»Je nun, das ist uns gleich!« rief Alexandra Pawlowna aus, »lassen wir ihn! Ach, wie bin ich froh um den Bruder! … Und Natalia ist heiter, glücklich?«

»Ja. – Sie ist ruhig wie immer – Sie kennen sie ja – sie scheint aber zufrieden zu sein.«

Der Abend verging unter angenehmen und heiteren Gesprächen. Man setzte sich zu Tische.

»Ja, da fällt mir ein,« sagte Leschnew zu Bassistow, indem er ihm Lafitte einschenkte, »wissen Sie, wo Rudin weilt?«

»Für jetzt weiß ich es nicht mit Bestimmtheit. Vorigen Winter kam er auf kurze Zeit nach Moskau und reiste dann mit einer Familie nach Simbirsk; wir tauschten eine Zeitlang miteinander Briefe: in dem letzten benachrichtigte er mich, daß er Simbirsk verlasse – sagte jedoch nicht, wohin er ziehe – und seit der Zeit hörte ich nichts mehr von ihm.«

»Der geht nicht unter!« nahm Pigassow das Wort, »er sitzt irgendwo und hält Reden. Dieser Herr wird immer zwei, drei Verehrer finden, die ihm mit aufgerissenem Munde zuhören und ihm Geld vorschießen. Geben Sie acht, das Ende davon wird sein, er stirbt in irgendeinem Provinzialstädtchen – in den Armen einer überreifen Jungfer mit falschem Haar, die ihm, als dem genialsten Menschen von der Welt, ein heiliges Andenken bewahren wird …«

»Sie urteilen über ihn sehr scharf,« bemerkte Bassistow halblaut und unzufrieden.

»Durchaus nicht scharf,« erwiderte Pigassow, »sondern der Wahrheit getreu. Meiner Ansicht nach ist er ein Tellerlecker und weiter nichts. Ich habe vergessen, Ihnen zu sagen,« fuhr er, zu Leschnew gewendet, fort, »ich habe ja die Bekanntschaft jenes Terlachow gemacht, mit welchem Rudin die Reise ins Ausland machte. Jawohl, jawohl! Was der mir von ihm erzählt hat, davon machen Sie sich keinen Begriff – das ist wirklich lustig! Auffallend ist es, daß alle Freunde und Nacheiferer Rudins mit der Zeit seine Feinde werden.«

»Ich bitte, mich aus der Zahl solcher Freunde auszuschließen!« unterbrach ihn mit Feuer Bassistow.

»Sie, nun – das ist ein anderes Ding! Auf Sie ist es auch nicht gemünzt.«