»Ich sehe da ein Klavier,« begann Rudin mit weicher, wohlwollender Stimme, als wäre er ein Prinz auf Reisen, »spielen Sie vielleicht?«
»Ja, ich spiele,« sagte Natalia, »aber nicht besonders. Hier, Constantin Diomiditsch spielt bedeutend besser als ich.«
Pandalewski streckte sein Gesicht vor und fletschte die Zähne.
»Sie sind ungerecht gegen sich, Natalia Alexejewna: ich spiele wirklich nicht besser als Sie.«
»Spielen Sie den Erlkönig von Schubert?« fragte Rudin.
»Er spielt ihn, er spielt ihn!« nahm Darja Michailowna das Wort. »Setzen Sie sich, Constantin … Sie lieben die Musik, Dimitri Nikolaitsch?«
Rudin verneigte sich leicht mit dem Kopfe und fuhr mit der Hand über das Haar, als bereite er sich zum Anhören vor … Pandalewski begann.
Natalia stellte sich ans Klavier, Rudin gerade gegenüber. Gleich bei den ersten Tönen erhielt sein Gesicht einen begeisterten Ausdruck. Seine tiefblauen Augen schweiften langsam umher, von Zeit zu Zeit auf Natalia haften bleibend. Pandalewski hatte geendet.
Rudin sagte kein Wort und trat an das geöffnete Fenster. Ein aromatischer Duft lag gleich einer leichten Hülle auf dem Garten, einschläfernde Kühle entstieg den nahegelegenen Bäumen. Sanft schimmerten die Sterne. Wonnig war die Sommernacht und Wonne verbreitete sie um sich her. Rudin schaute in den dunklen Garten hinaus und – wandte sich um.
»Diese Musik und diese Nacht«, sagte er, »haben in mir Erinnerungen erweckt an meine Studentenzeit in Deutschland, an unsere Zusammenkünfte, unsere Serenaden …«