielen.[287] Solch ein Weib mit männlichen Allüren ist auch die venezianische Tribade Zatta (Juliette VI, 194). Sade behauptet, dass fast alle Tribaden die Praktik der Paedicatio übten. Denn mit den Leidenschaften der Männer hätten sie auch deren Raffinements sich angeeignet und „comme celui de la sodomie[288] est le plus délicat de tous, il est tout simple qu’elles en composent un de leurs plus divins plaisirs“. (Justine I, 253).

Eine grosse von 30 Hofdamen ausgeführte Tribadenszene beschreibt auch Mirabeau in „Ma conversion“.[289]

Die Schilderungen dieser Autoren, denen sich noch Diderot mit seiner „Nonne“ und zahlreiche Andere anreihen liessen, haben die Wirklichkeit nicht überboten. Mairobert hat nämlich in seinem „Espion anglais“ mehrere hochinteressante Dokumente beigebracht, welche uns einen überraschenden Einblick in das Treiben und die Organisation der Pariser Tribaden des 18. Jahrhunderts gewähren. Es ist die schon öfter erwähnte „Confession d’une jeune fille“, welcher wir hier folgen[290] und welche uns ein lebensvolles Bild der Mysterien der berüchtigten „Secte Anandryne“ entrollt, welche im „Tempel der Vesta“ ihre Orgien feierte.