»Wie warst du heute schön, Mischa!« sagte sie, seine Stirn sanft mit der Hand streichelnd, »wie klug und edel du gesprochen hast! Gestehe aber, du hast dich heute ein wenig zum Vorteil Rudins hinreißen lassen, wie ehemals zu dessen Nachteile …«

»Den am Boden Liegenden schlägt man nicht[6] … überdies befürchtete ich damals, daß er dir irgendwie den Kopf verdrehen könnte,« fügte er lächelnd hinzu.

»Nein,« erwiderte treuherzig Alexandra Pawlowna, »er ist mir von jeher zu gelehrt vorgekommen, ich fürchtete mich vor ihm und wußte nicht, wie ich in seiner Gegenwart sprechen sollte. Pigassow hat sich aber doch heute ziemlich boshaft über ihn lustig gemacht, scheint dir’s nicht?«

»Pigassow?« sagte Leschnew. »Darum namentlich nahm ich mit solcher Wärme Rudin in Schutz, weil Pigassow da war. Er wagt es, ihn einen Tellerlecker zu nennen! Meiner Ansicht nach ist aber die Rolle, die er, Pigassow, spielt, hundertmal ärger. Er besitzt ein unabhängiges Vermögen, macht sich über alles lustig und schwänzelt bei Vornehmen und Reichen herum! Weißt du aber auch, daß dieser Pigassow, der mit solcher Erbitterung auf alle und alles schimpft und über Philosophie und Weiber herfällt, – weißt du wohl, daß er, als er sich noch im Amte befand, ein Sportelreißer war und noch dazu ein arger!«

»Wäre es möglich?« rief Alexandra Pawlowna. »Das hätte ich nicht erwartet … Höre, Mischa,« setzte sie nach einigem Schweigen hinzu, »was ich dich fragen will …«

»Nun?«

»Wie denkst du, wird der Bruder wohl mit Natalia glücklich sein?«

»Wie soll ich dir darauf antworten … allem Anschein nach, ja … die Oberhand wird sie behalten – unter uns brauchen wir kein Geheimnis daraus zu machen – sie ist klüger als er; er ist aber ein herrlicher Mensch und liebt sie von ganzer Seele. Was willst du mehr? Lieben wir beide einander doch und sind glücklich, nicht wahr?«

Alexandra Pawlowna lächelte und drückte Michael Michailitsch die Hand.