Vom Kloster kommt also Juliette ins Bordell, wo sie allerlei Abenteuer erlebt. Die einsame Lage dieses Bordells haben wir bereits geschildert (S. 135). Juliette verkehrt hier mit Prinzen, Edelleuten, reichen Bürgern u. s. w., ist bald als Hofdame, bald als Grisette, bald als „Poissarde“ gekleidet und kommt allen möglichen Gelüsten entgegen. Sie schliesst Freundschaft mit Fatime, einer 16jährigen Prostituierten, deren Spezialität das Bestehlen ihrer Kunden ist, wozu einer der berühmtesten Diebe von Paris, Dorval, sie angeleitet hat, der sich durch seine Spione über alle in Paris ankommenden Fremden unterrichten, diese durch Dirnen verführen und berauben lässt, wobei er heimlich zuschaut, unter starker sexueller Erregung. Er besitzt bereits 30 Häuser. Eines Tages müssen Juliette und Fatime zwei ehrliche Deutsche Scheffner und Conrad, bestehlen, nachdem sie dieselben durch Weine berauscht haben. Diese werden dann nackt in einer finsteren Strasse ausgesetzt. Dorval, dessen sexuelle Perversität der cunnilingus post coitum alterius viri ist, entwickelt in einer langen Rede seine Theorie und Rechtfertigung des Diebstahls, dieser „pierre angulaire de la société.“ Darauf lässt er Fatime und Juliette in eine dunkle Folterkammer werfen, wo er sie durch zwei Knechte entkleiden lässt und dann unter ungeheurer erotischer Erregung seinerseits ihnen das Todesurteil verkündet, das an dem bereitstehenden Galgen vollzogen werden soll. Es wird dann an Beiden eine Scheinhinrichtung vollzogen. Dorval befriedigt seine Lust an den Scheintoten, die darauf nackt in einem Wagen zur Duvergier zurückgebracht werden.
Hierauf wird Juliette zu dem Erzbischof von Lyon in die Abtei von Saint-Victor in Paris geschickt. Dieser Gotteshirte paedicat eam unter Assistenz einer gewissen Lacroix und wird zum Schluss von einer dritten Frau mit Ruthen gepeitscht.
Nachdem Juliette glücklich der Gefahr der Ansteckung durch einen mit schwerer Syphilis behafteten Mann entgangen ist, der besonders durch den Gedanken ergötzt wird, seine Schönen zu infizieren, macht sie die Bekanntschaft eines gewissen Noirceuil, eines reichen Wüstlings und grandiosen Bösewichts. Dieser empfindet das absonderliche Bedürfniss, dass seine Frauen — er besitzt deren bereits die 18te — Zeuginnen aller seiner Ausschweifungen und ihm sogar dabei behilflich sein müssen. Ausserdem begehrt er nur Jungfern. Zwei nackte Knaben müssen während dieser Orgien seine eigene Frau schlagen und stechen. Diese muss dann ebenfalls in adamitischer Tracht bei dem der Orgie folgenden Mahl Noirceuil und seine Maitressen bedienen.
Noirceuil macht der Juliette ein überraschendes Geständnis: „Ich habe Ihren Vater wohl gekannt. Ich bin nämlich der Urheber seines Bankerotts. Ich habe ihn ruiniert. Ich verfügte einen Augenblick über sein ganzes Vermögen, konnte es verdoppeln, oder es in meine Hände übergehen lassen! Consequent meinen Principien habe ich mich ihm vorgezogen. Er ist im Ruin gestorben, und ich habe 300000 Livres Rente. Nach diesem Geständnis müsste ich nun eigentlich das Unglück gut machen, in das ich Sie gestürzt habe. Aber das wäre eine Tugend. Ich werde das nicht tun; denn ich verabscheue die Tugend zu sehr. Dies richtet unübersteigliche Schranken zwischen uns auf. Ich kann Sie nicht wiedersehen.“ — Nach dieser gemütlichen Auseinandersetzung des Verderbers ihres Vaters bricht Juliette in ein Jubelgeschrei aus: „Schrecklicher Mensch, wie sehr ich auch das Opfer Deiner Laster bin, ich liebe dieselben! Ja, ich bete Deine Grundsätze an.“ — „O, Juliette, wenn Du alles wüsstest!“ — „Lass mich alles erfahren!“ — „Dein Vater, Deine Mutter!“ — „Was denn?“ — „Ihre Existenz konnte mich verraten... Ich musste sie opfern; ich habe sie kurz hintereinander durch ein Gift umgebracht, das ich ihnen beim Souper in meinem Hause ins Essen mischte.“ Nach dieser schrecklichen Enthüllung ruft Juliette: „Ungeheuer, Du machst mich schaudern, aber ich liebe Dich!...“ „Den Henker Deiner Familie?“ — „Was macht das? Ich urteile über alles ‚par les sensations‘. Die von Dir Gemordeten haben mir keine solchen Sensationen erregt, aber Dein Geständnis, dass Du ihr Mörder bist, entflammt mich, und erregt meine Geschlechtslust.“ Die Idee, de devenir la putain du bourreau de tous ses parents, verursacht ihr höchste Wonne. Noirceuil, hoch erfreut, eine solche Gesinnungsgenossin gefunden zu haben, behält sie bei sich in seinem Hause. Sie besucht aber immer noch das Bordell der Duvergier. Diese hält auch ein Absteigequartier für vornehme, sich prostituierende Damen und junge Mädchen, die alle mit einem mehr oder weniger hohen Grade von Nymphomanie behaftet sind und ihr Leben teils in der Predigt und Messe, teils im Bordell verbringen. Darunter befinden sich wieder verschiedene sexualpathologische Typen. Die Herzogin von Saint-Fal, die Tochter eines Parlamentsrates, verkauft gern ihre „pucelage antiphysique“ und eine Frau liebt nur den Umgang mit Priestern.[578] Noirceuil bekommt jeden Abend von der Duvergier eine Jungfrau geliefert, die in Gegenwart Juliettens, der beiden Knaben und seiner Gattin ein Opfer seiner Lüste wird. Einmal lässt die Duvergier Juliette und sechs andere Mädchen an einer Orgie bei einem Millionär Mondor teilnehmen. Mondor, ein decrepider Greis von 66 Jahren, bedarf endloser Vorbereitungen, um sein Ziel zu erreichen. Er muss durch eine tribadische Szene der sechs Mädchen, durch künstliche Paedicatio und durch defaecatio in os potent gemacht werden ad paedicationem. Juliette stiehlt diesem erotischen Scheusal 60000 Fr., findet aber bei ihrer Rückkehr nach dem Hause Noirceuil, dass sie dort gleichfalls bestohlen worden ist und zwar von Noirceuil selber, der aber Juliettens Kammermädchen Gode anschuldigt und ins Gefängnis Bicêtre werfen lässt, nicht ohne vorher diese Heldenthat durch eine Orgie gefeiert zu haben und nicht ohne nachher einen grossen Vortrag über das Verbrechen und dessen Nützlichkeit zu halten. — Juliette trifft sich dann im Auftrage der Duvergier mit drei jungen Modistinnen im Café de la Port Saint-Antoine, um zu einem Herzog Dendemar in St.-Maur zu fahren, dessen Manie die Flagellation von Mädchen, am liebsten von nicht prostituierten ist, wofür derselbe seinen Opfern grosse Summen bezahlt. Auch lacerat digitis cunnum, bindet um Juliettens Leib einen Dornenkranz, giesst brennendes Oel über die nackten Leiber der vier Mädchen. Juliette bestiehlt ihn ebenfalls um eine grosse Summe, trennt sich dann endgültig von der Duvergier und lebt ein Jahr im Hause Noirceuils, ab und zu auf eigene Abenteuer ausgehend, bis Lubin, der Kammerdiener des von ihr bestohlenen Herzogs Dendemar sie eines Tages sieht, sie überfallen und gefangen setzen lässt. Sie wird aber von Noirceuil durch Vermittelung des Staatsministers Saint-Fond befreit und veranlasst, dass eine ihrer Begleiterinnen zu dem Herzog Dendemar als die Diebin denunciert wird, worauf sich Noirceuil und Juliette an dem Gedanken wollüstig berauschen, dass nun die unschuldige Minette wegen des ihr aufgebürdeten Diebstahls gehängt werden wird. Noirceuil teilt Juliette mit, dass sein Freund Saint-Fond aus Freude über ihr Verbrechertalent ihr eine sehr bedeutende Summe schenkt. Darauf begeben sie sich zu einem Souper bei diesem Minister.
Saint-Fond ist ein Mann von 50 Jahren, ein falscher und grausamer Wüstling, Verräter und Dieb. Er hat zahlreiche „lettres de cachet“ angefertigt, und mehr als 20000 Menschen schmachten auf seine Veranlassung in den königlichen Festungen, von denen, wie er sagt, „nicht ein einziger schuldig ist.“ Der erste Parlamentspräsident d’Albert ist ebenfalls beim Souper anwesend. Ausserdem Madame Noirceuil, vier Jungfrauen und Juliette. Sechs nackte als Frauen frisierte Knaben servieren. Jeder der drei Wüstlinge hat also je zwei Knaben zu seiner Verfügung. d’Albert verspricht Julietten einen Sicherheitsbrief, der sie gegen jede gerichtliche Verfolgung, für welches Verbrechen es auch sei, schütze, und Saint-Fond sichert ihr das gleiche zu, verlangt aber, stets von ihr mit der gebührenden Hochachtung behandelt zu werden und stets von ihr mit dem seinem Reichtum und Range gebührenden Titel „Monseigneur“ angeredet zu werden. Er gehört zu den wenigen „Genossen“, die wie die Gestirne am Firmament die Welt erleuchten, ohne jemals zu ihr herabzusteigen, kurz, er leidet an Grössenwahn und dünkt sich mehr zu sein als der König. Er hasst die ganze Welt ausser Noirceuil, d’Albert und einigen Anderen. In sexueller Beziehung non amat anum nisi sordidum, faeces edit atque ejaculatio ejus maximo fit cum delirio. Dabei wird er als der Typus eines schönen, kraftvollen und gesunden Menschen beschrieben. Er ist Alkoholist. Im Verlauf der nun folgenden Orgie wird die Frau des Noirceuil auf schreckliche Weise getötet. Man reibt ihr den ganzen Körper mit Spiritus ein, steckt brennende Lichter in omnia orifica corporis, so dass sie am ganzen Leibe verbrannt wird und vergiftet sie schliesslich, wobei unter dem Jauchzen des Gatten Noirceuil die übrigen Anwesenden dem Todeskampfe zuschauen. Juliette wird dann von dem Minister Saint-Fond zur Arrangeurin seiner geheimen Orgien bestimmt, richtet sich mit seinem Gelde ein grosses Hôtel in der Rue du Faubourg Saint-Honoré ein, erwirbt ein hübsches Landgut oberhalb von Sceaux, eine sehr wollüstig eingerichtete „petite maison“ an der Barrière Blanche, das für die Soupers seiner Excellenz bestimmt ist. Sie wird als 17jährige Schönheit in die sie bewundernde Gesellschaft eingeführt, hat vier Kammerfrauen, eine Vorleserin, zwei Nachtwärterinnen, eine Haushälterin, einen Coiffeur, einen Koch, zwei Dienerinnen, drei Equipagen, zehn Pferde, zwei Kutscher, vier Lakaien und zwölf — Tribaden zu ihrer Verfügung. Ausserdem setzt sie der Minister, der Giftmord im Grossen betreibt, an die Spitze des „Departements der Vergiftungen“. Er setzt ihr die Notwendigkeit auseinander, in der sich oft der Staat befindet, irgend eine unbequeme Persönlichkeit zu beseitigen. Juliette soll diese Leute vergiften und für jeden Mord 30000 Francs bekommen. Es sind wohl fünfzig in jedem Jahr. Das macht für sie eine Rente von 1500000 Francs. Die Opfer der geheimen Orgien — denn man tötet gewöhnlich drei Mädchen bei jedem Souper — es giebt zwei Soupers in der Woche — werden das Stück mit 20000 Francs bezahlt. Juliette erhält also 12000 Livres Rente aus ihren persönlichen Einkünften, eine monatliche Pension von Noirceuil, eine Million von Saint-Fond für die allgemeinen Kosten der Soupers, die Anweisungen auf 20 oder 30000 Francs für jedes Opfer, im ganzen jährlich 6734000 Francs. Saint-Fond fügt noch 210000 „Livres de menus plaisirs“ hinzu. Er kann dies ja mit Leichtigkeit thun, da es nicht sein Geld ist, sondern das des Staates, den er ausplündert.
Die Amüsements bei den „petits soupers“ und in den wollüstigen Boudoirs der Barrière-Blanche beginnen nunmehr und werden von Juliette in der vortrefflichsten Weise geleitet. Saint-Fond, der zu diesen Vergnügungen auch einen königlichen Prinzen zugezogen hat, lässt durch Juliette seinen eigenen Vater vergiften, führt dann zusammen mit Noirceuil seine Tochter, mit der er längst im Incest lebt, zu dem Sterbenden und ante oculos ejus eam paedicat. Dasselbe thut Noirceuil. Welch ein Genuss für Saint-Fond! Er ruft triumphierend aus: „Je parricidais, j’incestais, j’assassinais, je prostituais, je sodomisais!“ Hierauf folgt ein luxuriöses Mahl, bei dem kleine Mädchen brennende Lichter ano inseruntur, so dass sie schliesslich verbrannt werden. Andere Mädchen werden auf den Bratspiess gesteckt und lebendig geröstet. Juliette wünscht noch eine jüngere Freundin und in Grausamkeiten erfinderische Gehilfin, worauf man sie mit Lady Clairwil, einer kalten, herzlosen englischen Schönheit bekannt macht. Diese, den Freuden der Tafel bis zum Uebermass huldigende Gourmande, ist leidenschaftliche Tribade und Männerfeindin. Sie verübt nur gegen Männer ihre Grausamkeiten. Sie liebt passive und aktive Flagellation in gleicher Weise, was sie gleich bei einer tribadischen Orgie mit Juliette und vier anderen Frauen beweist. Zum Ueberfluss engagiert Saint-Fond noch den Henker von Nantes, Delcour, zur Vollziehung der geheimen Hinrichtungen. Der Gedanke, mit einem veritablen Henker zusammen zu sein, erregt in Juliette die höchste Wollust. Sie lässt sich von Delcour, der ausführt, dass besonders die Libertinage zur Grausamkeit und zum Verbrechen führe, flagellieren und zugleich mulier ei cunnilingum facere debet. Darauf werden unter Assistenz von Clairwil und Delcour die entsetzlichsten Grausamkeiten verübt. Cloris, ein Verwandter Saint-Fond’s, dem dieser seine ganze Carrière verdankt, wird gerade deswegen zum Opfer ausersehen, zumal da seine Frau und Tochter dem begehrlichen Ansinnen des Saint-Fond nicht nachgegeben haben. Dieser hat die beiden Frauen bei der Königin Marie-Antoinette verleumdet, die ihm drei Millionen (!) für ihre Ermordung zur Verfügung stellt. Nachdem die ganze Familie in die Falle gelockt ist, wird sie zunächst gezwungen, die scheusslichsten Arten von Incest mit einander zu begehen. Dann werden Vater, Mutter und Kinder, einer nach dem anderen, hingemordet. Recht langsam muss der Henker Delcour der Tochter des Cloris den Hals abschneiden, damit Saint-Fond als ihr Paedico maximam habeat voluptatem. Juliette hat einen Saal schwarz drapieren lassen, in dessen zahlreichen Nischen sich puellae nudae befinden. Die Köpfe der Getöteten werden dort aufgehängt, um später der Königin gebracht zu werden. Ausserdem befestigt man an den Wänden die — Nates! Zahlreiche Folterinstrumente werden herangeschleppt. Ein Mädchen Fulvie wird gerädert. Anderen werden die Augen ausgestochen, die Glieder zerbrochen. Ein Jüngling wird in einen hohlen, innen mit scharfen Klingen besetzten Cylinder, den ein Folterknecht wie eine Kaffeemühle dreht, in kleine Stücke zerschnitten.
Nach einigen Tagen werden Clairwil und Juliette von Verwandten des ermordeten Cloris überfallen, aber durch Saint-Fond befreit, wobei Clairwil und Juliette in coitu zwei Männer erschiessen. Saint-Fond erdrosselt in derselben Situation ein Mädchen. Faustine und Felicitas, Dormon und Delnos, die beiden Schwestern der Frau Cloris und ihre Verlobten, werden nach einem „enormen Diner“ geopfert. Dormon wird „in einem Augenblick“ geknebelt, die Clairwil zerfleischt ihn mit den Zähnen, worauf er von zwei alten Weibern aufs Rad geflochten wird. Faustine, die mit den Haaren an der Decke aufgehängt ist, stirbt vor Schreck. Delnos wird von Juliette mit Nadeln zerstochen[579], Felicitas wird lebend „gepfählt“. Clairwil lässt den noch lebenden Delnos wie „Jésus, ce plat coquin de Galilée“, kreuzigen. Zum Schluss wird ein natürlicher Sohn des Saint-Fond, der Marquis de Rose vergiftet. Ebenso lässt Saint-Fond die Mutter des Marquis umbringen, um sich in den Besitz ihres grossen Vermögens zu setzen.
Auch auf ihrem Landgut verübt Juliette Greuelthaten. So fährt sie eines Tages in der Umgebung von Sceaux spazieren, kommt an die Hütte eines braven Bauern, der über den Besuch einer „so grossen Dame“ ganz ausser sich gerät. Sie lobt die Reinlichkeit und Ordnung in dem Häuschen, die heiteren Mienen der Kinder, das anständige Verhalten der Familie und — benutzt einen Augenblick der Abwesenheit des armen Mannes, um Feuer anzulegen. Dieser findet bei seiner Rückkehr die Hütte in Flammen, die Kinder lebendig verbrannt, da Juliette Sorge getragen hat, alle Ausgänge verschliessen zu lassen. Sie amüsiert sich über den Schmerz des Unglücklichen und eilt dann nach Paris, um ihr Heldenstück der Lady Clairwil zu erzählen. Diese runzelt beim Anhören der Geschichte die Stirne wie ein Institutsprofessor. Denn es fehlt noch etwas. Man hätte den Bauern selbst als Brandstifter anzeigen müssen, damit er gehängt oder gerädert worden wäre!
Diese vortreffliche Lehrerin führt Juliette, um deren mangelhafte Erziehung zu vollenden, in die „Gesellschaft der Freunde des Verbrechens“ ein, deren Haus sich in einer Vorstadt von Paris befindet. Die Einrichtung desselben ist bereits beschrieben worden (S. 137). Nach Vorlesung der 45 Statuten, aus denen hervorgeht, dass nur die grössten Verbrecher und Lüstlinge in diese ehrenwerte Gesellschaft aufgenommen werden, wird Juliette aufgenommen, und unerhörte erotische Ausschweifungen folgen, an denen wiederum die Geistlichkeit sehr stark beteiligt ist. Episcopus in nasum suum mingi imperat. Femina ad feminae alterius mammam defaecat. Julia clysteribus excitatur. Ein Mann lässt sich eine grosse Zahl von Nadeln in die testes et nates stossen. Ein Anderer per duas horas lingit os, oculos, aures, nares, spatia interdigitalia pedum, anum. Senex devorat faecem filiae, quam paedicat. Depilat alter cunnum filiae lingua lambens anum. Clairwil trinkt das Blut eines von ihr getöteten Knaben und edit testes. In vier Sälen für „Masturbation, Geisselung, Folter und Hinrichtungen“ werden diese scheusslichen Wollustorgien gefeiert und die grässlichsten Inceste begangen. An bombastischen Reden über die Herrlichkeit des Lasters fehlt es ebenfalls nicht, und man ist im Zweifel, wer das meiste Vergnügen hat, der „coniste“, der „bougre“, der „masturbateur“ oder der „f...... en bouche“!
Aber weder Saint-Fond, noch Noirceuil, weder ihr halbes Dutzend Lakaien, das aus den stärksten Kerlen ausgewählt ist, noch ihre zwölf Tribaden, noch Clairwil, die alle zusammen aufwiegt, weder die zahllosen männlichen und weiblichen Opfer, die Soupers und die Harems der „Gesellschaft der Freunde des Verbrechens“, können dem unersättlichen Temperament unserer Heldin Genüge leisten. Sie braucht noch allerlei sonstige Zerstreuungen. Clairwil und Juliette gehen bei dem Karmelitermönch Claude zur Beichte, bei welcher Gelegenheit sie entdecken, dass dieser wunderbare Mann drei — Testikel hat und er ihnen gesteht, dass er seinen Klosterbrüdern als Pathicus diene und auch ein grosser Atheist sei. An der Barrière de Vaugirard hat dieser Diener Gottes ein kleines Separatlogis, in dem die beiden Freundinnen gute Weine, mollige (mœlleux) Sophas und eine ausgewählte pornographische Bibliothek finden, ausserdem Godmichés, Condome und „Martinets“. Aber lange soll die Freude des braven Mönches nicht dauern. Er wird eines Tages von den Beiden in einen Hinterhalt gelockt und ablatione membri virilis facta, das Clairwil als Godmiché benutzt, getötet.