Et de sexe et de jouissance!
Qui, je voudrais, pour t’exprimer
Jusqu’à quel degré tu m’es chère,
Etre jeune homme pour t’aimer,
Et jeune fille pour te plaire.
Wer war aber die Mlle. d’Eon, deren Büste im Tribadenheiligtum der „Secte Anandryne“ aufgestellt war? Die Geschichte dieses Fräuleins d’Eon bildet eines der merkwürdigsten kulturgeschichtlichen Vorkommnisse, dessen wir kurz gedenken wollen.
Der Chevalier d’Eon[310] war ein talentvoller burgundischer Landjunker, der sich in Paris zum Doktor der Rechte, Censor, litterarischen Dilettanten, vor Allem aber zum Liebling hochadliger Familien emporgearbeitet hatte. Er galt als findiger Kopf. Den entscheidenden Umschwung seines Geschickes führte aber seine eigentümliche, frauenhaft zarte Erscheinung herbei. Als Ludwig XV. kurz vor dem Ausbruch des siebenjährigen Krieges einen geheimen Agenten Douglas nach Petersburg schickte, gesellte man diesem d’Eon bei, der — auf Wunsch Conti’s oder des Königs Frauentracht anlegte und in dieser Verkleidung wirklich bei Hof Eingang gewann, der Kaiserin eigenhändige Briefe Ludwigs XV. in die Hände spielte, das Wohlgefallen der Czarin erregte und sich so als geheimer diplomatischer Agent grosse Verdienste um sein Vaterland erwarb. Später, nach Ablegung seiner Frauentracht, machte er den siebenjährigen Krieg mit, ging dann wieder als geheimer Agent nach London, welche Rolle er jedoch als Mann durchführte. Hier geriet er aber mit dem französischen Gesandten Guerchy in Zwist. Es kam soweit, dass d’Eon drohte, alle in seinem Besitze befindlichen geheimen Papiere der englischen Regierung auszuliefern. Es gelang jedoch Ludwig XV. den Chevalier vorläufig durch eine Rente von 12000 Livres zu beschwichtigen, und damit dieser sich gegen seine Feinde schützen könne, riet der König ihm in einem unter dem 4. Oktober 1763 geschriebenen Briefe, dass er wieder Frauenkleider anlegen solle, was aber d’Eon noch nicht befolgte. Nach dem Tode des Königs wiederholte d’Eon seine Drohungen, als er Gefahr lief seine Rente zu verlieren. Nun taucht eine neue Person in dieser Komödie auf. Das war kein Geringerer als der Autor der „Hochzeit des Figaro“, Beaumarchais, der als Abgesandter König Ludwig’s XVI. nach London ging, um d’Eon zur Auslieferung der Geheimpapiere zu bewegen. Schon scheint die Rückkehr d’Eons gesichert, die Auslieferung der Papiere unmittelbar bevorzustehen, da erklärt der Sohn des ehemaligen französischen Gesandten Guerchy, dass er das Andenken des Vaters an diesem Nichtswürdigen rächen würde, wann und wo er es immer wagen sollte, sich in seinem Vaterlande zu zeigen.
Bei diesem precären Stand der Sache kam ein sinnreicher Kopf — wahrscheinlich Beaumarchais selbst, — auf den Einfall, alle Schwierigkeiten in der Art zu heben, dass man d’Eon zu der öffentlichen Erklärung vermöchte: er sei überhaupt kein Mann, sondern ein — Weib. Alle Weiterungen wären damit auf einen Schlag beseitigt: alle Vergehen wider die Beamten-Disciplin, alle litterarischen Anfeindungen Guerchy’s würden dadurch als Unarten einer in ihrer Eitelkeit verletzten Frau entschuldbar und jede Forderung von Genugthuung als Narretei erscheinen. In den Friedens-Unterhandlungen Beaumarchais’ war es mithin der erste und der entscheidende Punkt, d’Eon zu der unumwundenen, feierlichen Versicherung zu bestimmen, er sei seit jeher ein Weiblein gewesen, das nur durch wunderbare Schicksalsfügung sich alle Zeit als Mann im Leben umgethan habe.[311]
So kam am 25. August 1775 der folgende seltsame Vertrag zu Stande, ein Unicum in der Weltgeschichte:
„Wir Endesgefertigte, Pierre Augustin Caron de Beaumarchais einerseits (mit besonderer Vollmacht des Königs von Frankreich ddo. 25. August 1775 beglaubigt, welche dem Chevalier d’Eon vorgewiesen und abschriftlich dem gegenwärtigen Protokolle angeschlossen wurde) und