Das leichte Rollen einer Reitdroschke zwang Rudin, die Augen zu erheben. Ihm entgegen kam, auf seinem bekannten Traber, Leschnew gefahren. Schweigend tauschte Rudin mit ihm einen Gruß, lenkte dann, wie von einem plötzlichen Gedanken getroffen, vom Wege ab und ging rasch in der Richtung zum Hause Darja Michailownas weiter.
Leschnew ließ ihn ein Stück Weges gehen, folgte ihm mit dem Blick, wandte nach kurzem Nachsinnen sein Pferd um – und fuhr zurück zu Wolinzow, bei dem er die Nacht zugebracht hatte. Er fand ihn noch schlafend, ließ ihn nicht wecken, setzte sich in Erwartung des Tees auf den Balkon und zündete sich die Pfeife an.
X
Wolinzow verließ gegen zehn Uhr sein Lager und als er hörte, daß Leschnew bei ihm auf dem Balkon sitze, wunderte er sich sehr und ließ ihn zu sich bitten.
»Was ist vorgefallen?« fragte er ihn. »Du wolltest ja nach Hause fahren.«
»Ja, ich wollte, mir ist jedoch Rudin begegnet … Spaziert allein auf dem Felde und das Gesicht so verstört. Ich dachte nicht lange nach und kehrte um.«
»Du bist zurückgekehrt, weil dir Rudin begegnete?«
»Das heißt – die Wahrheit zu sagen – ich weiß selbst nicht, weshalb ich zurückgekommen bin; vermutlich weil du mir in den Sinn kamst: ich empfand das Verlangen, noch etwas bei dir zu sitzen, nach Hause komme ich noch früh genug.«
Wolinzow lächelte bitter.
»Ja, an Rudin kann man jetzt nicht mehr denken, ohne zu gleicher Zeit auch an mich zu denken … He!« rief er dem Diener laut zu, »bringe uns Tee.«