Fräulein Charles Geneviève Louise Auguste Andrée Thimothée d’Eon de Beaumont, grossjährig, vormals Dragonerhauptmann, Ritter des königlichen Ludwigsordens, Adjutant des Marschalls und des Grafen von Broglie, vordem Doctor des kanonischen und des bürgerlichen Rechtes, Advokat am Parlament von Paris, königlicher Censor für belletristische und historische Werke, mit dem Chevalier Douglas nach Russland entsendet, um die Annäherung beider Höfe herbeizuführen, französischer Botschaftssekretär des bevollmächtigten Ministers am russischen Hofe, Marquis l’Hôpital, Gesandtschaftssekretär des Herzogs von Nivernais etc. andererseits — sind über folgende Vertrags-Bestimmungen einig geworden:

Art. I. Ich Caron de Beaumarchais fordere u. s. w. (Uebergabe der politischen Papiere.)

Art. II. Ich Caron de Beaumarchais fordere u. s. w. (Uebergabe der Correspondenz d’Eons.)

Art. III. Verpflichtet sich d’Eon, Guerchy’s Andenken und Familie fortan in Frieden zu lassen.

Art, IV. Und damit eine unübersteigliche Schranke zwischen den Streitteilen aufgerichtet werde, fordere ich im Namen Sr. Majestät, dass die Verkleidung, welche bis zu diesem Tage die Person eines Mädchens fälschlich in Gestalt eines Chevalier d’Eon hat erscheinen lassen, völlig aufhöre. Und ohne weiter Charles Geneviève Louise Auguste Andrée Thimothée d’Eon de Baumont einen Vorwurf aus dieser Veränderung ihres Standes und Geschlechtes zu machen, deren Schuld einzig und allein ihre Eltern trifft: ja, indem wir dem tapferen und kraftvollen Betragen volle Gerechtigkeit widerfahren lassen, das sie stets in der Tracht ihrer Wahl (habits d’adoption) bewährt hat, verlange ich unbedingt, dass zur Behebung aller Zweifel über ihr Geschlecht, welches bis heute unerschöpflichen Anlass zu Gerede, unziemlichen Wetten und schlechten Spässen gegeben, die sich immerfort erneuern könnten, vor Allem in Frankreich: verlange ich also, dass das Phantom eines Chevalier d’Eon völlig verschwinde und eine öffentliche unzweideutige Erklärung über das wahrhaftige Geschlecht von Charles Geneviève etc. d’Eon vor ihrer Ankunft in Frankreich und vor der Wiederaufnahme ihrer Mädchenkleider diese Frage für alle Welt endgiltig zur Entscheidung bringe. Fräulein d’Eon kann sich heute diesem Begehren um so weniger verschliessen[312], als sie durch dessen Erfüllung in den Augen beider Geschlechter, welche sie gleicherweise durch ihre Lebensführung, ihren Mut und ihre Talente geehrt hat, nur desto interessanter erscheinen wird. Unter diesen Bedingungen werde ich ihr urkundlich freies Geleit zusichern, kraft dessen sie nach Frankreich gehen und daselbst unter dem besonderen Schutz Sr. Majestät verweilen kann; und nicht blos Schirm und Sicherheit wird ihr der König zu Teil werden lassen, er hat auch die Güte, die Jahrespension von 12000 Livres, welche ihr der verstorbene Herrscher im Jahre 1766 bewilligt hat, in einen Leibrentenvertrag auf die gleiche Summe umzuwandeln.“

d’Eon verpflichtete sich zur Annahme all dieser Bedingungen, erhob aber noch Anspruch auf allerlei grosse und kleine Vorteile und Ehrenrechte. So wünschte er auf den Frauenkleidern das Ludwigskreuz tragen zu dürfen. Weiter einen ansehnlichen Geldbetrag zur Anschaffung von — Mädchenwäsche und Frauenkleidern.

Endlich war alles geordnet und der ehemalige Dragonerkapitän galt in ganz Frankreich — mit Ausnahme der Eingeweihten — als Mädchen.[313] Daher die Büste, welche ihm seine „Geschlechtsgenossinnen“ im „Tempel der Vesta“ errichteten. Casanova erklärt geradezu: „Der König wusste und hat es stets gewusst, dass er (d’Eon) eine Frau sei, und der ganze Streit, den dieser falsche Chevalier mit dem Bureau der auswärtigen Angelegenheiten hatte, war eine Posse, welche der König bis zu Ende spielen liess, um sich dadurch zu unterhalten.“[314]

Louvet de Couvray lässt seinen „Faublas“ dieselbe Metamorphose vom Manne zum Weibe durchmachen. Nur dass dieser Chevalier sich stets zur rechten Zeit und am rechten Orte als Mann, ja allzumännlich — enthüllt.

Dass zur Zeit der Revolution die Viragines, die Weiber mit männlichen Allüren, immer mehr hervortraten, haben wir schon früher erwähnt. Sade hat mehrere solche Typen geschildert.

Wie die Tribadie im vorigen Jahrhundert beurteilt wurde, erhellt aus einer Bemerkung des Grafen von Tilly über die lesbische Freundin eines Mädchens, das er zu heiraten wünschte: „J’avoue, que c’est un genre de rivalité, qui ne me donne aucune humeur; au contraire, cela m’amuse et j’ai l’immoralité, d’en rire.“[315]